11. August

Ein fauler Tag in und um Stopfenreuth

Nach einer ruhigen Nacht auf dem Boot im Heimathafen war Klarschiff angesagt

Und immer noch erschreckend wenig Wasser in der Donau, 144 cm am Pegel Wildungsmauer, 20 cm unter RNW.

Baggerarbeiten oberhalb der Furt Hainburg
Beim Uferhaus in Orth – sehr ökonomisch gezapft

Von Stopfenreuth nach Orth und weiter flussaufwärts wurde heute der letzte Tropfen Sprit aus dem Kanister verfahren. So kann nun der Verbrauch ziemlich genau geschätzt werden. Eigenartigerweise verzeichnete ich einen Verbrauch von etwas über 73 Liter für 8 Stunden, das entspricht 9,1 Liter in der Stunde bei Vollgasfahrt bergab und ist um einen Liter mehr als bei der Bergfahrt. Zu Tal komme ich mit 26 Liter 100 Kilometer weit. Bergauf allerdings brauche ich für 100 Kilometer 30 Liter.

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10. August

Von Tulln nach Stopfenreuth

Der Abschied von Tulln ist auch aufgrund der negativen Erfahrung vom Vortag sehr leicht gefallen. Beim nahegelegenen Spar wurde noch Proviant gebunkert; die Lust, Geld im Hafen für Benzin zu lassen war überschaubar. Daher wurden erst in der Kuchelau 25 Liter Sprit gebunkert.

Auch in der Kuchelau gibt es Treibstoff

Bei Sonnenschein und großer Hitze unter der Reichsbrücke durch. Zum Glück ist die Hitze am Wasser nicht störend und ein praktischer Hut schützt das Gehirn vor Überhitzung. Leider war Robert nicht auf seiner Daubel – „long time no see“. Übrigens war seine Kopfbedeckung Inspiration für meinen Strohhut (vom Bauhaus).

Ganz bescheiden wird hier eine ökologische Nische in der Wartelände der Schleuse Freudenau besetzt

Beim Badeplatz unterhalb der Freudenau musste ich dann feststellen, dass meine Reiseplanung wieder einmal einen Tag unterschlagen hat. So etwas scheint mir am Wasser schon früher passiert zu sein. Wie auch immer, die Zugkarte und das Sammeltaxi sind für den kommenden Tag, den 11. August abends gebucht. Das bedeutet mehr als ausreichend Zeit für erholsames Planschen in der Donau. Gemütliche Ankunft in Stopfenreuth um halb acht am Abend.

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9. August

Eine lange Etappe von Au nach Tulln

Abfahrt um einige Minuten nach 10 Uhr. Wallsee wurde nach einer Viertelstunde erreicht, aber dann hieß es warten. Beinahe eine Stunde Dümpeln im Oberwasser, aber da das Wetter seit zwei Tagen ausgesprochen manierlich dahergekommen ist, war die Wartezeit durchaus erträglich.

Dieses Armband habe ich an der Wartelände gefunden
Signalstelle Tiefenbach im Hintergrund Grein
Die Insel Wörth – diesmal von der anderen Seite
Auch in Melk musste ich eine knappe Stunde warten
Stift Melk einmal anders gesehen

Nachdem ich auch bei der Schleuse Altenwörth auf die Großschifffahrt warten musste habe ich dann endlich um 17:20 den Hafen Tulln erreicht. Leider kann ich auch heute nicht mit einer kritischen Anmerkung zum Hafen Tulln sparen. Zugegeben, es war ein heißer Tag, und die Partie vom Motorbootclub Tulln hatte sichtlich den Eindruck fortgeschrittener intellektueller Beeinträchtigung durch Sommerspritzer nicht verbergen können, dennoch waren die Wortmeldungen anläßlich meiner Suche nach dem Hafenmeister absolut entbehrlich. Besonders peinlich war der Umstand, dass sich einer der Clubmitglieder von meiner tiefen Sonnenbräune hat täuschen lassen und rassistische Andeutungen in meine Richtung angebracht hat. Es ist einfach eine Schande, dass der Hafen Tulln im Eigentum der Tullner Messegesellschaft, nicht mehr Selbstreinigungskraft und Distanz zu zweifelhaftem Publikum aufbringt.

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8. August

Rückreise Schlögen – Au

Es hat bis kurz nach zehn Uhr gebraucht, bis das Zelt wieder abgebaut und an der praktischen Tankstelle 63 Liter vom Feinsten gebunkert waren. Ich war augenscheinlich nicht inspiriert, die Schlögener Schlinge auch fotografisch festzuhalten, obwohl ich durchaus angenehme Erinnerungen mit diesem Ort verbinde. So habe ich mit der Motorbootschule Fichtenbauer dort die Prüfungen für das Donaupatent und die Funkprüfung abgelegt.

45 Minuten dauerte die Fahrt dann zur ersten Schleuse bei Aschach talwärts. Ottensheim war in einer guten halben Stunde erreicht, und die letzte Schleuse des Tages, nämlich Abwinden-Asten, anzusteuern brauchte weniger als eine Stunde. Die Schleusungen selbst waren ausnahmslos ohne Wartezeit in jeweils unter einer halben Stunde erledigt. Es ist erstaunlich, in welch kurzer Zeit über eine Million Kubikmeter Wasser abgelassen werden können – schade, dass diese Energie für die Stromgewinnung verloren ist.

Mauthausen – Niemals wieder!

Nach einer Nettofahrzeit von zweieinhalb Stunden habe ich den Hafen Au erreicht. Wieder durfte ich am Stammplatz des verreisten Präsidenten festmachen und wurde gastfreundlich mit einem Bier begrüßt. Dieses Mal war nichts mit Essen und Übernachten im Gasthof Jägerwirt, viel mehr gab es Knoblauchsuppe und danach Wiener Schnitzel, Apfelkuchen und Kaffe im Gasthaus Pühringer. Geschlafen habe ich am Boot.

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7. August

Au – Schlögen

Abfahrt in Au um 10 Uhr nach einer angenehmen Nacht im Gasthof Jägerwirt und einem reichhaltigen Frühstücksbuffet. Erwähnt werden sollte auch das köstliche Rehfilet, das am Vorabend mit höchstem Genuss verzehrt wurde.

Abwinden-Asten schleuste in rekordverdächtigen 28 Minuten, wieder einmal gab es keine Wartezeit.

VÖEST Linz

Auch an der Schleuse Ottensheim musste ich nicht warten, so waren dann zwei Drittel der Tagesetappe bis Schlögen schon um kurz nach 12 Uhr Mittag erledigt. Auch die Schleuse Aschach mit einer ausgesprochen freundlichen Schleusenmeisterin ließ mich ohne Wartezeit in die vorbereitete Kammer einfahren. Um zehn vor drei erreichte ich Schlögen, das Ziel dieser Reise. Die Nacht allerdings im Zelt sollte frostig werden. Die lange Trainingshose und der Pullover blieben leider im Schiff. Den Abstieg zum Gästesteg in der Dunkelheit schien mir doch zu unwegsam, daher lieber ein bisschen Frieren.

Zwischenbilanz

Ein Ziel dieser Fahrt bergauf war auch der Versuch, die 300 Stromkilometer von Stopfenreuth (km 1887 LU) nach Schlögen (km 2187 RU) möglichst schnell zurückzulegen. Effektiv 280 Kilometer wurden in Vollgasfahrt in 10 Stunden und 40 Minuten gefahren. Dabei wurden 85 Liter Sprit verbraucht und ein Schnitt von 28 Kilometer pro Stunde erzielt. Der Verbrauch hat sich bei rund 8 Litern in der Stunde oder etwa 30 Liter auf 100 Kilometer eingependelt.

10:40 Stunden Fahrzeit stehen Schleusenzeiten von 7:21 Stunden für neun Schleusen gegenüber. Sechs Schleusen konnte ich praktisch ohne Wartezeit bewältigen, die schnellste Schleusung dauerte bloß 23 Minuten, am längsten wartete ich mit 1:45 in Greifenstein. Abgesehen von den drei Sportbootschleusungen jeweils in einer Richtung pro Tag muss die Sportschifffahrt sich nach den Gegebenheiten der Großschifffahrt richten, und da kann es schon mal zwei Stunden und mehr dauern, bis ein Schwarzer oder ein Weißer daherkommt.

In Sachen Sprit konnte ich zwei Dinge in Erfahrung bringen, auf der individuellen Ebene hat sich gezeigt, dass Vollgasfahrt bergauf immer noch das beste Verhältnis zwischen Verbrauch und zurückgelegter Strecke bringt. Bei 5800 Umdrehungen bewegt sich der Verbrauch so um die acht Liter, bei 4000 Umdrehungen kommt man zwar mit deutlich unter fünf Litern in der Stunde aus, die Fahrzeit verdoppelt sich allerdings. Von allgemeinem Interesse dürfte aber sein, dass die Wassertankstelle in Ardagger wohl für immer geschlossen bleiben wird. So gibt es also zwischen Tulln und Schlögen keine Tankmöglichkeit am Wasser mehr.

Trivial aber wichtig: Die Nächte im August können schon recht frisch werden. Eine LED-Stirnlampe erleichtert das Finden von Dingen im Boot, wenn das Verdeck nächtens geschlossen ist. Auch auf unbekanntem Terrain ist eine Stirnlampe ganz günstig.

Und zuletzt: Schlafen auf dem Boot geht. Zwei Isomatten und ein flaches Luftbett geben die nötige Weichheit und garantieren einen wohligen Schlaf. Auch im August ist ein Schlafsack unbedingt anzuraten.

Die Benzinkanister platzsparend aufgestellt und schon ist Platz zum Schlafen
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6. August

2. Tag Krems – Au

Regenschauer beim Aufwachen verzögern die Abfahrt und verleiten zu einem ausgedehnten Frühstück, vorwiegend bestehend aus dem schon 2012 erprobten Rezept mit Löskaffee, gezuckerter Kondensmilch und einem Löffel Zucker extra.

Alles Essentielles auf einem Tisch

Abfahrt dann um 10:20 in einer Schauerpause. Die Wachau bei Regenwetter ist einmal etwas ganz Anderes. Und auch an einem für Sportboote weniger freundlichen Tag gibt es etwas zu Erleben: Kurz vor Aggstein bei km 2024,9 mühten sich die Besatzung eines größeren Sportbootes redlich damit ab, das manövrierunfähige und antriebslose Boot vom steinigen Ufer fernzuhalten. Da konnte Nasuli zeigen, was in ihren 30PS steckt. Eine halbe Stunde 1300 Meter bergwärts zur rettenden Meyer Werft brachten den Havaristen in Sicherheit und mir eine gepflegte Flasche Federspiel Veltliner.

Bergschleusung in Melk passierte ohne Wartezeit, auch das Wetter hielt sich niederschlagsmäßig zurück. Offenbar lohnen sich gute Taten. Der Hafen Marbach markierte den bisher weitest stromaufwärts erreichten Donaukilometer.

Marbach und am Berg Maria Taferl – Wird es gleich wieder regnen?

Obwohl die Wolken Unheil verhießen, war die Weiterfahrt in den Strudengau trocken geblieben. In der Schleuse Ybbs-Persenbeug hatte ich wieder einen Lauf: Anmelden per Funk – grünes Licht sofort – und in weniger als 30 Minuten bergseitig ausgefahren.

Insel Wörth vom Strudenkanal aus gesehen

Auch bei der Schleuse Wallsee konnte ich ohne Wartezeit nach oben geschleust werden. Sogar das Wetter hat sich zunehmend von seiner freundlicheren Seite gezeigt.

Ankunft in Au um 17 Uhr – und wo ist der letzte 7er abgegangen?

Der Hafen Au war dann das Tagesziel, der Empfang überaus herzlich und ich durfte sogar am Platz des Präsidenten festmachen. Erst als ich auf das vermeintliche „Promikennzeichen“ (vierstellig) angesprochen wurde, ist mir aufgefallen, dass da wohl ein Siebener abhanden gekommen ist. Denn Nasuli trägt ganz offiziell die Kennung W-29797 …eh ganz einfach zu merken.

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5. August

Schlögen – als Kurzversion

Eigentlich war ja der Plan 2022 zum 10 Jahresjubiläum der Fahrt nach Sulina die Wasserstraße Donau bis Kehlheim zu befahren. Aber es kommt ja immer etwas anders, als man denkt. Daher wird Schlögen als Kurzversion angepeilt. Darüber hinaus wollte ich schauen, ob die Strecke Stopfenreuth – Schlögen (ziemlich genau 300 Flusskilometer) in drei Tagesetappen zu bewältigen ist.

Schon die Anfahrt nach Stopfenreuth wurde zur Nervenprobe: Weil ich mein Auto nicht mehrere Nächte in der Au von Stopfenreuth abstellen wollte, entschloss ich mich zur Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Das hat in der Vergangenheit recht gut geklappt, war schnell und eigentlich preiswert. Mit dem REX von Stadlau nach Marchegg und dem Sammeltaxi direkt zum Hafen am Ende der Uferstraße um acht Euro achtzig in einer Stunde ist wirklich eine tolle Alternative zum eigenen Auto – in der Theorie. Denn um 6:15 musste ich am Bahnhof Stadlau erfahren, dass der REX8 um 6:28 ersatzlos gestrichen wurde, angeblich ein technischer Defekt… Der nächste Zug exakt eine Stunde später…

Jetzt hieß es also das Sammeltaxi von 7 auf 8 Uhr umzubuchen. Geht natürlich auch nicht so knapp auf Zuruf. Also das nächste Sammeltaxi könnte ich um halb neun haben. So sammeln sich halt die Verspätungen an und Nasuli konnte erst um dreiviertel zehn ablegen. Um elf Uhr dann im Unterwasser Freudenau und zu Mittag um 12 Uhr war die Schleusung erledigt. Schnitt bergauf 26 km/h – eben mit Vollgas.

Greifenstein in eineinhalb Stunden war auch flott erledigt. Die Schleusung mit der Großschifffahrt ist immer eine nette Gelegenheit „richtige“ Schiffe aus nächster Nähe zu betrachten. Die Donau fließt nun merklich langsamer, der Schnitt für die Etappe Freudenau – Greifenstein erhöhte sich auf beinahe 29 km/h. Tankstopp war dann in Tulln, wo ich mit 22 Liter meine Spritvorräte wieder auf voll ergänzt habe. Denn die nächste Wassertankstelle wäre erst in Ardagger zu finden. Die Wassertankstelle in Krems ist ja leider untergegangen.

Altenwörth wurde kurz vor 16 Uhr erreicht und die Bergschleusung war inklusive Wartezeit mit 38 Minuten sehr flott. Jetzt galt es noch ein Nachtlager zu finden. Ein Anruf im Yachthafen Krems brachte die ernüchternde Erkenntnis, dass es gar nicht so einfach ist, an einem Freitagnachmittag auf die Schnelle einen Gastliegeplatz zu bekommen. Der HSV Wassersportverein Krems-Mautern war dann der Retter in der Not.

Hier gab es auch schon die erste Nacht mit Schlafen auf dem Boot. Drei Kanister Sprit an die eine Seite verschoben und zwei ISO-Matten übereinander gelegt und fertig war das Nachtlager. Ausstrecken konnte ich mich problemlos, allerdings beim Aufstehen musste ich aufpassen mir den Kopf nicht am Sitzbrett anzuschlagen.

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4. August

Danuvina Alacris in Stopfenreuth

Gestern in Orth war zu erfahren, dass die Danuvina Alacris heute in Stopfenreuth anlegen wird. Mehr als ein Grund, wieder in die vertrauten Gefilde zu fahren.

Einfahrt bei 1887,1 LU
6 Tonnen Eiche sicher verheftet
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3. August

Die Römer kommen – Danuvina Alacris

Die Friedrich-Alexander-Universität in Nürnberg hat als EU-gefördertes Projekt mit Studenten ein originalgetreues römisches Ruderboot gebaut. Mit dem Typ „Lusoria“ soll von Ingolstadt bis ins Schwarze Meer gerudert werden. Heute wird das Schiff in Orth zu sehen sein. Seit langer Zeit konnte ich auch meine liebe Christine bewegen, mit mir eine Ausfahrt zu unternehmen.

Also nichts wie hin und bei km 1908 waren die Römer beim Rudern zu bewundern.

Einfahrt zur Pause beim Altarm Fischamend 1908,4 RU

Ein paar Kaffee später beim Humer in Orth:

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Und sie bewegt sich doch

28. Juli Erste legale Ausfahrt

Und das Wunder hat sich dann gestern, am Mittwoch, zugetragen: Ein Anruf informierte mich, dass die Zulassung fertig sei und ich, wenn ich denn wollte, sie noch am selben Tag abholen könne. Und ob ich wollte! Jetzt wird nur noch abzuwarten sein, wie hoch die Verwaltungsstrafe (Strafrahmen dreistellig, jedenfalls über 80€) ausfallen wird – aber diese Summe wird es mir wert sein, endlich die heiß ersehnte Zulassung in Händen zu halten.

Und wieder ging es stromaufwärts. Im Bewusstsein auf der „richtigen“ Seite des Gesetzes zu stehen bin ich mit gepflegten 4800 Touren bergauf gefahren. Das gibt immer noch zwischen 17 und 20 km/h über Grund bei gepflegtem Durst von 5 l/h. Am Wasser lassen sich so auch Temperaturen jenseits der 32 Grad perfekt ertragen und es gibt immer wieder etwas zu sehen.

Eine Tschaike in der Gegend von Orth an der Donau
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Dumm gelaufen

24. Juli Badetag und die Schifffahrtaufsicht schlägt zu

Immerhin warte ich seit Anfang Juni – also mehr als sieben Wochen – auf die Zulassung von Nasuli(2). In einem Akt zivilen Ungehorsams bin ich trotz fehlender Zulassungsurkunde immer wieder ausgefahren. Ich wollte einfach nicht einsehen, dass eine Bootszulassung in Wien mehrere Monate dauern kann, während es andere Bundesländer in wenigen Tagen erledigen können. Auch sehr illustrativ ist der Vergleich mit der Zulassung eines PKW: Dort wird die Geschichte innerhalb einiger Minuten erledigt, wenn alle Dokumente vorliegen.

Zuletzt gab es ja dann auch noch die Auskunft, dass die Sachbearbeiterin ihren Jahresurlaub antreten werde und am 8. August wieder in Amt und Würden sein werde. Ab diesem Zeitpunkt könne es laut MA58 durchaus noch einmal zwei oder drei Wochen dauern, bis das heiß ersehnte Papierl bei mir einlangen würde. Da hat sich Widerstand geregt, weil mehr als die Hälfte der Saison wollte ich die Donau nicht nur vom Ufer aus betrachten. Und tatsächlich bin ich in Österreich noch nie am Wasser von der Wasserstraßenaufsicht aufgehalten oder kontrolliert worden – seit mehr als zehn Jahren.

Daher ging es auch an diesem Sonntag stromaufwärts zu einem netten Anker- und Badeplatz.

Und am Rückweg hat dann das Schicksal zugeschlagen:

Die erste Schiff- und Personenkontrolle seit 10 Jahren. Beim Donaupatent war die Sache ja noch ok; auch die Frage: „Wieso macht ein Steirer in Oberösterreich das Schiffführerpatent und fährt dann ein Boot mit Wiener Kennzeichen?“ konnte ich noch ganz entspannt parieren. Bei der Frage nach der Bootszulassung war aber Schluss mit Lustig. Zwar stieß meine Rechtfertigung mit der überlangen Verdfahrensdauer noch auch ein gewisses Verständnis, aber es blieb unleugenbar eine anzeigepflichtige Verwaltungsübertretung. Entgegenkommenderweise versprach der Beamte gleich am Montag in Wien anzurufen – wohl um die Glaubwürdigkeit meiner Rechtfertigung zu überprüfen.

Da unser Obmann Leo Tunkowitsch vom Yachtclub Marchfeld auch mit der „offiziellen“ Donau bestens vernetzt ist, habe ich ihn ersucht hinsichtlich der Verwaltungsstrafe Milde zu meinen Gunsten zu erbitten. Darüber hinaus habe ich auch bei der Volksanwaltschaft eine Beschwerde gegen die MA58 eingebracht und als Untermauerung meiner Argumentation die Verfahrensdauer in den anderen Bundesländern (Sieger ist die Graz mit einer zugesagten Erledigung innerhalb dreier Tage) angeführt. Und um noch eins draufzutun habe ich den Sachverhalt auch der Innenrevision der Gemeinde Wien zur Kenntnis gebracht. So wurde die MA58 gleich von drei Seiten unter Beschuss genommen.

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Zum Heimathafen

Von Tulln nach Stopfenreuth

In der Früh ging es mit dem Regio nach Tulln. Praktischerweise ist der Hafen vom Bahnhof bequem zu Fuß zu erreichen. Beim Hafenmeister noch schnell 26€ für die Übernachtung gelöhnt, 15,4 Liter Sprit um 36€ gebunkert und ab gings Richtung Heimat.

Die Wartezeiten bei den Schleusen waren in Summe moderat, Greifenstein hat mich ohne Wartezeit sofort mit einem Schwarzen mitgenommen. Bei der Sparschleuse in der Freudenau musste noch etwas in Ordnung gebracht werden, aber letztlich ging es nach 45 Minuten auch bergab.

Die reine Fahrzeit hat 3:16 Stunden betragen, der Verbrauch dürfte bei 15 Liter gelegen sein.

Kurze Ausflüge

Am 21. Juli gab es einen kurzen Ausflug zur Mündung vom Rosskopfarm, herrliches Badewetter und eine einsame Kiesbank. Herz, was willst du mehr?

Der 22. Juli führte mich bergauf zur Freudenau, einfach um ein bisserl Sprit zu verbrennen. Vorsorglich einen zweiten Tank mit 25,3 Liter um 52,18€ mitgenommen. Nach zwei Stunden Bergfahrt war der Tank leer. Überschlagsmäßig hat der erste Tank für 5:30 gereicht. Allerdings würde das einen unrealistisch niederen Verbrauch von knapp über 4 Liter pro Stunde ergeben. Wahrscheinlicher ist, dass ich den Tank in Tulln randvoll gefüllt habe, und da passen in den Hondatank schon einmal 29 – 30 Liter. Unter dieser Annahme passt der Verbrauch von rechnerischen 5,5 Liter/h schon eher ins Bild.

1:52 bergauf – 1:07 zu Tal mit Tank 2
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Nasuli 2

Alles da – oder nicht

Michaela und Herwig haben wieder einmal gezaubert: Der Umbau vom Geräteträger und Motor war vergleichsweise eine eher nicht so unlösbare Aufgabe. Aber beim Verdeck waren Michaela und Herwig in höchstem Maße gefordert. Nasuli 2 ist ein Honwave T40AE-3 aus dem Hause Sun Selections. Und der Dreier am Ende der Typbezeichnung macht den Unterschied: Es gibt nunmehr keinen Süllrand und keine umlaufende Leine. Auch die Bugform ist geringfügig anders.

Daher musste Michaela einzelene Elemente vom Verdeck abändern und Herwig war vor die Herausforderung gestellt, die Lenkung, den Funk und die Gassteuerung am Boot zu befestigen. Ohne Süllrand war die Geschichte gar nicht so einfach. Aber Herwig wusste einen Weg: Die Ruderdollen wurden als kombinierte Basis für das Gestänge vom Verdeck und den Instrumententräger umfunktioniert. Eine perfekte Lösung, denn Nasuli 2 ist schließlich ein Motorboot und kein Ruderboot.

In der Zwischenzeit waren Behördenwege zu erledigen. Und bei der Zulassung hat es zum ersten mal geklemmt: Es gab eine Diskrepanz zwischen den Angaben in der EU-Konformitätserklärung des Herstellers und dem Betriebshandbuch. Die EU-Zulassung hat als maximale Motorleistung – wie auch schon beim Vorgangermodell T40AE-2 – 30 PS am Spiegel angegeben, im Betriebshandbuch, welches für die gesamte Honwaveserie von 2 bis 4 Meter Rumpflänge aufgelegt war, hat sich ein Druckfehler eingeschlichen: Statt 30 PS waren nur mehr 20 PS als maximale Motorleistung angegeben.

Es bedurfte einiger Telefonate und Mails um alle beteiligten Fachleute der Magistratsabteilung 58 davon zu überzeugen, dass die 30 PS am Spiegel, wie auch schon beim Vorgängermodell, absolut zulässig und rechtens sind. Dennoch wird sich die Ausstellung der Zulassungsurkunde bis zum Ende des August verzögern. Computerviren, Corona, Inflation, Personalmangel und andere Katastrophen sollen dafür verantwortlich sein.

Am Samstag war es dann endlich soweit. Voller Vorfreude ging es ab nach Grafenwörth, wo Michaela und Herwig ihre Werkstatt haben. Ein Probelauf des Motors war auch angesagt und da gab es schon ein Hoppala. Anlasser dreht und dreht aber der Motor springt nicht an – kann er ja auch gar nicht, weil die MOB-Sicherung nicht eingesteckt war. Herwig hat schon ein bisserl angespannt geschaut, aber dann ist mir zum Glück aufgefallen, dass ich die Abreißsicherung nicht angesteckt habe.

Odyssee zum Slipplatz

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Nicht gerade einsatzbereit

Frohgemut ging es dann nach Stopfenreuth. Und da gab es schon eine böse Überraschung: Am 18. Juli stand der Pegel in Wildungsmauer bei 150 cm. Extremes Niederwasser 12 cm unter dem RNW. Da war an Slippen nicht zu denken, denn die Rampe reichte nicht so weit, um mit dem Boot ins Wasser zu kommen. Schweren Herzens habe ich Nasuli im Grünbereich des Hafens abgestellt.

Am Sonntag brachte ich Nasuli nach Tulln um sie dort zu Wasser zu lassen. Am Gastliegeplatz konnte ich das Boot über Nacht abstellen. Anschließend ging es mit dem Hänger wieder nach Stopfenreuth. Am Montag mit dem Zug nach Tulln, ab zum Hafen und mit Nasuli zu Tal nach Stopfenreuth. Ja, mit intaktem Luftkiel geht die Sache schon ganz anders… Blieb dann noch die Heimfahrt vom Yachtclub nach Wien, erst mit dem praktischen Sammeltaxi, welches direkt am Hafen einen Abholpunkt anbietet, und dann mit dem Regio in einer guten halben Stunde nach Wien.

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Einsichten und Erkenntnisse

So soll es weitergehen

Ohne Luftkiel geht es nicht. Diese Erfahrung musste ich auf die harte Tour machen. Es gibt Konstellationen aus Windrichtung und Strömung, da ist die Donau echt ruppig. Ohne Kiel klatscht da Nasuli brutal aufs Wasser, quasi ein Bauchfleck nach dem anderen. Gar nicht lustig, diese Einschätzung teilt auch meine Wirbelsäule, die zwar an und für sich in sehr gutem Erhaltungszustand aber halt doch auch schon im Pensionsalter ist.

Wenn ich ehrlich bin, hat der Luftkiel seit Belgrad 2012 immer wieder Probleme gemacht. Mehrfach fachkundig von Meister Kupiec geklebt hat der Luftkiel schon 2021 permanent schlapp gemacht. Ohne es abwertend zu meinen muss ich mir eingestehen, dass Nasuli ein PVC-Boot mit mehr als zehn Jahren auf dem Buckel ist. Es ist eigentlich nur mehr eine Frage von kurzer Zeit, bis die Klebungen an allen möglichen und unmöglichen Stellen den Geist aufgeben werden. So fälle ich schweren Herzens die Entscheidung ein neues Schlauchboot anzuschaffen.

Vor allem sentimentale Gründe haben mir den Abschied von Nasuli nicht leicht gemacht, Aber auch die Frage, ob das wunderbare Verdeck auf das neue Boot passen würde hat mich zunächst zögern lassen. Aber Michaela war wieder einmal die rettende und helfende Seele meiner nautischen Abenteuer. In der kommenden Woche wird sie ein neues Honwave zu einem Spezialpreis für mich aus Oberösterreich besorgen und sie und Herwig werden allenfalls notwendige Umbau- und Anpassungsarbeiten durchführen. Ich bin beglückt über dieses „Rundum-Sorglos-Paket“.

Es gibt jede Menge an Haltegriffen aber keinen Süllrand

Nasuli ist ein Honwave T40-AE2, das neue Boot ist das Nachfolgemodell T40-AE3. Ein bisschen anders sieht es schon aus, aber ich bin bei Familie Hackl in den besten Händen.

Ob die Ruder in Fahrtrichtung so geplant sind?

Sprit – Neue Erkenntnisse

Der Ausflug nach Marbach war insoferne sehr lehrreich, als ein Großteil der Strecke auf der frei fließenden Donau zurückgelegt worden ist. So konnte ich realistische Reichweiten bergauf gegen die Strömung mit10 km/h abschätzen. Bei einer Motordrehzahl von 4800 bis 5000 Umdrehungen laufen gute 6 Liter Super in der Stunde durch den Vergaser. Bergauf konnte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 Kilometern in der Stunde erreicht werden. Über den Daumen gepeilt werden für 100 Kilometer zu Berg 30 Liter Sprit benötigt.

Wenn nun Tulln, Ardagger und Schlägen als Tankstopps geplant sind, reicht ein Kanister zu 25 Liter von Stopfenreuth nach Tulln. Dort wird der 30 Liter Kanister angefüllt, und der sollte bis Ardagger reichen. In Ardagger werden neuerlich 30 Liter gebunkert, das sollte bis Schlögen reichen. Erst in Schlögen werden alle Tanks auf insgesamt 80 Liter angefüllt. So sollte dann die restlichen 223 Stromkilometer bis zur Marina Saal zu schaffen sein.

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Wie geht’s weiter? Vierter Tag

Tulln – Stopfenreuth

In Tulln habe ich noch schnell eine Kappe erstanden. Die verfrühte Heimfahrt war unproblematisch, Schleusung in Greifenstein und Freudenau jeweils mit Kabinenkreuzern nach nur kurzer Wartezeit. Am Funk konnte ich deutlich hören, wie gerade die Schleusenmeister in Wien und Greifenstein besonders freundlich unterwegs gewesen sind.

Man sieht am Log, dass ich bei der Rückreise getrödelt habe, da die Donau unterhalb von Wien zwar mit beträchtlichem Tempo bergab gerauscht ist, aber der Motor kaum über 4000 Umdrehungen gemacht hat. Es scheint so, dass ich eben noch nicht nach Hause wollte. Von km 1888 bis zur Hainburger Brücke habe ich mich überhaupt ganz antriebslos treiben lassen – sehr geruhsam.

Apropos geruhsam, die Rückreise mit Sammeltaxi und Bahn brauchte nur wenig länger als die Fahrt mit dem eigenen Auto. Preislich unschlagbar und gemütlicher war’s sowieso.

Und wie geht’s nun weiter? Hondaschraube kaufen und die vorhandene beim Kirschbaum richten lassen. Wie sich gezeigt hat, ist nie ganz auszuschließen, dass ich eine Schraube knicke. Dann bleibt noch die Geschichte mit dem Luftkiel. Da ist so ungefähr mein Programm: In den nächsten Tagen Schiffschraube besorgen/reparieren lassen; Boot ausräumen, dann bei der Firma Mang den Motor abmontieren lassen und die Bootshaut untersuchen. Da möchte ich abklären, ob ein neuerlicher Reparaturversuch sinnvoll machbar ist oder doch ein neues Honda T40 kaufen. Man wird sehen und ich werde erzählen, wie es mit mit Nasuli weiter geht.

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Marbach, und wieder nichts – Dritter Tag

Marbach – Tulln

Marbach scheint ein mieses Karma auf meine Bootsabenteuer zu verbreiten. Schon die geplante Fahrt durch die Wachau mit meiner Nichte vor geraumer Zeit hat infolge Schlechtwetters ein jähes Ende in Marbach gefunden. Heute war’s wieder einmal so weit.

Schon gestern hat es sich herausgestellt, das das Fehlen des Luftkiel das Fahrvergnügen ganz erheblich dämpft. Nasuli liegt bretteleben auf dem Wasser, bei jeder kleinsten Welle knallt das Boot aufs Wasser. Darüber hinaus sabbert es über den Spiegel ins Boot hinein, weil beim kleinsten Hupfer Wasser vom Hohlraum zwischen Aluboden und Bootshaut in das Boot quetscht wird.

Um das Maß des Glücks voll zu machen, habe ich mich seit gestern gesundheitlich nicht überragend gefühlt. Eine Vermutung ist, dass mich die Sonne ein wenig zu heftig erwischt hat. Vor allem am Kopf ist die Geschichte unangenehm. Da macht sich das Fehlen der Kappe unangenehm bemerkbar. Die ist nämlich am Vortag bei einem Hupfer über die Bugwelle eines Kabinenkreuzers verloren gegangen.

Und als letztes Highlight dieses Tages hat die Schraube an der ungepflegten Wartelände von Altenwörth einen Schlag bekommen. Die Firma Kirschbaum wartet schon. Entschädigt wurde ich durch eine Begegnung mit der „Stadt Wien“. Sie ist ein originaler Schaufelraddampfer, lediglich der Dampfkessel wird nicht mehr mit Kohle sondern mit Heizöl befeuert.

Morgen geht es jedenfalls nach Stopfenreuth…

Bergab gehts halt doch viel schneller
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Voll nass – Zweiter Tag

Tulln – Marbach

Im Morgengrauen war bereits lautes Tropfen am Zelt zu hören. Zu allem Überfluss war die Gaskartusche auch noch ziemlich leer, also hat es ordentlich gedauert, bis der Löskaffee halbwegs lauwarm war. Zelt wegräumen, neue Gaskartusche für den Kocher kaufen, 20 Liter Sprit bunkern… da vergeht die Zeit. Abfahrt erst kurz vor 12.

Bereits bei Dürnrohr erwischt mich der erste Guss. Hinter Dürnstein war es dann so arg, dass ich das Ölzeug ausgepackt und angezogen habe. Zum Glück habe ich vor der Abfahrt noch drei wasserdichte Seesäcke erstanden, so bleiben die Items trocken. Die Füsse allerdings weniger, die stecken ja auch nicht im Seesack.

Die Fahrt durch die Wachau war regendurchzogen. Hatte ich bei der Schleuse Altenwörth noch Glück gehabt und konnte ohne Wartezeit mit der Kaiserin Elisabeth mitschleusen, so hieß es im Melk eine Stunde warten. Daher auch Ankunft in Marbach erst nach 18 Uhr.

Boot zusammenräumen und Zelt aufstellen hat so lange gedauert, dass die Küche im Wirtshaus bereits geschlossen hatte. Daher Rückgriff auf den bewährten Bröselkaffee. Aus dem Automaten dann noch um einszwanzig Mannerschnitten.

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Es geht los – Erster Tag

Stopfenreuth – Tulln

Schon die Anreise war anders als sonst. Statt mit dem Auto habe ich die öffentlichen Verkehrstmittel benutzt. Mit dem Regionalexpress ging es in einer guten halben Stunde nach Marchegg. Dort hat schon das Sammeltaxi auf mich gewartet und mit einem Schlenkerer über Hainburg bin ich direkt vor unserem Hafen angelangt. Ein Glück, dass das Sammeltaxi genau am Ende der Uferstraße einen Haltepunkt hat. Unterm Strich hat die Fahrt 8 Euro 10 gekostet. Mehr als günstig, wenn man ehrlich 50 Cent für den Kilometer als Kosten des eigenen KFZ zum Vergleich heranzieht.

Um genau 10:39 war dann Abfahrt, weil es wieder einmal länger gedauert hat das Schiff klar zu machen. Im Gegenzug waren die Götter der Schleusen mehr als gnädig. Soloschleusung in der kleinen Kammer rechts in Freudenau ohne Wartezeit und neben einem Schubverband in Greifenstein ebenfalls ohne Wartezeit.

So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass ich um kurz nach 3 Uhr in Tulln angekommen bin. Leider darf man im Hafen Tulln nicht zelten, so dass ich auf den überkomplett ausgestatteten Campingplatz ausweichen musste. Irgendwie ein Missverhältnis: 4 Meter Boot die Nacht im Hafen für 26 €, 1 Meter 80 Mensch im Zelt 14 € 60. Für beide gibt es jeweils Duche und WC inklusive, der Mensch braucht’s, Nasuli eher weniger.

Das Wetter war wechselhaft aber trocken, die Temperatur eher im unteren Bereich – Pullover hat gepasst. Allerdings hat die Sonne zeitweise richtig runtergeknallt – nur zu merken war dies nicht, weil erstens Fahrtwind und zweitens Lufttemperatur die Geschichte weniger heiß fühlen ließen. Die Donau war ziemlich schnell bergab, dennoch ist sich ein Schnitt von ziemlich genau 20 Kilometer pro Stunde über Grund ausgegangen. Bei 4800 Umdrehungen sind in dreieinhalb Studen etwa 20 Liter Super durch den Vergaser marschiert. Genaueres wird sich morgen zeigen, wenn getankt wird.

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Eröffnung der Saison 2022

Der Yachtclub Marchfeld im 38. Jahr

Nasuli ist heuer das erste Boot im Wasser
Obmann Leo Tunkowitsch begrüßt bei Kaiserwetter
YC Marchfeld – seit 1984
Alle Pegel sind zufriedenstellend – 3m in Wildungsmauer
Obmann Leo in konzentrierten Vorstandsgesprächen

Jetzt brauche ich nur ein paar schöne Tage um die Donau hinauf zu fehren. In zwei Tagen soll es losgehen.

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Vorschau auf die Saison 2022

2022 jährt sich die Reise nach Sulina zum zehnten Mal. Da liegt es irgendwie nahe, auch noch den „Rest“ der Donau mit dem Schlauchboot Nasuli zu erfahren. Daher lautet der Plan für heuer: „Auf nach Kehlheim“

Gesammelte Erfahrungen aus 2021

Mit mindestens 40 Betriebsstunden seit neu kann man durchaus davon ausgehen, dass der Motor „eingefahren“ ist und daher der Treibstoffverbrauch stabil sein dürfte – denn fabrikneue Motoren sind durstiger. Da zeigt sich, dass der Honda 30 PS bei einer Drehzahl rund um die 4000 Umdrehungen 5 Liter in der Stunde verbraucht. Dabei wird eine Geschwindigkeit von 20 bis 25 Kilometer pro Stunde im stehenden Gewässer erreicht. Umgekehrt betrachtet ergibt das einen Verbrauch von 20 bis 25 Liter auf 100 Kilometer.

Mit einer großzüzgig bemessenen Reserve zur Sicherheit reichen zwei Tanks zu jeweils 25 Liter für 180 Kilometer. Dies gilt aber nur für stehende Gewässer, und das ist die Donau beim besten Willen nicht. Im Extremfall kann sich der Verbrauch fast verdoppeln, so dass eine Reichweite von 120 Kilometer bergauf mit 50 Liter Sprit in Ansatz genommen werden muss. So wird dann aus einem Verbrauch von 0,25 l/km in der Bergfahrt bis zu 0,42 l/km.

Plan Kehlheim

Die Strecke Stopfenreuth – Kehlheim von 527,7 km zu Berg erfordert rechnerisch im Maximalfall 220 Liter vom feinen Superbenzin. Die längste Strecke ohne Wassertankstelle legt zwischen der Schlögener Schlinge und der Marina Saal, sie beträgt 223 Kilometer und das erfordert gemäß der konservativen Berechnung 93 Liter Sprit.

Marina Wien1927 RU43
Kuchelau1935 RU851
Tulln1964 RU2980
Tanksteg Krems2004 LU40120
Ardagger2083 RU79199
Schlögener Schlinge2187 RU104303
Saal2410 RU223526

Die Erfahrung der Fahrt nach Sulina hat gezeigt, dass es nicht unbedingt günstig ist, das Schiff bei jeder sich bietenden Gelegenheit voll aufzubunkern, da ja auch zusätzliches Gewicht das Weiterkommen hemmt. So scheint es sinnvoll, die Tankstopps in Tulln, Ardagger und Schlögen für den österreichischen Teil der Donau einzuplanen.

Stopfenreuth – Tulln80
Tulln – Ardagger119
Ardagger – Schlögen104
Schlögen – Deggendorf97
Deggendorf – Saal126

Mit 50 Liter Treibstoff lassen sich die ersten drei Tanketappen in Österreich gut bewältigen. Das reduziert das Gewicht vom Benzin schon einmal auf die Hälfte. Lediglich der Abschnitt in Deutschland würde den vollen Vorrat von 100 Liter Benzin erfordern. Aber auch hier kann reduziert werden: Im Schutzhafen Deggendorf km 2284 LU gibt es eine Tankstelle in 300 Meter Entfernung. Das würde die Etappe auf der deutschen Donau in zwei Stücke zu 97 bzw. 126 Kilometer aufteilen. Und schon sind wir wieder mit zwei 25 Literkanistern unterwegs.

Bei der Fahrt von Stopfenreuth bis ins Unterwasser von Greifenstein waren es 62 Kilometer bergauf. Die reine Fahrzeit hat knapp unter vier Stunden ausgemacht. Ich bin mit einem nicht ganz vollen Tank losgefahren und habe erst auf der Rückfahrt nach Stopfenreuth den Tank vollständig leer gefahren. Sehr vorsichtig geschätzt habe ich in den vier Stunden 20 Liter Benzin verbraucht. Das entspricht von einem Verbrauch von 0.33 Liter auf den Kilometer. Damals hatte die Donau eine mittlere Fließgeschwindigkeit von etwas unter 6 km/h. Im Unterwasser von Freudenau dürften es so an die 8 bis 9 km/h und in der Stauhaltung von Freudenau, die praktisch bis ins Unterwasser von Greifenstein reicht, war die Fließgeschwindigkeit zwischen 3 und 4 km/h.

Dieses Rechenbeispiel soll zeigen, dass es nicht unwahrscheinlich ist mit 50 Liter Sprit 130 Kilometer bergauf zu schaffen. Die 300 Kilometer bis Schlögen werden dann ja zeigen, ob die Prognose mit der Realität übereinstimmt. Eigentlich sollte ja bis Tulln klar sein, wie weit zwei Tanks zu jeweils 25 Liter reichen. Sollten alle Stricke reissen, kann ja im Hafen Tulln ein dritter Kanister erstanden werden.

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Rückblick auf die Saison 2021

Die unsäglichen Einschränkungen in Sachen Corona haben wieder einmal alles durcheinander gebracht. Dennoch war es möglich die Aus- und Umbauten auf Nasuli durchzuführen. Bewährt haben sich Michaela als Plachenkünstlerin, ihr Gatte Herwig als Mechaniker in Sachen Geräteträger und MK-Bootsservice beim Reparieren der Patzerei, die LM Traismauer am Spiegel angerichtet hat.

Im Juni musste ich von Puppi Abschied nehmen. Dann hat auch noch das Hochwasser im Juli den Saisonstart verzögert. Also wirklich ein sehr durchwachesenes erstes Halbjahr 2021. 11 Ausfahrten mit insgesamt 634,2 Kilometer Fahrstrecke gingen sich aber dennoch aus. Dafür wurden rund 125 Liter Benzin gebraucht

Näherungsweise kann angenommen werden, dass auf eine Stunde Talfahrt eineinhalb bis zwei Stunden Bergfahrt gerechnet werden können. Der Verbrauch des 30PS Honda liegt etwa bei 4 bis 5 Litern in der Stunde, wenn eine Drehzahl von 4000 bis 4500 eingehalten wird. In diesem Leistungsbereich erreicht Nasuli eine Geschwindigkeit von etwa 22 Kilometern pro Stunde im stehenden Gewässer.

Die Saison 2021 hat also neben dem Spaß auf der Donau und dem Erholungswert auch wesentliche Erkenntnisse über den Spritverbrauch gebracht. Darüber hinaus habe ich gelernt, dass es gute und weniger gute Werkstätten gibt – eigentlich eine triviale Erkenntnis, aber man wundert sich immer wieder, wieviel Pfusch es gibt.

Das schönste Erleben aber ist die wunderbare Atmosphäre und die Freundschaft im Yachtclub Marchfeld.

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Oktober 2021

9.10. 22 Kilometer bergauf nach Fischamend

Herbstlich frisch

Es ist Herbst geworden. Zwar scheint die Sonne tagsüber noch recht kräftig, aber am Wasser wird es schon ziemlich frisch. Noch schnell 22 Kilometer bergauf nach Fischamend mit 22 km/h – die Donau führt wenig Wasser und fließt eher gemächlich mit 5 Kilometern in der Stunde. Bergab geht’s daher mit 32 Sachen in Richtung Heimathafen.

15.10. Einmal geht’s noch

Zum Saisonausklang noch einmal Orth angesteuert. 15 Kilometer rauf und 15 Kilometer runter mit gemächlichen 23 Sachen – in beiden Richtungen jeweils. Es ist kühl geworden und die Donau führt immer weniger Wasser. Ein bisserl verrückt halt das Wetter.

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September 2021

10.9. Mit 5400 Umdrehungen

Eine kurze Ausfahrt mit Tempo stromaufwärts. Bei 5400 Touren werden 34 Kilometer pro Stunde relativ zum Wasser erreicht. Da in diesem Stromabschnitt auch bei wenig Wasser die Donau mit gut 7 bis 8 km/h daherkommt, sind das bergauf 26 km/h und bergab 42 km/h – das saust ordentlich, allerdings auch beim Spritverbrauch. Demnächst werde ich austesten, wie hoch der Verbrauch im oberen Drehzahlbereich ist. Ich schätze, da werden es schon 8 bis 9 Liter in der Stunde sein.

Der Hafen verlandet etwas

25.9. Stopfenreuth – Freudenau – Devin – Stopfenreuth

190 cm am Pegel Wildungsmauer – gerade noch schiffbar

Zuerst bergauf bis km 1920,7 (wieder einmal Freudenau) und dann zurück nach Devin bei km 1878,7. In Summe wurden 42 Kilometer bergauf in 1:46 und bergab in 1:28 gefahren. Die mittleren Geschwindigkeiten waren 24 bzw. 29 Kilometer pro Stunde.

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August 2021

2. 8. Von der Marchmündung bis zur Schwalbeninsel

Heute war der Pegel Wildungsmauer immer noch bei knapp unter 4 Meter, entsprechend mühsam die Bergfahrt von der Marchmündung zurück. Der Spritverbrauch pendelt so um die 4,5 Liter pro Stunde bei 4000 Umdrehungen. Die Donau arbeitet mit knapp 7 km/h gegen den Bergfahrer, so dass ich rund 13 bis 14 km/h über Grund erreiche.

9.8. Schleuse Freudenau Unterwasser und zurück

Die Donau ist weiterhin hoch bei jetzt 41 dm und entsprechend stürmisch bergab mit knapp unter 8 km/h. Dennoch komme ich gut voran und bin in 2 Stunden und 20 Minuten im Unterwasser der Schleuse Freudenau.

11.8. Fischtreppe Freudenau

Ende der Fischtreppe beim Kraftwerk Freudenau

Diesmal brauchte Nasuli fünf Minuten länger um in die Freudenau zu kommen. Auf 33 Kilometer allerdings ist der Unterschied zu vernachlässigen, denn am Wasser vergeht die Zeit ohnehin in einem anderen Tempo.

In der Bucht unterhalb der Stauhaltung mündet die Fischtreppe. Obwohl in unmittelbarer Nähe der Donauinsel und einem dichten Netz an Radwegen ist der kleine Wasserlauf in dichtem Gestrüpp weitgehend unzugänglich.

Von der Landseite nicht erreichbar

13.8. Stopfenreuth – Greifenstein

In 3 Stunden und 54 Minuten reiner Fahrzeit hat Nasuli die 62 Kilometer bewältigt. Das sind 16 Kilometer in der Stunde bergauf. Bis auf eine Strecke von 6 Kilometer, welche in Vollgas gefahren wurde, blieb die Drehzahl bei 4000 Umdrehungen. Die Donau war in den letzten beiden Tagen um einen halben Meter gefallen und floss daher geringfügig langsamer.

Wien vom Oberwasser Schleuse Freudenau km 1921
Kaisermühlen neu
Kahlenberg und Leopoldsberg

Ein beliebtes – auch bei Wienern anzutreffendes – Hoppala: Der rechte Gipfel ist nicht der Kahlenberg sondern der Leopoldsberg. Erst weiter links findet man den Kahlenberg mit dem Sendemast. Typisch Wien: Am Fuße des Leopoldsberges findet sich das Kahlenbergerdörfl – Da kenn‘ sich einer aus.

Burg Greifenstein mit Coronaopfer

Im Altarm unterhalb von Greifenstein ist eines der vielen Coronaopfer zu besichtigen, auch dieser Wirt hat den Lockdown nicht überlebt. Weitere werden zweifellos noch folgen.

21.8. Runter nach Pressburg und rauf nach Orth

Nach einem neuerlichen Ansteigen auf 4 Meter ist die Donau heute am Pegel Wildungsmauer auf drei Meter abgefallen. Bevor es allerdings bergab nach Pressburg gegangen ist, wurde bergwärts km 1888,7 unter der Schwalbeninsel angesteuert.

Dann stromabwärts nach Bratislava, an der Burg vorbei bis zum Sportboothafen.

Altarm beim Uferhaus Orth

Hinter dem Anleger vom Uferhaus geht es nur mehr noch für Ruderboote weiter. Daher umkehren und zurück nach Stopfenreuth. 90 Kilometer und 5 Stunden später bin ich prächtig erholt und packe Nasuli in das blaue Schlafgewand.

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Juli 2021

Erste Ausfahrt 2021 am 16. Juli

Rund 4 Meter am Pegel Wildungsmauer bringen eine gute Wasserführung und eine resche Strömung von über 6 km/h. Dennoch sind das 14km/h zu Berg bei 4000 Umdrehungen. Die erste Ausfahrt der Saison führt gerade mal zu km 1893 knapp unterhalb von Wildungsmauer. 48 Stunden später stieg die Donau auf über 6m.

Hochwasser am 19. Juli

Schon auf der Zufahrt zum Hafen war Schluss
2 Tage später – immer noch viel Wasser in der Donau

29. Juli

Der Pegel Wildungsmauer ist immer noch so um die 4 Meter und die Donau rauscht mit 8 km/h vorbei. Dennoch gibt es eine Ausfahrt stromaufwärts bis km 1916, das ist unterhalb der Einfahrt zumTankhafen Lobau. Hinunter im Sauseschritt nach Devin und zurück in den Yachthafen. Schöne 72 km am Wasser. Unübersehbar waren allerdings die Nachwirkungen des Hochwassers: Treibgut und ausgerissene Tonnen.

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Juni 2021

In Memoriam Puppi

2012 bei Cernavoda
2011 Rossatz

Im November 2020 wurde bei Puppi ein Knochentumor im Unterkiefer festgestellt. Im Juni 2021 hatte Puppi den Kampf gegen den Krebs verloren. Puppi wurde 12 Jahre und war mir eine treue Begleiterin bei allen nautischen Abenteuern.

Hier ist Puppi sehr gerne am Wasser gelaufen:

April 2021 bei km 1888
April 2021 km 1888,7 LU – Hier haben Puppi und ich 2012 die erste Nacht auf unserer Reise nach Sulina verbracht

Puppi, Du hast mir so viel Hundeliebe geschenkt – Ich wünsche dir alles Liebe im Hundehimmel

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Februar 2021

Alles neu…

Die Erfahrung am Wasserliegeplatz hat in der vergangenen Saison gezeigt, dass eine Bootsabdeckung unverzichtbar ist. Eine weitere Erfahrung war, dass der Luftkiel von Nasuli schon nach kurzer Zeit schlapp macht. Entweder ein Loch oder ein defektes Ventil. So ist entstand der Plan, bewährte Hände zu Hilfe zu nehmen. Für die Plane kam klarerweise nur Michaela in Frage und auch bei Dipl.-Ing. Kupiec war die Entscheidung quasi vorgegeben. Es ist schön, wenn man Werkstätten vertrauen kann.

Zuallererst aber müssen der Motor und die Lenkung vom Boot abmoniert werden, bevor Meister Kupiec ans Kleben gehen kann. Beim Abmonieren war LM ja auch noch flott unterwegs, auch die Montage vom Drehzahlmesser am Lenkträger wurde gut erledigt. Allerdings beim anschließenden Zusammenbau wurde ich enttäuscht: Der frisch geklebte Luftkiel wurde irgendwie unter die Bodenplatten gewurschtelt, so dass der Luftkiel wieder undicht wurde und auch bei der Montage am Spiegel wurden die Schrauben so angeknallt, dass deutliche Dellen aufgetreten sind. Doch dies alles sollte ich erst später bemerken.

Michaela und Herwig haben ein wunderbares Verdeck sowie einen tollen Geräteträger konstruiert. Herwig hat den Spiegel verstärkt und MK-Service hat tatkräftig geholfen den Pfusch mit dem Luftkiel zu reparieren. Dennoch muss die Saison 2021 ohne Luftkiel gefahren werden.

Nasuli schläft im Yachtklub unter dem neuen Verdeck

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20. September

Saisonende im Frust

Ein Sommer, der wenig Lust auf weitere Ausfahrten gemacht hat, sowie erratische Maßnahmen der Regierung in Sachen Corona erzeugen Frust. Eine angekündigte Schlechtwetterperiode hat dann den Entschluss leicht gemacht, es für dieses Jahr sein zu lassen.

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August 2020

Kühler Mai und ein wechselhafter Sommer mit viel Regen

Die Saison hat wenig einladend mit einem kühlen Mai begonnen und mit einem warmen aber sehr unbeständigen und regenreichen Sommer fortgesetzt. Den Einschränkungen, die uns wegen Covid-19 auferlegt werden, entgeht man dennoch am besten am Wasser.

Das sieht nach Gewitter aus…
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April 2020

Trockene Vorsaison mit reicher Bärlauchernte

Niederwasser so weit das Auge reicht. Hoffentlich wird es bis zum Saisonstart noch besser, denn ich möchte kein Dauerkunde bei Kirschbaum werden. Die haben übrigens den Prop ganz wundervoll repariert und selbstverständlich als Ersatz für den verlorenen Splint auch einen neuen dazugegeben.

Als Entschädigung quasi gab es eine überreiche Ernte von Bärlauch. Gesund und wohlschmeckend als Pesto oder gehackt in Olivenöl eingelegt übers ganze Jahr haltbar.

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25. August

Tribut an den niederen Pegelstand

Da habe ich nun beim Anlanden nicht gut genug aufgepasst und schon knirscht es am Propeller. Nicht wirklich grimmig aber unschön. Also ging es ans Ausbauen.

Und wenn man ganz genau hinschaut, sieht man zwischen Boot und Steg das Wasser. Und genau dorthin hat sich er Splint von der Schraubensicherung verabschiedet.

Ein klarer Fall für die Firma Kirschbaum im elften Bezirk. Dort bekomme ich auch den baden gegangenen Splint.

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9. August

Stopfenreuth bis Schwechat

Heute ging es weiter stromaufwärts. Die Donau ist hier ein immer noch frei fließender Strom. Da kommt sie schon einmal mit 10 bis 14 km/h zu Tal. Die vorangegangenen Regenfälle waren immerhin so ausgiebig, dass die Leitwerke teilweise überströmt gewesen sind. Da empfiehlt es sich, schon in der Fahrrinne zu bleiben. Dennoch war 2019 ein ausgesprochen heißer und trockener Sommer – der zweitwärmste seit über 100 Jahren.

Bei km 1912 sieht man Flugzeuge im Landeanflug in geringer Höhe über der Donau. Beachtlich, wenn der Airbus 380 von Dubai so gegen halb eins im Anflug ist.

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4. Juli 2019

Ausfahrt in die Umgebung

Hainburg
Braunsberg
Und wieder daheim
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Mai 2019

Saisoneröffnung im YC Marchfeld

Mit Vorstandsbeschluss wurde ich als ordentliches Mitglied in den Yachtclub Marchfeld aufgenommen. Diese Ehre habe ich der Wertschätzung durch Leo zu verdanken, der auf eine familiäre Vereinsatmosphäre achtet. Und so ist es eine kleine Familie von Skippern in einem wunderschönen kleinen Naturhafen.

Saisoneröffnung durch Leo Tunkowitsch
Klein aber fein seit 1984
Leo ist mit großem Einsatz die gute Seele im Yachtklub
Ein gelungenes Fest in unserem Hafen
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2018 Ein Jahr der Veränderung

Das Frühjahr 2018 war für mich von gesundheitlichen Herausforderungen geprägt. Daher gab es einen verspäteten Saisonstart. Wieder einmal habe ich mit Puppi die vertrauten Gefilde um km 1972 abgegrast. Vertrautes tat der Rekonvaleszenz gut. Aber es lag auch Veränderung in der Luft.

Im Hafen Tulln fühlte ich mich immer weniger daheim. Irgendwie sind die „richtigen“ Seebären abhanden gekommen. Das Fehlen eines verbindenden Hafenbeisels trägt ein Übriges dazu bei. Sowohl die Auslastung der Liegeplätze als auch die nautischen Aktivitäten der verbliebenen Skipper habe im Vergleich zu 2010 dramatisch abgenommen.

Vertieft hingegen hat sich die Freundschaft zu Leo Tunkowitsch. So war es denn dann nur folgerichtig, dass ich mit Saisonende endgültig zum Yachtklub Marchfeld übersiedeln werde.

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2017 Nichts los auf Nasuli

Für 2017 weist das Logbuch keine Einträge auf. Der Hafen Tulln hat wohl weiter an Attraktivität verloren, und nautischen Herausforderungen habe ich mich auch nicht gestellt. Weder im Bildarchiv noch auf Backups konnte ich Hinweise auf erwähnenswerte Bootsfahrten finden.

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November 2016

Letzte Bilder…

… der frei fließenden Mur in Graz. Was den Aktivisten 1984 in Hainburg unter großen Opfern gelungen ist wird in Graz leider nicht funktionieren. Ein von Gigantomanie und Selbstüberschätzung umfächelter Bürgermeister Nagl – sein Vorname Siegfried passt irgendwie zur Stadt der Volkserhebung unseligen Angedenkens – wird hier ein Kleinod städtischer Naherholung einem leistungsmäßig eher unbedeutenden Kraftwerk an der Mur opfern.

Mein persönlicher Bezug: Keine fünf Gehminuten von hier bin ich aufgewachsen. Vielleicht haben mich das Wasser und die Landschaft einschneidend geprägt. Daher soll hier bildlich ein letztes Zeugnis einer einfach schönen Landschaft abgelegt werden.

Nachtrag: …und das wurde aus dem Naturjuwel gemacht

Ohne Rücksicht zu nehmen wurde trotz Einwendungen von Seiten der Naturschützer mit den Rodungen begonnen und Lebensgrundlagen undwiederbringlich zerstört. Ironischerweise wurde auch gleich die Schifffahrt verboten, obwohl hier in den letzten 50 Jahren nicht ein Schiff unterwegs gewesen ist.

Überhaupt hatte man es von Seiten der Stadt verdächtig eilig: Oben ist noch der Puchsteg zu sehen, der das KZ-Aussenlager Liebenau mit dem „Einserwerk“ (Puch-Werke) verbunden hat. Obwohl diese Brücke als Geschichtsdenkmal geschützt war, wurde sie 2019 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgerissen. Auch die archäologischen Forschungen zum Thema Lager Liebenau fanden durch den Kraftwerksbau ein jähes Ende. Irgendwie passend zum Geschichtsbild in und von Graz.

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Herbst / Winter 2016

Wohin soll ich mich wenden…

Nach langen Jahren hat die Firma Schwartz zugesperrt. Damit ist leider auch das Winterlager für Nasuli abhanden gekommen. Bei der Suche nach Alternativen hat sich der Hafen Tulln wieder einmal nicht besonders ausgezeichnet, weil dort wenig Intention gezeigt wurde mir zu helfen. Obwohl die ersten Zeichen einer Krise in der Freizeitnautik sichtbar waren, glaubte man in Tulln immer noch ein hohes Ross reiten zu können.

Telefonisch suchte ich Kontakt zu allen Häfen rund um Wien. Und ganz plötzlich ergab sich ein wunderbares Gespräch mit dem Obmann vom Yachtclub Marchfeld. Es muss wohl Sympathie vom ersten Augenblick an gewesen sein. Ganz selbstverständlich durfte ich Nasuli in der Halle von Leo Tunkowitsch einstellen. Als Extrazuckerl kam dann noch ein unschlagbar preiswertes Winterservice dazu.

Die Donau bei Stopfenreuth ist eine ganz andere als mein angestammtes Revier um Tulln. Ein Glück, dass die Hainburger Au 1984 gerettet werden konnte und die Donau weiter ungehindert fließen kann.

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Sommer 2016

Nautisch wenig unternommen

Tulln – Dürnstein war der längste Ausflug auf der Donau. Abgesehen von einem Gradourlaub war wenig Erwähnenswertes passiert. Das hat möglicherweise auch mit meinem Abschied aus dem Berufsleben zu tun, als nach einem aufreibenden Rechtsstreit endlich ein Vergleich erzielt werden konnte.

km 1974 gegenüber Zwentendorf
Dürnstein, wie man es aus der „Donaubibel“ von Haselhorst/Dittmann, Verlag Klasing, kennt

Nun ein ganz „Kleiner“ in der Schleuse für die „Großen“.

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31. Juli 2015

Lagune um Grado

Diesmal weit weg von der Donau: Abstecher nach Grado, dem Urlaubsziel meiner Kindheit.

Ausflüge nach Grado und in die Lagune

Naturreservat an der Mündung des Tagliamento

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21. Juli 2015

Wiedersehen mit der Sveti Dimitar

Das Jahr 2015 hat mit einer sehr bösen Überraschung begonnen: Diebe hatten meinen Aussenbordmotor abmontiert. Glück im Unglück war aber, dass sie zumindest das Boot nicht beschädigt haben. Vom Hafen Tulln war lediglich höfliches Bedauern zu bekommen, mehr aber schon nicht. Allerdings hat sich dadurch die Möglichkeit aufgetan, Nasuli gleich um 50 Prozent stärker zu motorisieren. Mit 30 PS ist auch die Auslegungsgrenze erreicht.

Bei einer Ausfahrt nach Wien habe ich dann eine freudige Begegnung mit der Sveti Dimitar gehabt. Es war zwar nicht mehr die ursprüngliche Besatzung von 2012 an Bord, aber auch die neue Besatzung zeigte sich interessiert an meiner Geschichte. Zum Glück hatte ich die Fotos von 2012 dabei und konnte so meine Erlebnisse von der gemeinsamen Fahrt durch das Eiserne Tor illustrieren.

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AIS

Schauen, was die Großen machen

Regen und das nahe Saisonende verlagern das Hobby zusehends in die gute Stube. Da ich von der Donau nur ca. 5 km entfernt wohne, schien es mir eine Herausforderung zu sein, den Schiffverkehr aus dem Wohnzimmer verfolgen zu können.
Die Idee war einfach: Die Transpondersignale der Großschifffahrt empfangen und am Computer darstellen. Softwaremäßig war ja alles vorhanden. Das Programm OpenCPN kann nicht nur die Vektorkarten der Donau darstellen, sondern auch GPS- und AIS-Daten können geografisch korrekt abgebildet werden.


Das Einspeisen der NMEA 0183 Daten über Bluetooth ist in OpenCPN einfach; COM-Port auswählen, auf 4800 Baud einstellen und damit hat es sich auch schon. Praktischerweise ist es beim Bluetoothempfang (und auch bei vielen GPS-Mäusen mit USB-Anschluss) einfach, denn da wird softwaremäßig ein virtueller COM-Port dargestellt.
Ein bisserl komplizierter wird es schon mit den AIS-Daten. Zumal da die Frage auftaucht, welcher Receiver wohl am günstigsten zu haben wäre. Im Marineshop gibt es natürlich fix- und fertige AIS Receiver und Decoder, allerdings ist da auch der Preis ganz ordentlich.  In Wirklichkeit für meine Absichten jenseits von Gut und Böse.
Hier scheint es sich schon um ein leistbareres Angebot zu handeln, allerdings ist die Bezahlung über PayPal nicht so meins. Und mal ganz ehrlich, 120 € sind auch kein Pappenstiel.
Bleibt also nur ein forschender Blick in die Bastelkiste. Siehe da, da findet sich auch was: Jüngst habe ich einen RaspberryPi B+ erstanden. Das ist ein Mikrocomputer im Scheckkartenformat.

Auf diesem Teilchen läuft Raspbian, ein Linux-Debian Derivat für den ARM1176 Prozessor getaktet mit 800 MHz. 512 MB Hauptspeicher und ein BCM2835 Grafikchip bringen den Raspi zum Laufen. Betriebssystem und Anwendungssoftware wird auf einer 4 – 32 GB MicroSD gespeichert.
Das ist die Basis für Software Defined Radio (SDR). Für den Empfang wird lediglich ein DVTB-Stick benötigt. Inklusive Versand bei Amazon um unter 30€ zu haben.

Der Rest ist  GPL-Software, also offen dokumentiert und kostenlos. Die Linux Software für den Stick lädt man sich bei Osmocom. Gute Anleitungen bietet RTL-SDR.

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Eine kritische Anmerkung

Hafen Tulln

Baulich hat sich einiges getan in den letzten beiden Jahren: Das urige Hafenbeisel wurde abgerissen, und das hat auch das Aus für Wirt Norbert bedeutet. Schade, ich bin gerne bei ihm eingekehrt. Als Ersatz wurde aus Containern ein auf den ersten Blick großzügiger Ersatz aufgestellt. Doch dann gab es Schwierigkeiten mit irgendwelchen Bewilligungen. Als Provisorium hielt ein Buffetwagen Einzug. Obwohl ambitioniert konnte das Angebot auch stimmungsmäßig Norbert nicht ersetzen.
Das Hafenbüro wurde nun auch an den Rand gedrängt und wirkt zwar gemütlich aber – na ja etwas improvisiert.
Gerade einmal zum Wegfahren taugt der Yachthafen Tulln – vielleicht auch mit ein Grund, weshalb ich heuer nicht sehr ambitioniert am Wasser gewesen bin.

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2014 – Ein Regensommer

Nass, sehr nass

Wettermäßig versprach die Vorsaison noch einiges. Doch ab Juni/Juli haben dann die regnerischen Tage die Oberhand behalten. Entsprechend schwach war dann auch die nautische Ausbeute. Dennoch gabe es drei bemerkenswerte Ausflüge:
Im Juli besuchte uns Xenia. Rundfahrt Freudenau, Donaukanal, Nussdorf und stromabwärts wieder zurück zum Ausgangspunkt, der sehr praktischen öffentlichen Slipstelle Freudenau.



Dann gab es auch noch einen Ausflug mit Lina.

Und zuletzt Ende August ein wirklich nasses Abenteuer:
Geplant war eine Fahrt von Tulln durch die Wachau und den Strudengau als Patengeschenk zur Firmung an Hanna. Aber bereits in Marbach war Schluss mit Lustig. Anhaltender Regen hat uns zur Umkehr gezwungen.

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Restaurierung

Mein ursprüngliches Donaublog bei blog.com ist leider mit dem Untergang der Domain blog.com verschwunden. Zum Glück hatte ich noch ein Backup der Texte bis 2012. Die im Blog verlinkten Bilder allerdings mussten Stück für Stück wieder in den Text eingebunden werden. Heute bin ich damit fertig geworden.
In den Jahren 2013 bis heute habe ich das Blog nicht gepflegt, daher fehlen (noch) die Posts über den Urlaub in Istrien mit meiner Enkeltochter und meine Empfangsanlage für AIS am Dach.

Nunmehr ist mein Donaublog halbwegs aktuell, der eine oder andere Nachtrag wird wohl noch ergänzt werden.

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Rückblick auf die Saison 2013

Schwach, sehr schwach

In dieser Saison bin ich kaum zum Bootfahren gekommen. Lediglich einige kurze Ausflüge von Tulln zum Seitenarm bei km 1972 waren möglich.

Und ein Kurztrip nach Kroatien war dann der Höhepunkt der Saison.

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8. Juni 2012

Abfahrt und Rückblick

Der Vormittag vergeht wie im Flug mit Zusammenräumen, Nasuli für den Transport herrichten und auf den Trailer zu slippen. Krönender Abschluss: Fischsuppe und frischer Hecht.

Zum Abschluss noch die einzelnen Etappen:

1.Tag: km 1964 – 1889 75 km  (Tulln – Petronell)
2.Tag: km 1889 – 1856 33 km (Petronell – Cunovo)
3.Tag: km 1856 – 1719 137 km (Cunovo – Esztergom)
4.Tag: km 1719 – 1670 49 km (Esztergom – Surany)
5.Tag: km 1670 – 1510 160 km (Surany – Gerjen)
6.Tag: km 1510 – 1402 108 km (Gerjen – Apatin)
7.Tag: km 1402 – 1164 238 km (Apatin – Belgrad)
8.-11.Tag Stillstand in Belgrad
12.Tag: km 1164 – 1118 46 km (Belgrad – Smederevo)
13.Tag: km 1118 – 990 128 km (Smederevo – Donji Milanovac)
14.-16.Tag Stillstand in Donji Milanovac
17.Tag  km 990 – 934 56 km (Donji Milanovac – Kladovo)
18.-19.Tag Stillstand in Kladovo)
20. Tag km 934 – km 758 176 km (Kladovo – Skomen)
21. Tag km 758 – km 589 169 km (Skomen – Nikopol/Lakat)
22. Tag km 589 – km 496  93 km (Nikopol/Lakat – Ruse)
23. Tag km 493 – km 421  72 km (Ruse – Dunavet)
24. Tag km 421 – km 198 223 km (Dunavet – Brat Caleia)
25. Tag km 198 – sm 38,5 152 km (Brat Caleia – Tulcea)
26. Tag sm 38,5 – sm 0 71 km (Tulcea – Sulina)
27. Tag sm 0 – km 163 163 km (Sulina – Chiciu Mare)
28. Tag km 163 – km 345 162 km (Chiciu Mare – Mündung Bala Arm)
29. Tag Stillstand
30. Tag km 345 – km 496 151 km (Mündung Bala Arm – Ruse)
31. Tag km 496 – km 607 111 km (Ruse – Somovit)
32. Tag km 607 – km 790 183 km (Somovit – Kapitania Vidin)
33. Tag km 790 – km 934 144 km (Kapitania Vidin – Kladovo)
34. Tag Stillstand
35. Tag km 934 – km 1005 71 km (kladovo – Lepenski Vir – davon ab Djerdap im Schlepp 62 km)
36. Tag km 1005 – km 1164 159 km (Lepenski Vir – Belgrad; davon bis km 1057 im Schlepp 52 km)
37. Tag Stillstand in Belgrad, Marina Galija
38. Tag km 1164 – km 1175 und zurück 22 km (Marina Galija – Kapitania Beograd – Marina Galija)
39. Tag km 1164 – km 1157 und zurück 14 km (Marina Galija – Altarm – Marina Galija)
40. Tag Rückreise am Landweg

Gesamte Fahrstrecke 3166 Kilometer Tulln – Sulina – Belgrad in 40 Tagen

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7. Juni 2012

Paul kommt

Nach einer Nachtfahrt von Graz ist am Vormittag mein Bruder gekommen um Puppi, mich und Nasuli abzuholen. Zuvor allerdings gibt es noch einen Ausflug in einen nahegelegenen Seitenarm der Donau. Dort lassen wir die Seele baumeln und beobachten die Natur.Puppi beobachtet einen Fuchs.

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6. Juni 2012

Nasuli als Wäschespinne

Sonniges, aber recht windiges Wetter sorgten für ein flottes Trocknen der Wäsche. Anschließend habe ich Nasuli soweit ausgeräumt, dass eine unbeschwerten Fahrt mit meinem Bruder morgen kein unnötiger Ballast im Wege steht. Zum Mittagessen gab es köstliche Fischsuppe und Fischfilet. Ein perfekter Tag. Keine großen Aufgaben mehr zu erledigen.Lediglich eine Fahrt zur Kapitania Belgrad war noch zu erledigen: Meine Fahrerlaubnis für Serbien war abgelaufen und eigentlich wollte ich sie verlängern lassen. Aber den Bürokraten in der Kapitania war es wichtiger, mich und vor allem Puppi aus dem Amtsgebäude zu bringen, als mein Anliegen anzuhören. Bitte… nachdem sowieso in der ganzen Zeit niemand nach diesem Papierl gefragt hat, denke ich, dass es ohne auch gehen wird, noch ein paar Kilometer mit meinem Bruder auf der Donau zu schippern. Touristen mit Hund sind südöstlich von Bratislava offenbar ein Problem, bzw. besagte Touristen haben bisweilen Probleme ihrer Vierbeiner wegen. Da gibt es Entwicklungsbedarf… Ja, in Sachen Puppi und Gastländer waren meine Erfahrungen durchaus durchwachsen.

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5. Juni 2012

Ruhetag in der Marina Galija

Immer wieder musste ich meine Erlebnisse auf der Fahrt erzählen. Es war wirkliches Interesse an meinen Abenteuern und meinen Eindrücken von den Menschen in den Nachbarstaaten. Auch nach meiner Meinung zu den Frauen und Mädchen wurde ich eingehend gefragt. Zu einer gewissen Enttäuschung der Neugierigen habe ich da nichts Erhellendes zum besten geben können.

Nun spürte ich auch eine große Müdigkeit und emotionale Erschöpfung. So viel hatte ich gesehen, so viele freundliche Begegnungen durfte ich machen und letztlich hatte ich 3130 Kilometer auf der Donau zurückgelegt. Ich hatte es einfach geschafft Puppi, Nasuli und mich wohlbehalten ans Ziel zu bringen.

Blieb als letzte Aktion lediglich Klarschiff zu machen und die Wäsche zu waschen. Besonders die weißen Leiberl hatten sehr gelitten. Auch ein Mangel an frischen Socken war zu beklagen. Die Wäsche bekam ein ausgedehntes Vollbad in Waschlauge verordnet – um zumindest die schlimmsten Flecken zu beseitigen – besonders der Sand und die Reste von Autan und Sonnenmilch haben sich als ausgesprochen hartnäckig erwiesen.

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4. Juni 2012

Lepenski Vir bis Belgrad Marina Galija

Bereits um halb vier waren Matrose und Kapitän aufgestanden und mit den Vorbereitungen zur Abfahrt beschäftigt: Der Schiffsdiesel musste geschmiert und der Kapitän mit Kaffe versorgt werden. Punkt vier Uhr wurde dann der Anker gelichtet und ein neuer Fahrtag konnte beginnen. Das Ufer war kaum zu erkennen, dichter Nebel hüllte die Donau ein.

Mit der Zeit wurde der Nebel sogar noch dichter, die Sicht betrug weniger als hundert Meter. Gerade das Vorschiff war noch zu erkennen. Das war die Stunde des Radars. Ich war erstaunt, wie detailreich und sogar für mich interpretierbar die Darstellung gewesen ist. Auch andere Schiffe waren schon unterwegs, und siehe da, mit dem Funk klappte die Kommunikation problemlos. Allerdings auf Russisch. Der Kapitän klärte mich darüber auf, dass inoffiziell ab Komarom entweder in der Landessprache oder eben auf russisch gefunkt wird. Klar, dass da keiner mit mir reden wollte. Russischkurs wäre also angesagt, wenn man mitreden will.

Inzwischen war das Wetter aufgeklart und es zeichnete sich ein wunderschöner, sonniger Tag ab. Bei km 1057 trennten sich unsere Wege. Die Sveti Dimitar war nämlich noch nicht in Serbien einklariert und es wäre etwas eigenartig gewesen, wenn sich im Schlepptau ein bereits einklariertes Boot befunden hätte. Außerdem hätte ja die Besatzungsliste der Sveti Dimitar nicht gestimmt, wenn ich an Bord gewesen wäre. Mit vielen guten Wünschen versehen verabschiedete ich mich von den Menschen auf der Sveti Dimitar. Es war für mich wirklich eine berührende und lehrreiche Erfahrung gewesen, den Alltag auf einem Frachtschiff kennenlernen zu dürfen.

Die Fahrt nach Belgrad zur Marina Galija war unbeschwert. Dennoch kam eine Stimmung von einem Zu Ende gehen auf. Ja, ich war gerade am besten Weg, mein selbstgestecktes Ziel zu erreichen. Einerseits war ich froh, diese Fahrt zu Ende bringen zu können, andererseits hätte ich auch nichts dagegen einzuwenden gehabt, wäre das Bootfahren noch tagelang weiter gegangen.

Der Empfang in der Marina war herzlich. Fast hatte ich den Eindruck, als hätte man an meiner Rückkehr gewisse Zweifel gehegt. Aber versprochen ist versprochen – da war ich wieder. Wie zu erwarten war, wurde meine Rückkehr großzügig begossen und die Stimmung war großartig.

Tadja bot mir wieder sein Boot als Schlafplatz an, Puppi und ich nahmen dieses Angebot zu sehr, sehr später Stunde dankbar an.

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3. Juni 2012

Gast auf der Sveti Dimitar

Bei der Zufahrt auf die Schleuse Djerdap 1 hat sich am Funk (natürlich) wieder keine erhellende Kommunikation herstellen lassen. Also habe ich es zunächst auf der serbischen Seite versucht, weil dort bereits ein Frachtschiff an der Kaimauer verheftet war. Irritierenderweise waren die Lichtsignale bei der Schleuseneinfahrt nicht aktiv, so konnte ich keine Information daraus beziehen. Beim Zurückschleichen am Frachter vorbeigezuckelt, und da hat mich auch schon ein Seemann angesprochen. So ergab sich, dass das die richtige Seite war, und ich bekam das Angebot, am Frachtschiff zu verheften. Das war natürlich viel einfacher, als die Kaimauer zu erklimmen, die Höhe der Poller und Haken ist eben auf die komerzielle Schifffahrt eingerichtet und für mein kleines Schlauchboot entsprechend unerreichbar.

Eine längere Wartezeit zeichnete sich ab. Der Kaptiän der Sveti Dimitar hat mich und Puppi auf sein Schiff eingeladen um gemeinsam die Wartezeit zu verkürzen. Die Sveti Dimitar hatte Stückgut als Terminfracht geladen, entsprechend ärgerlich war der Kapitän, dass er nun schon seit sieben Uhr in der Früh auf eine Schleusung warten musste. Inzwischen war es nämlich schon 12 Uhr geworden, Ivan der Matrose servierte köstlches Musaka. Endlich kam die Auskunft, dass es um halb zwei wahrscheinlich soweit sein werde. Mit einer weiteren, kleinen, Verspätung war es dann endlich soweit.

In der ersten Etappe der Doppelschleuse musste ich alleine am Schwimmpoller verheften, da ja der Gegenverkehr aus der oberen Schleusenhälfte ein Anrecht auf die halbe Schleusenbreite hat. Für die zweite Hälfte bakam ich vom Kapitän das Angebot mich an sein Schiff anzuhängen. So ist die Schleusung natürlich viel bequemer.

Und weil ich schon einmal längsseits beigekoppelt war, machte der Kapitän mir das Angebot, an seiner Seite zu bleiben. Da er ja am Abend viel länger fahren würde, war der Zeitverlust zu vernachlässigen. Bergauf schafft die Sveti Dimitar im Economymodus 12 Kilometer in der Stunde.

Zu meiner unbeschreiblichen Freude durfte ich als Gast auf der Brücke mitfahren. Das sind schon ganz andere Dimensionen, obwohl eigentlich nur das Radar eine zusätzliche Navigationshilfe den Unterschied zu Nasuli macht. Autopilot gibt es auch nicht, da das auf der Donau verboten ist. Und über die Automatik, die den eingeschlagenen Kurs selbsttätig beibehalten soll, hat der Kapitän wenig Freundliches gesagt. Also Handbetrieb auf der ganzen Linie. Auch für große Schiffe kann das Treibgut eine Gefahr darstellen. Ein weiterer Grund die Steuerung keinem Automaten zu überlassen.

Für eine kleine Strecke durfte ich die Sveti Dimitar – immerhin 67 Meter lang! – alleine steuern. Und das inklusive einem Baumausweichmanöver. Das war für mich so, wie manche kleine oder große Kinder auf einer Lokomotive mitfahren wollen. Ein gewaltiger Eindruck.

Vertieft wurde dieser Eindruck dadurch, dass ich für insgesamt 24 Stunden miterleben durfte, wie das Leben an Bord eines Frachtschiffes für die Berufsschiffer aussieht: Termindruck, Lärm, Trennung von der Familie, Einsam- bzw. Zweisamkeit, Monotonie und unvorstellbare Arbeitszeiten. Der Kapitän und sein Matrose stehen um 4 Uhr in der Früh auf und beenden ihre Fahrt erst nach 22 Uhr. Selbstverständlich auch am Samstag und Sonntag… Dass dabei Arbeitszeitgesetze umgangen werden ist wohl jedem klar.

Auch das Verhältnis zwischen Kapitän und Matrosen ist ein ganz Eigenartiges: Einerseits konnte ich eine rigide hierarchische Beziehungsebene sehen, die schon beinahe militärische Qualitäten aufweist, andererseits wird das immer wieder durchbrochen; etwa, wenn der Matrose meint, der Kapitän habe jetzt wirklich genug intus und den Biernachschub für eine halbe Stunde verweigert.

Die Arbeitssituation ist von großer Unsicherheit geprägt: Die Beschäftigung der beiden erfolgt stets auftragbezogen, Arbeitslosengeld oder Ähnliches ist in Bulgarien – denn von dort kommen Schiff und Besatzung – völlig unbekannt. Kapitän und Matrose sagen unisono, dass sie diese harten Bedingungen ausschließlich des Geldes (die Bezahlung ist für die Landesverhältnisse ausgezeichnet) wegen ertragen; beide wollen, sobald etwas Besseres in Aussicht ist, aus der Schiffahrt aussteigen. Allerdings wissen sie auch, dass die Alternativen im Land selbst spärlich sind. Von Schifferromantik also keine Spur.

Neben diesen Einsichten, die mir Kapitän und Matrose freimütig erlaubten, konnte ich die Fahrt durch das Eiserne Tor aus einer gänzlich anderen Perspektive genießen. Von der Brücke schaut halt im Vergleich zur Froschperspektive von Nasuli alles ganz anders aus. Vielleicht haben es die beiden auch ein wenig genossen, einen Gast an Bord zu haben, denn im Laufe der Zeit dürften sich die Gesprächsthemen schon etwas erschöpft haben. Ein besonderer Liebling der Besatzung war Puppi, die sich nach allen Regeln der Kunst verwöhnen und abknuddeln ließ (oder vielleicht lassen musste – aber sie hat keinen Widerwillen gezeigt).

Heute endete die Fahrt weit nach 22 Uhr bei Lepenski Vir am Stromkilometer 1005.

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2. Juni 2012

Kladovo

Nescafe, Zucker, Haltbarmilch, Gaskartusche

Herz, was willst du mehr? Den Ruhetag habe ich zum Besorgen dieser absolut überlebenswichtigen Items genutzt. Auch die fälligen Updates im Blog konnte ich hochladen, da hier eine halbwegs schnelle Internetanbindung gegeben ist. Heute am Abend gibt es bei Stefan Rasnici (auf meinen Wunsch) und ich bin schon sehr gespannt, wie diese Köstlichkeit schmecken wird.Der Vorspeisenteller war eine Überraschung von Stefan: Pilze sautiert an Salaten der Saison, Rohschinken und Frischkäse – Einfach köstlich!Morgen Aufbruch zur wahrscheinlich vorletzten Etappe, ich möchte es durch das Eiserne Tor bis Golubac schaffen.

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1. Juni 2012

Vidin bis Kladovo
Kurz und schmerzlos…

…war das Ausklarieren aus Bulgarien, die Serben bei Prahovo freundlich, schnell und problemlos. Als ich am Grenzponton festnache, meint ein Angestellter des Duty Free Shop, ich solle das Boot zudecken, gleich kommt ein Gewitter. Er spricht perfektes Deutsch, kein Wunder, hat er doch 10 Jahre in Groß Enzersdorf gelebt und gearbeitet. Die Welt ist schon klein.

Tatsächlich gewittert es dann ordentlich, aber der Guss ist auch schnell wieder vorbei. Nasuli behält aber aus Vorsicht sein Regenmanterl an. Bedienung in der Schleuse Djerdap 2 prompt, zuvorkommend und schwupps war ich oben. In der Schleusenkammer machten die Schwimmpoller psychedelische Geräusche, da ist meine Zuckerfantasie schwach dagegen. Da ich diese Geräusche mit der Videokamera aufgenommen – und später auch abgehört – habe, weiß ich, dass das keine akustischen Halluzinationen gewesen sind. Denn bei stundenlangem Fahren, kann das monotone Motorengräusch schon einiges an Halluzinationen hervorrufen. Aber die Symphonie in der Schleusenkammer war real. Das hat irgendwie nach serieller Musik (a la Cage oder Glass) geklungen.

Bei wechselndem Wetter und einigen Regengüssen dann Kladovo nach 19 Uhr erreicht. Begrüßung und freudiges Hallo mit Milutin. Ich beziehe wieder seinen Wohnwagen.Nachbar Stefan bereitet mir Fischsuppe und Wels auf köstlichste Art zu. Ich bin hin und weg: Einfach, ohne Schnickschnack aber ehrlich im Geschmack. Nicht umsonst heißt sein Lokal “Natura”. Da es bis Belgrad nur mehr zwei oder höchstens drei Tagesetappen sind, beschließe ich, morgen einen Ruhetag einzulegen.

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31. Mai 2012

… geht das doch!

Ein Traumtag. Wetter trocken UND warm, oberstes Kleidungsstück T-Shirt und kurze Hose.

Die Kilometer fliegen nur so vorbei (gezählte 20 Stück pro Stunde, keiner mehr und keiner weniger), es fliegen auch die Gedanken. Auslöser war der tatsächlich letzte Nescafe. Nunmehr keinen Kaffee für den Präsidenten. (Pilch!!!) Grund ist Zuckermangel. Die letzten Reste aus dem durchweichten Sackerl und dem Müllsack – der den Zucker vor Feuchtigkeit schützen sollte, aber die Nässe hat einen Teilerfolg für sich buchen können – in den Kaffe verfrachtet, der prompt effektiv übersüß geworden ist. Blutzucker im siebenten Himmel, Gedankenflug ebenfalls:

Kontrolle an Inselzellen (Langerhans’sche): “Aufwachen, der Alte säuft schon wieder braunes Zuckerwasser, wir brauchen Insulin – und das pronto!” Gemurre unter den verschlafenen Inselzellen. “Bäh, tagelang nix zu tun und dann plötzlich einen auf Dringend machen; eine echte Sch—aktion!”

Racketitack wird Insulin produziert, Blutzucker immer noch auf 600.

Kontroller: “Das muss schneller gehen, sonst streichen sie uns die Förderung.”
Leichter Unmut unter den schwer schuftenden Inselzellen.

Blutzucker auf 500.

Kontroller versucht es mit Schmeicheln, “Bitte, noch ein bissl mehr Einsatz. Ihr wisst ja eh, wenn die Zuckerkrise nicht bald bewältigt ist, kommt irgend so ein Nasenbohrer mit einem WU-Bachelor in der Tasche daher und erklärt uns, dass wir die Inselzellenabteilung auflassen werden und auf subkutane Insulinapplikation umstellen müssen. Das sei billiger, effizienter und schneller als noch so engagierte Inselzellen – die Abteilung dann zusperren bringt auch noch Ersparnis… Und das wollt ihr doch sicher nicht.”

Blutzucker auf 400, Inselzellen am Schuften bis zum Gehtnichtmehr, einige brennen aus, auch ein Pankreaskarzinom schaut lüstern ums Eck – wer braucht schon Inselzellen?

Auftritt Referatskontroller: “Der Normwert für Blutzucker ist unter 100, also mehr Einsatz bitte, ich weiß, die Lage ist schwierig, die Mittel knapp, aber das mit dem Blutzucker muss in den Griff gebracht werden. Eine Inselzelle zur anderen: “Der Druck ist mir bald zuviel, Insulin ist ja so kompliziert herzustellen, ich will nimmer.” Darauf die andere: “Hättest doch in eine andere Abteilung gehen können, schau, die Markzellen schieben eine ruhige Kugel, heute ein Blutkörperchen, vielleicht morgen auch noch eins, aber dann ist Schluss für längere Zeit. Aber du hast ja unbedingt in die Insulinabteilung wollen.”

Blutzucker bei 300

Eine andere Inselzelle: “Es geht ja nicht um die Arbeit an sich, es ist das Management, dass oft so unguten Druck macht.”

Einige im Chor: “Ja, Neuronen sind halt was Besseres, hättest was G’scheites gelernt, dann wärst jetzt auch ganz oben! Abgeschirmt von der Referats-Blut-Hirnschranke leben die da oben weit weg von der Basis, bestens mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt.”

Blutzucker bei 200

Wieder eine Inselzelle an alle: “Wir machen eine Betriebsversammlung und gründen einen Zellenrat!”

Erstauntes Aufhorchen und vereinzelte Stimmen: “Ja, super – urgut, ich mach da auch mit” “Geh sei nicht blöd, das bringt gar nix”

Eine Stimme aus dem Hintergrund: “Lass es bleiben, sonst stellt irgendwer von oben mit der Leberzellenfraktion eine eigene Liste auf, das lohnt nicht…”

Wieder eine andere Inselzelle: “Und was soll’s bringen? Ich kenn da zufällig eine Nervenzelle, die erzählt auch immer, dass sie schon mal Zellenvertreter gewesen ist.”

Blutzucker auf 100, Ruhe kehrt ein, die Betriebsversammlung wird abgesagt.

In der Gehirnabteilung ein Neuron zum anderen: “Ich sag’s ja immer, die da unten brauchen Zuckerwasser und Peitsche, dann funktioniert das schon. Im Zweifelsfall halt ein paar Fresszellen durchs System schicken!” Durch eine Fehlschaltung im Zentralnervensystem wird das durch den ganzen Organismus verbreitet. Obwohl der Blutzucker wieder herunten ist, gründen die Inselzellen dennoch einen Zellenrat. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Mit solchen und anderen Gedankenlosigkeiten zerstreut kommt Vidin immer näher. Dort gibt es Kaffeehäuser, Gaststätten, welche köstlichen Schopska-Salat verkaufen… Die Vorfreude treibt mich an und voran. Tatsächlich erreiche ich den Ponton der Grenzpolizei noch vor 20 Uhr. Ich darf dort anlegen und über Nacht bleiben. Morgen wird aus Bulgarien ausklariert und das letzte Land auf meiner Reise, Serbien, erreicht. Bestens versorgt mit frischem Mokka, bulgarischem Salat und fermentierten Traubensaft (was da jetzt die Leberzellen wieder zu maulen haben werden?) ziehe ich mich ins Boot zum Schlafen zurück.

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30. Mai 2012

Die Vorräte gehen zu neige

In Ruse mit Hilfe eines Fahrers vom Danube Plaza – die Menschen sind dort wirklich um ihre Gäste bemüht – noch von der Straßentankstelle 104 Liter Super gekauft und im Boot verbunkert. Der Spritvorrat sollte, sparsame Fahrweise vorausgesetzt, bis Kladovo reichen (das ist bei km 934 – in Ruse sind wir bei km 496). Zudem habe ich vor, in Nikopol bei der nur 200 Meter vom Ufer entfernten Tankstelle noch 20 Liter nachzukaufen – sicher ist sicher.

Abfahrt von Ruse erst zu Mittag, da alles seine Zeit braucht. Im Boot schaut es aus – fürchterlich! So gut es geht wird Klarschiff hergestellt, die Hoffnung keimt auf, dass die Sachen (insbesondere das Zelt) ein wenig durchtrocknen. Das Wetter ist recht angenehm, d.h. regenfrei, aber es ist doch recht frisch. Die kurze Hose erwies sich als zu optimistisch, daher Pulli und das bewährte gelbe Ölzeug. Letzteres ist jeden Cent seines (nicht unbeträchtlichen) Kaufpreises wert.

Die Fahrt ist unaufregend, frisch aber trocken. Jetzt erst, mit gehöriger Verspätung, stellt sich Euphorie über das Erreichen von Sulina ein. Nun verstehe ich auch die Bedeutung des Abstiegs nach einem Gipfelsieg – die Höhenmeter sind bei mir halt vertauscht. Und weil Zeit vorhanden, beginne ich ein bisserl zu rechnen:

Das Plansoll von 120 Kilometer pro Tag ist erreicht, wenn ich heute am Abend Nikopol (~ km 600) erreiche. Unglaublich, ich bin schon wieder fünf Tage unterwegs und werde am Abend die Hälfte meines Weges von Sulina nach Belgrad erreicht haben. Dafür stimmt mich eine andere Erkenntnis wenig froh: Das Gas vom Campingkocher geht zu neige, da hätte ich besser noch zwei Kartuschen ins Boot gepackt. Auch die Vorräte an gezuckerter Kondensmilch in der Tube sowie an Nescafe sind bedenklich geschrumpft. Ein Durchkommen bis Belgrad ist ausgeschlossen. Da muss ich mir eine Alternative einfallen lassen. Schrecklich der Gedanke, die Tage ohne meine Dosis Nescafe beginnen und beenden zu müssen – da ist Dauerregen vergleichsweise harmlos.

Der Plan in Nikopol bei der Tankstelle 20 Liter nachzutanken ging glorreich in die Hose: Die Tankstelle steht zwar noch, ist aber sowas von geschlossen und außer Betrieb. Ein Update für die Donaubibel ist fällig, denn orts- und englischkundige Bewohner von Nikopol haben mir gesagt, dass diese Tankstelle für immer geschlossen bleiben wird. Schade.

So ist es halb sieben geworden und ich werde es für heute gut sein lassen. Das mag zwar mit sich bringen, dass morgen das Ausklarieren in Vidin nicht stattfinden wird, aber Vidin zu erreichen hätte aber auch bedeutet, heute und morgen jeweils rund 160 Kilometer zu fahren. Muss ja nicht sein.

Das trockene Wetter hat bis zum Abend angehalten, ich finde bei Kilometer 607 (gegenüber von Somovit) einen hübschen Anlegeplatz. Aufbau eines nassen, sandigen Zeltes, Aufblasen einer nassen, sandigen Luftmatratze, Ausrollen eines nassen, sandigen Schlafsacks… Gute Nacht!

Zuvor noch einen der vermutlich letzten Nescafes getrunken. Wetter beobachtet – Skepsis kommt auf, ob die Nacht auch trocken bleiben wird. Puppi füttern, Blog schreiben, nochmals Wetter schauen, verarbeiteten Nescafe entsorgen, ein bissl nach Hause telefonieren – und über die Frage nachdenken, ob Nasuli wieder sein Regenmanterl bekommen soll, denn die Sachen in der Reisetasche sind schon ein wenig ausgetrocknet und daher zumindest nur noch leicht nass. Dennoch entscheide ich mich dagegen, als aber später das Donnergrollen sich nicht mehr ignorieren ließ, verwirklichte ich die Minimalvariante und holte die Reisetasche ins Zelt. Jetzt wird es halt ein bisserl eng in der guten Stube. Und ab in den Schlafsack und Gute Nacht.

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29. Mai 2012

Fahrt im Regengewand

Von der Sandbank habe ich jede Menge Souveniers mitgenommen: Sand, Sand und nochmals Sand. Wo sich Sand überall verstecken kann! Und noch etwas ging mit: Nässe, Nässe und wiederum Nässe. Wo die alles hinkommt! Es ist schon ein taktil reizvolles Erleben, ein nasses, sandiges Zelt zusammenzulegen und mit den anderen nassen, sandigen Items (Schlafsack, Geschirr, Luftmatratze…) ins Boot zu stopfen.

Zum Glück hatte ich gestern das Verdeck aufgespannt. So war es zumindest im Boot einigermaßen trocken. Ein Blick in den Himmel lässt Hoffnung auf einen niederschlagsarmen Tag aufkeimen. Gerade bei der Abfahrt ist es trocken. Aber ich misstraue der Geschichte und lasse Nasuli im Regengewand. Lediglich das vorderste Element wird abgeklappt, damit habe ich freie Sicht in Fahrtrichtung. So gelangt auch Frischluft in das Boot, insgesamt ein brauchbares Fahrgefühl. Nasuli kommt auch mit Verdeckaufbau gut ins Gleiten, möglicherweise auch deshalb, weil meine Spritvorräte von maximal 129 auf 34 Liter geschrumpft sind.

Das niederschlagsfreie Wetter hält den ganzen Tag bis 18:30. Als Etappenziel will ich Ruse bei km 496 erreichen. Zuvor aber treffe ich eine Segelyacht aus Wien. Ich docke an, es wird geplaudert, die Zeit vergeht. Die Wiener sind unterwegs ins Schwarze Meer und gehen die Sache gemütlich an. Sie berichten, dass auch sie seit Tagen unter bescheidenstem Wetter zu leiden haben. Wir tauschen Getränke (Bier gegen meinen Bordrakja), ich bekomme auch noch Oliven und Käse vorgesetzt. Ein Genuss – danke.

Als es dann wirklich wieder zu regnen begonnen hat (welche Überraschung auf dieser Fahrt), habe ich vorne zugemacht und geschaut, wie sich so fahren lässt. Die PVC-Folie verzerrt ein wenig, aber vor die Wahl gestellt, von vorne durch querfliegende Regentropfen durchnässt und der Sicht beraubt zu werden oder mit reduzierter Sicht im Trockenen zu fahren, fiel mir die Entscheidung zum Semiblindflug sehr leicht.

Kurze Zeit später war der Schauer abgezogen und ich konnte mit Verspätung – bedingt durch den Klön mit der Segelpartie – um viertel neun im Yachtklub Ruse anlegen. Noch schnell frische Sachen in den Rucksack gepackt, Hundefutter nicht vergessen, und dann ab ins bewährte Danube Plaza. Das “gute” Zimmer (in der gehobenen Kategorie für 70 Lewa immer noch wohlfeil) genommen, Puppi gefüttert, geduscht, nochmal geduscht, und dann ganz heiß geduscht und ab ins Hotelrestaurant. Schopska-Salat, Pfeffersteak, Sinti Reserve Jahrgang 2009 und zum Abschluß zwei Stück Pfirsichmarmeladepalatschinken. Köstlich, einfach köstlich. Ab ins Bett – für die nötige Bettschwere sorgten 163 gefahrene Kilometer und eine gewisse Reserve…

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28. Mai 2012

Ein Regentag – wie überraschend

Der Morgen (5 Uhr MESZ, 6 Uhr in Rumänien) überrascht mich mit auf dem Zelt unüberhörbar klatschenden Regentropfen. Na ja, wäre ja auch zuviel des Guten gewesen, so ein dritter Tag in Folge ohne Regen… Allerdings ist dieser Regen von einer niederträchtigen Sorte: kleintropfig, stetig und so richtig wie ein Landregen daherkommend. Ausdauernd eben. Nasuli wurde durch den Schwell vorbeifahrender Schiffe auch auf Grund gesetzt… keine ideale Idylle…Ich beschließe eine Stunde ins Land gehen zu lassen und teile meinen Schlafsack wieder mit Puppi. Besser gesagt, sie teilt ihn mit mir, denn während ich draussen war, hat sie das wärmende Teil okkupiert. Auch nach einer Stunde Regengeklatsche. Nein, ich mag heute nicht bei Regen fahren, die Übererfüllung des Plansolls erlaubt Faulheit. Ich hoffe nur, dass ich diese Entscheidung später nicht bereuen werde.

Netbook anwerfen, Internet einschalten – und siehe da, zumindest eine EDGE- Anbindung wird hergestellt. Das ist schon irgendwie eigenartig, da sitzt du (mäßig ungepflegt) in the middle of nowhere und dann zahlst die fällige Telekomrechnung 1500 Kilometer Luftlinie von daheim weg übers Internet. Schon irgendwie verrückt. Ich nutze die Gelegenheit um mein Blog upzudaten, allerdings ohne Bilder – bei EDGE nervt das. Auch eigenartig, ich kann mich an eine Zeit erinnern, da habe ich mit einem Telefonmodem mit sagenhaften 2400 Bit pro Sekunde ein Programmupdate in eineinhalb Stunden von einer BBS in Deutschland gesaugt. Alleine die Telefonkosten dieser Aktion würden heute ein Jahr Flat mit 12 Megabit/Sekunde hergeben. Tja, das war vor nicht einmal viel mehr als 15 Jahren… Wie mit den Möglichkeiten die Ansprüche steigen ist irgendwie befremdlich – und macht das geldgierige Tulcea vielleicht doch verständlich.

Nach dem Frühstück – endlich der heiß ersehnte Nescafe mit Haltbarmilch, die ich im letzten Abdrücken in Sulina noch erstanden habe – und dem Hundefrühstück machen wir es uns im Zelt, zwar sandreich aber einigermaßen trocken, gemütlich. Puppi unterstützt meine Entscheidung für das Aussitzen des Regens zu 100 Prozent. Da ich am Netbook werke, hat sie den Schlafsack UND ihr trockenes Hundebett ganz alleine – auf das Hundebett könnte ich zur Not ja verzichten… – und schnarcht sich einen ab.

Tja, und jetzt wirds ein bisserl intim: Ein ziemlich unaufschiebbares Verlangen grollt durch mein Gedärm. Also raus, Hose runter und so weiter. Die Möglichkeiten einer Geländetarnung dieses Vorhabens sind auf der Sandbank beschränkt bis gar nicht vorhanden. Kommt da nicht gerade tuckernd ein voll besetztes Fischerboot vorbei. Drei Mann hoch blicken angestrengt ans andere Ufer. Auch das ist eine Art von Gastfreundschaft, die ich in diesem Moment sehr zu schätzen weiß. Denn ich kann mir vorstellen, dass Nasuli mit der österreichischen Fahne schon die Neugier wecken kann.

Inzwischen ist es dreiviertel eins geworden, eine klitzekleine Regenpause hat dem Landregen wieder eine Chance gegeben, Puppi schlummert zufrieden vor sich hin – halb in den Schlafsack gekuschelt… Sand im Zelt, Sand auf den nassen Füßen, Sand in den inzwischen wieder durchweichten alten Sportschuhen – die neuen sind definitiv eine Schönwetterreserve. Ich überlege gerade, ob ich Nasuli sein Regengewand anziehen soll. Das hätte zwar unbestreitbare Vorteile, würde aber bedeuten, dass ich raus in den Ragen muss. Ich verscheibe das Vorhaben.

Zeit vergeht anders am Wasser und hat auch eine andere, bescheidenere Bedeutung. Vieles, was uns in modernen Zeiten als Zeitdruck daher kommt, oder auferlegt wird, hat hier überhaupt keine Relevanz. Um das verstehen zu können, empfehle ich allen Interessierten eine naturnahe Reise auf der Donau mit allem drum und dran. Dieses Angebot gibts aber nicht im Katalog – caveat emptor!

Dann habe ich mich am Nachmittag doch noch entschlossen Nasuli ins Regengewand zu stecken. Hauptgrund war, dass die Reisetasche am Boot ist und ich verhindern möchte, das die Sachen in der Tasche, obwohl sie in Müllsäcke verpackt sind, gänzlich durchweicht werden. Das Aufstellen von Michaelas genialer Konstruktion ging überraschend leicht und schnell. Nachdem alles dicht war haben sich die Scheiben sofort beschlagen, klar: drinnen dampfen Mensch und Gepäck, die frei werdende Feuchtigkeit schlägt sich an den Folien innen nieder. Was bedeutet das, wenn es morgen immer noch regnet und ich das nasse Zelt auch noch ins Boot stopfe?

Zunächst hat es ja so ausgesehen, als wäre der Regenmantel auch gleichzeitig ein wirksamer Regenzauber, denn kaum war das Verdeck aufgestellt, hat es zu regnen aufgehört. Der Zauber war aber nicht von Dauer, denn bald setzte der Regen mit erneuter Intensität ein. Inzwischen hat der Plan Sulina die Qualität einer Extremsportart angenommen. Ich sehe mich morgen schon im Regen weiterfahren. Dabei möchte ich aber um jeden Preis versuchen mit Verdeck zu fahren. Ich hoffe stark, dass das möglich sein wird.

An und für sich hat uns beiden die regenbedingt Pause ganz gut getan. Die Durchnässung von Haut und Fell hielt sich in erträglichen Grenzen. Allerdings ist alles feucht und klamm. Hut ab vor der Resistenz der mitgeführten Elektronik und Fotoausrüstung. Alles funktioniert immer noch klaglos. Allerdings passe ich auch auf, dass die empfindlichen Teile stets gut gegen Nässe geschützt sind. Da bewähren sich die beiden PVC-Taschen recht gut. Diesmal Bravo Bravo – denn auch die Seesäcke firmieren ebenfalls unter der Marke Bravo. Der Mangel an elektrischer Aufblashilfe (gestorben vor einer Woche in Ruse) ist auch nicht so gravierend, denn das manuelle Aufblasen wärmt den durchnässten Körper. Es lebe der Sport…

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27. Mai 2012

Von Kilometer 163 nach Kilometer 8 im Bala-Arm

Auch heute wieder ein trockener Tag. Derweil ich die neuen Sportschuhe genieße (es sind die kleinen Freuden, die das Herz erwärmen), trocknen die Stinkstiefel im Vorschiff. Es bahnt sich wieder ein Tag mit Übererfüllung des Plansolls (ob da ein Genius loci seine Hand im Spiel hat?) an. Und da passiert es auch schon: Einmal nicht genau geschaut und die hübsche, Vertrauen erweckende, schwarze Kilometrierung weicht einer weißen, die noch dazu mit Null beginnt. Sehnsüchtig erwarte ich das Auftauchen von Hirsova, doch da kommt nichts. Statt dessen Kilometer 23 in schwarz auf weißem Grund. Kartenstudium bringt die Erkenntnis, dass ich mich wohl auf dem Borcea Arm, der bei Kilometer 240 die Donau verlässt, befinde. Zurückfahren? Ich entscheide mich dagegen, da ja der Borcea Arm bei Calarasi wieder in die Donau mündet. Da ich in Calarasi ausklarieren und im gegenüberliegenden Silistra in Bulgarien einklarieren will, ist der Navigationsfehler nicht sehr folgenschwer.

Im Gegenteil, die Landschaft ist hier gänzlich unberührt und sehr stimmungsvoll. So wird aus meinem Fehler doch noch eine gut Fahrt.

Bis dann, Stunden später, plötzlich eine Gabelung auftaucht. Beide Wasserwege annähernd gleich breit, Wegweiser abwesend… Da die Donau links, also südöstlich, von mir liegt, nehme ich die Abzweigung nach links. Und wieder überrascht mich eine Kilometrierung, die bei Null beginnt. Das muss wohl der Bala Arm sein. Die Topografie deckt sich mit der Karte – die Zuversicht wächst. Und tatsächlich kommt nach 9 Kilometern die Donau in Sicht. Sie hat dort, wie auch die Karte bestätigt, Kilometer 345. Es ist wieder Abend geworden und ich habe 162 Kilometer zurückgelegt. Eine Sandbank im Bala Arm lockt für das Nachtlager. Weil es so schön ist und weil ich wirklich Hunger habe, wird die letzte Packung Instant Nudeln auf Bologneser Art zu einem frugalen Nachtmahl verkocht. Auf den krönenden Abschluss mit Nescafe an Haltbarmilch verzichte ich. Statt dessen genieße ich die hereinbrechende Nacht und die Krötengesänge. Ab und zu springt ein Fisch aus dem Wasser – ideale Idylle.

 

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26. Mai 2012

Von Sulina nach Kilometer 163

(Zwischen Galati und Braila)

Der Morgen übrrascht mich durch die Abwesenheit von Regen. Tatsächlich scheint sogar ab und zu die Sonne. Da sieht die Welt doch gleich ganz anders aus. Da passt es, wenn noch schnell die Fotos von Kilometer/Meile Null der Donau mit Nasuli im Vordergrund gemacht werden. Eingedenk der nassen Schuhe entschließe ich mich zum Kauf neuer Sportschuhe – einer guten Investition. Wieder trockene Füsse und frische Socken – ein Gewinn an Komfort. Stimmung gut, 104 Liter Sprit gebunkert. Noch ein schneller Rückblick und dann ab.

In Tulcea bei der praktischen Wassertankstelle noch schnell 15 Liter Sprit in den Haupttank nachgefüllt und weiter bei spiegelglatter Donau und niederschlagsfreiem Wetter. All die Passagen, die bei der Herfahrt so grauslich gewesen sind, geben sich unschuldig und lammfromm. Bergauf fährt Nasuli gegen die Strömung mit 20 bis 21 Kilomtern in der Stunde. Bergab waren es zwischen 29 und 30 Kilometer pro Stunde. Das lässt auf eine Strömungsgeschwindigkeit der Donau von 5 km/h schließen – klar, es regnet ja auch genug…

Mein gestecktes Ziel von 120 Kilometern bergauf pro Tag übertreffe ich um gute 40 Kilometer und lande zwischen Galati und Braila bei Kilometer 163,5 zufrieden an. Eine gute, trockene Nacht wünsche ich mir – und so war es auch.

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25. Mai 2012

Ziel erreicht

Von Tulcea bis Sulina

38 Seemeilen oder 70 Kilometer,

bei mir darf’s aber ein bisserl mehr sein

Nach der nicht ganz friktionsfreien Abfahrt vom Ponton in Tulcea – beim Wegfahren habe ich übrigens bemerkt, dass es der Ponton von Delta-Hotels gewesen ist (sic!) – ging es bei einigermassen passablen Wetter weiter in Richtung Sulina. Aber irgendwie dürften meine navigatorischen Fähigkeiten nicht so ganz auf der Höhe gewesen sein, denn plötzlich fiel mir auf, dass die Entfernungstafeln am Ufer nicht wie erwartet weiterhin fallende Werte anzeigten. Da stimmt schon wieder was nicht. Ein Blich aufs GPS-Log zeigt mich auch bereits kilometerweit weg vom Sulina-Arm. Aha – das wird wohl der Sankt Georgs Arm sein… Auch schön, aber der braucht noch 105 Kilometer bis zum Schwarzen Meer. Also umdrehen, und die richtige Abzweigung nehmen. Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass die Betonnung und auch die Breite der Wasserstrasse den Sankt Georgsarm als den bedeutenderen Fahrweg erscheinen lassen.

Es setzt wieder Regen ein, die Nässe dringt mühelos durch bereits von den Vortagen aufgeweichte Haut- und auch Fellschichten bis zu den Knochen vor. Zumindest schien es mir so. Irgendwie habe ich mir den Einzug nach Sulina erhabener vorgestellt. Bibbernd und nass tuckern wir zu Kilometer/Meile Null und damit zum offiziellen Ende der Donau. Das ist  direkt vor der palastartigen, aber dennoch ehemaligen, Residenz der Donaukommission. Jetzt sitzt die rumänische Donauaufsicht drin. Freundlicherweise darf ich dort Nasuli festmachen. Auch bei der Suche nach einem Nachtquartier ist man behilflich.Ich ziehe mit nassem Hund und nassem Gepäck in ein nettes Zimmer zu vernünftigen Preisen – 100 Lei sans Frühstück geht doch. Das mit meinem Morgenkaffee wird sich doch regeln lassen. Vorerst, nach oberflächlicher Trockenlegung, feiere ich mein Ankommen am Ziel mit einer Karaffe Weißwein, Mineralwasser, gegrillten Hühnerschnitzel und gemischtem Salat. Die anwesenden Fischer sind entzückend zu Puppi und wir versuchen es mit Kommunikation. Hände, Füße, der Google-Translator – alles kommt zum Einsatz. Während sich Puppi mit einem Gästehund eher mühelos zwischen Angiften und Anbiedern unterhält, gelingt es mir meine Reise zu erzählen. Vielleicht werden sich einige gedacht haben, dass ich einen gewaltigen Knall haben muss, mit so einem Scherz von Boot (in den Augen der Fischer zweifellos), von Wien nach Sulina zu fahren. Und das ohne erkennbare Notwendigkeit…

Ja, auch ich mache mir so meine Gedanken: Wie geht es einem Bergsteiger, wenn er am Gipfel steht, und “nur” mehr der Abstieg auf ihn wartet? Bei mir ist es geradezu umgekehrt, ich bin im Tal angelangt und der Aufstieg, zumindest bis Belgrad muss noch bewältigt werden. Das bedeutet geringere Kilometerleistung, höheren Spritverbrauch und – eigentlich erwartbar – weiter frustierend schlechtes Wetter. Ungeachtet dieser eher trüben Erwartungen stellt sich eine kaum beschreibbare Zufriedenheit ein: Ich habe mein Ziel Sulina erreicht. Ich habe die Donau bis zu ihrer Mündung befahren. Ich habe mich den Herausforderungen gestellt: Wetter, Navigation, Technik, Versorgung, Bürokratie… Ich habe Eindrücke gesammelt: Natur, Menschen, Landschaft, Einsamkeit… Und ich habe es (zumindest einmal bis Sulina) geschafft. Ich habe auch ein Gefühl von Sicherheit und Selbstvertrauen gewonnen, dass die Rückreise ebenfalls funktionieren wird.

Ja, und noch ein Detail geht mir so durch den Kopf: Seit Tagen mehr oder weniger vom Regen heimgesucht, ist mein Äußeres bereits etwas derangiert. Vor allem die nassen Schuhe verströmen einen markanten Geruch. Und da denke ich mir so, wenn ich beruflich mit meinen Gästen/Klienten zu tun habe, und ich mich über deren strenge Ausdünstungen mokiere, wie herablassend und ungerecht ich da bin. Es braucht nur ein, zwei Tage nasse Füsse und der Mensch stinkt wie ein Iltis (Pardon ihr Iltisse). Körperpflege im Freien ist auch nicht sooo übermäßig wirksam, also da habe ich etwas dazugelernt und ich hoffe, in Zukunft etwas toleranter gegenüber meinen Klienten zu sein, die das – im Gegensatz zu mir – nicht zu ihrem Vergnügen tun, sondern von einem nicht eben gerechten Schicksal dazu gezwungen werden…

Im Regen mache ich dann noch einen kurzen Spaziergang durch Sulina. Mit dem Weggang der Donaukommission hat der Ort an Bedeutung verloren, Tourismus ist wenig erkennbar, obwohl die Zahl der ihre Zimmer anbietenden Pensionen durchaus auf höhere Erwarungen schließen lässt. Aus einer Seitengasse heraus werfe ich noch einen Blick aufs Schwarze Meer; nett, aber nicht mein eigentliches Ziel. Reduktion auf das Wesentliche, bei mir genau so wie bei den Menschen in Sulina. Da lebt man primär vom Fischfang, alles andere ist nicht so wichtig. Tourismus – nett, aber nicht entscheidend.

Am Zimmer dann die Planung für die Rückreise: Morgen bunkern von Treibstoff – wenn möglich sollte der Sprit bis Ruse (km 499) reichen. 20 Liter für 80 Kilometer sind veranschlagt, ohne Spielraum allerdings. 129 Liter kann ich mitnehmen. Das reicht unter den günstigsten Bedingungen für 520 Kilometer – unter den günstigsten Voraussetzungen allerdings. Man wird sehen…

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24. Mai 2012

Von km 198 bis Tulcea

Sehr theoretisch gesehen müsste es heute zu schaffen sein Sulina zu erreichen. Also frohgemut zeitlich aufstehen, Nescafe einwerfen und ab die Post. Bleibt nur ein kleines Problem, nämlich die Beschaffung von Lei aus dem Bankomat. Da ich  nicht gabz sicher bin, ob Sulina so etwas hat, muss ich eine der davor liegenden Städte ansteuern.

Glücklicherweise entscheide ich mich für das in Fahrtrichtung näher liegende Braila und gegen Galati. Braila hat eine ganz entzückende Innenstadt und darüber hinaus verführerische Restaurants am Wasser. Also geht ein Teil der eben behobenen Lei (60 an der Zahl, das entspricht gerade einmal 15 €) für Cäsar-Salat, Flussfisch vom Grill, Getränke und Kaffee zum Nachtisch drauf.

Schon ein bisserl spät dran breche ich zur Weiterfahrt auf – und da wird es richtig spannend: Unheil verkündend verfinstert sich der Himmel und ein unangenehmer Wind kommt auf. In Galati, keine 30 Kilometer später, sind die Wellen fast so hoch wie damals in Kladovo. Dennoch entschließe ich mich zum Weiterfahren. In der ersten Flussbiegung nach Galati mit Blickrichtung Moldawien ist Schluss mit lustig. Ich muss anlanden, ein Weiterfahren ist nicht möglich. Gespannt verfolgen ich Wind und Wellen, denn kaum hatte ich mich entschlossen, es für heute gut sein zu lassen und die Sachen für das Nachtlager aus dem Boot zu holen, beruhigt sich die Donau wieder ein wenig. Also weiter…

Am rechten Ufer ist nach wie vor Rumänien, links kommt nach ziemlich genau 720 Metern moldawischen Ufers die Ukraine als Anliegerstaat dran. Mir war das nicht so klar und ich fahre tendenziell mit Linksdrall auf der ukrainischen Seite weiter. Ebenfalls von mir wenig beachtet, wird mein Kurs argwöhnisch von Booten der rumänischen Grenzpolizei verfolgt. Inzwischen hat auch ein ordentlicher Regen eingesetzt, Puppi und ich sind waschelnass. Zeitweise ist die Sicht unter 500 Meter, so schüttet es.

Da geht auch noch der Sprit aus, ich kann im strömenden Regen den Kanister aus der vorderen Kiste angeln und den Haupttank auffüllen. Kaum war das erledigt, begehe ich einen schwerwiegenden Fehler. Beim Weiterfahren achte ich nicht auf die Fließrichtung der Donau und, von mir unbemerkt, fahre ich schnurstracks – nunmehr strikt auf der ukrainischen Seite, weil Rechtsfahren auf der Donau angesagt ist – wieder stromaufwärts.

Doch dem wachsamen und unermüdlichen Auge der Rumänischen Grenzpolizei entgeht nichts. Nach etwa 10 Kilometer Geisterfahrt stoppen sie mich und fragen ganz genau nach meinem Reiseziel und meinen Absichten. Da dämmert mir, dass mit meiner Navigation etwas grundsätzlich falsch gelaufen sein muss. Das bestätigen mir auch die Polizisten und weisen mich an, strikt auf der rechten (rumänischen) Seite zu bleiben, vor allem auch deshalb, weil ich kein ukrainisches Einreisevisum in meinem Pass habe – war ja auch nie meine Absicht, in der Ukraine Halt zu machen.

Die Amtshandlung war um halb sieben vorbei und es dämmerte bereits etwas. Zum Glück wusste ich aus dem Donaubuch, dass es bei Meile 48 direkt an der Donau ein Hotel gibt. Also 20 Meilen mussten zur Not in knapp zwei Stunden zu fahren sein. Bei strömenden Regen erreichte ich dann um dreiviertel acht besagtes Etablissement. Tropfnass und bereits etwas derangiert sprach ich vor und wollte ein Zimmer buchen. Allerdings nahm dieser Maitre keine Gäste mit Hund. In einer sehr weitherzigen Gesetzesauslegung wollte ich ihm klarmachen, dass er damit gegen das Diskriminierungsverbot der EU verstoße, indem er mich als Gast nicht akzeptiere, bloß weil ich mit Hund anreise. Gut, einen Versuch war es wert, der gute Mann blieb stur, und ich samt Puppi nass und obdachlos. Allerdings gab er mir den wenig hilfreichen Rat, es doch im Hotel Insula in Tulcea – weitere 10 Seemeilen stromabwärts – zu versuchen. Was blieb mir anderes übrig, es war bereits viertel neun und finster, als weiterzufahren?

Positionslichter gesetzt und der kaum ahnbaren Uferlinie in gebührendem Abstand folgen. Um neun dann Tulcea erreicht. Der Versuch, über Funk die Capitania zu erreichen, damit mir gesagt werde, wo ich anlegen könne, blieb erfolglos. Kein Schwein antwortet – der Funk ist, soferne man nicht Rumänisch oder Russisch beherrscht, zum Schmeissen. Englisch geht auch nicht und Deutsch kann man echt vergessen – soweit zu den Vorstellungen der Donaukommission von wegen Amtssprache Deutsch…

Nach längerem, sehr frustrierenden Herumirren im Hafen von Tulcea, spricht mich ein Mann an und erklärt mir, ich befinde mich direkt vor dem Ponton der Capitania und ich solle festmachen. Ich frage nochmals nach, ob ich hier sicher richtig beim Ponton des Hafenkapitän sei, was eilfertig bestätigt wird. Geschafft!

Jetzt noch ein Taxi finden, das mich ins Hotel Insula bringen soll, weil dort Gäste mit Hund willkommen seien. Um 22 Uhr (wobei in Rumänien die Uhren eine Stunde vorgehen – also 23 Uhr Ortszeit) in Tulcea ein Taxi finden – vergiss es! Also zum Hotel Delta, direkt am Hafen. Eine sehr beflissen wirkende Concierge macht auf mitleidig und versichert mir, dass im Delta keine Hunde toleriert würden, allerdings sei sie gewillt, in meinem Fall eine Ausnahme zu machen. 70 Euro sollte der Spass kosten. Mir war schon alles recht, mir war kalt, ich war nass bis auf die Knochen und Puppi hat auch schon erbärmlich dreingeschaut. 300 Lei (also schon wieder ein kleiner Beschiss um 5 Euro) wollte die Gute haben – im voraus. Na gut, Kreditkarte gezückt – aber nichts war mit bargeldlos; die Dame erklärt mir, ich müsse cash bezahlen weil die Kartenmaschine kaputt sei. Komisches Viersternhotel, wo die Kreditkartenmaschine nicht funktioniert und dann bei Barzahlung auch kein Beleg übergeben wird. Erst später im Zimmer dämmerte mir dann, dass die gute Fee bei der Rezeption vielleicht doch keine ganz so Gute gewesen sein dürfte und sie sich eben ein Körberlgeld von 70 Euro (immerhin die Hälfte des durchschnittlichen Monatseinkommens in Rumänien) verschafft hat. Obendrein hatte sie mir das Versprechen abgenötigt samt Puppi spätestens um neun Uhr Ortszeit das Etablissement zu verlassen – immerhin bekam ich ein Frühstück aufs Zimmer, denn Puppi darf ja nicht ins Hotelrestaurant.

Pünktlich um neun dann beim Boot wartete der zweite Nepp auf mich: Ein smarter Typ, unsympathisch vom Scheitel bis zur Sohle, klärte mich auf, dass dieser Ponton – quasi über Nacht – zum Privatponton geworden ist, und er berechtigt sei, mir 50 Euro Liegegebühr abzuknöpfen. Nicht mit mir, ich forderte über Funk die Wasserpolizei an – es blieb beim Versuch. Natürlich keine Antwort. Ich versuchte zu handeln, 50 Lei oder 12,5 Euro schienen mir angebracht. Das wollte der Typ aber nicht akzeptieren. Vielleicht einen Distress Call über Funk absetzen, denn immerhin wurde ich an der Weiterfahrt gehindert, weil mein Boot fest am Ponton angebunden war? Ich kündigte einen PAN-PAN Ruf an, was dann endlich zu einem resignierten Losmachen der Leinen geführt hat.

Ich finde es bestürzend, dass in einem Land, welches von bitterer Armut heimgesucht wird, immer wieder smarte Typen hochkommen, die den Hals nicht voll genug bekommen. Das mag zwar menschliche Natur sein, es ist trotzdem widerlich. Also mein Rat wäre, die allseits zu hörenden Warnungen vor rumänischen Zigeunern (am lautesten zu hören in Rumänien selbst!!!) tendenziell eher zu ignorieren aber vor den smarten Typen auf der hut zu sein. Ja, auch ein intensives Lernen der Landessprache könnte ganz nützlich sein, denn auf nicht rumänischsprechende Touristen im Schlauchboot mit Hund ist man hier keineswegs vorbereitet.

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23. Mai 2012

Go, Nasuli, go!!!

Heute war zum ersten Mal klar, dass der Plan Sulina aufgehen wird. Wie gewohnt um 5:00 Uhr aufgewacht, minimale Körperpflege, Nescafe mit Zucker und Kondensmilch, ein pitschnasses Zelt abbauen, das Zeugs ins Boot (das alles braucht auch am 24 Tag immer noch zwei Stunden) und Abfahrt um 7:45.

Ausklarieren aus Bulgarien in Silistra um 9:30. Das Anlgegen am Grenzponton ist beinahe unmöglich, weil das Ding so hoch ist. Glücklicherweise liegt aber schon ein schönes Segelschiff mit Wiener Registrierung am Ponton; der Eigner lädt mich ein, an seinem Schiff festzumachen, was die Sache wesentlich vereinfacht. Leider habe ich mir weder den Schiffsnamen noch die Namen der Besatzung gemerkt. Gemeinsam warte wir beim Bulgarischen Zoll auf das Ende der Amtshandlung. Genau, aber nicht sekkant werden die Dokumente überprüft.

Ich erfahre, dass man direkt vis-a-vis am Zollanleger von Calarasi in Rumänien einklarieren kann. Die Wiener lassen mir den Vortritt beim Ablegen und Queren der Donau. Dort beamtshandeln mich die Rumänischen Wasserpolizisten zuvorkommend und sind von Nasuli hin und weg. Mit dieser kleinen Gummiwurst von Wien bis hierher… und dann noch nach Sulina! Nasuli ist sicher eines der kleinsten Schiffe, die dort einklariert haben. Auf den Zöllner darf, wie üblich, gewartet werden – aber nicht allzu lang. Er fragt mich in perfektem Englisch – das mit Deutsch als Amtssprache auf der Donau kann sich die Donaukommission abschminken (und die Skipper ebenfalls) – ob ich tatsächlich keine Narkotika oder gar ein Maschinengewehr an Bord versteckt hätte. Ich lade den Zöllner ein, sich das Boot doch anzusehen und meine Bordbewaffnung (das Schärfste, das ich mitführe ist ein Stanly-Messer) anzusehen. Gut gelaunt plaudern wir über das Leben an Bord von Nasuli. Mit den besten Wünschen der Anwesenden versehen endet die Amtshandlung um 10:35. Ich setze nunmehr die Rumänische Flagge, die letzte in meiner Flaggensammlung.

Ab mit Vollgas, nur um 10 Minuten später mit leerem Tank bei km 366 mitten im Fluss zu verrecken. Gespannt beobachte ich, wie schnell es mich wie weit abtreibt. Die Donau führt sehr viel Wasser und treibt mich laut GPS-Log mt satten 5 km/h richtung Sulina. Ein gewaltiger Anschieber, aber was bedeutget dies für meine Rückreise?

Um halb zwei gibt es bei km 294, unterhalb von Cernavoda, einen Landgang.

Puppi tobt sich aus, derweilen ich die Landschaft fotografiere. Ein pittoresker Baum hat es mir besonders angetan.Um viertel vier das malerische Ghindaresti fotografiert (km 260).Da hätte ich besser gleich Sprit aus dem Kanister in den Tank füllen sollen, denn bei km 257,4 ist der Tank leer. Genau in einer Engstelle zwischen den einzigen Felsen im Umkreis von 500 Kilometern. Strudel wie sonst nur im Wildwasser. Also hopp ins Vorschiff und Anker werfen. Den Stillstand nutze ich für ein Fotoshooting – später werde ich erfahren, dass in den Felshöhlen ganz seltene Vögel brüten sollen.Nun geht es ans Lichten des Ankers, aber irgendwie will die Sache nicht: Die Ankerleine straff gespannt geht beinahe senkrecht nach unten und der Anker lässt sich nicht heben. Versuche, mit Motorkraft etwas Bewegung in die Sache zu bringen, scheitern ebenfalls kläglich. Bleibt mir nur die letzte Option, die Ankerleine zu kappen und den Anker samt Ankerkette und Leine aufzugeben. Gesagt – getan, höchst vorsichtig mit einem Stanly-Messer wird die Leine durchgeschnitten. Ich wage gar nicht daran zu denken, was hier ein Fehltritt in Richtung Nasulis Bootshaut bedeuten würde.

Wild kreiselnd treibt mich die Donau an den Felsen vorbei – es dauert eben ein bisschen, bis ich das Achterdeck erreicht habe und die Steuerung übernehmen kann. Auch auf einem 4-Meter-Schiff braucht es eine gewisse Zeit von vorne nach hinten über die Reisetasche zu klettern.

Kurze Zeit später bei km 253 ein entspannter Fotostop vor Hirsova. Dann bei km 237 nach der Giurgenibrücke ratloses Kartenstudium, wo es nun weitergeht. Die, letzlich richtige, Entscheidung die linke Gabelung zu nehmen bringt mich weiter in Richtung Sulina. Rechts zweigt der Borcea Arm ab. Die Donau führt jetzt extrem viel Treibholz und anderes Zeugs mit sich, daher Anlanden bei km 207 um den Propeller von Ästen zu befreien. Puppi genießtdie unverhoffte Unterbrechung – ich weniger. Eigentlich könnte ich hier gleich übernachten, aber mich hat der Ehrgeiz gepackt, einen Einser vor der Tagesetappe zu sehen. Also wieder alles einsteigen. Herr und Hund haben jede Menge Schlick auf den Pfoten, also darf ich gleich das Schiff – zumindest oberflächlich – reinigen.

Um dreiviertel sieben erreiche ich dann mein Tagesziel: km 198. Hund füttern, Zelt aufstellen, das Luftbett manuell aufblasen – sehr mühsam. Nach Hause telefonieren, Blog schreiben und für morgen planen. Jetzt zeigt sich ein teilweise klarer Himmel mit einem netten Kipferlmond, am Horizont wetterleuchtet es. 23:05 … Zeit zum Schlafengehen.

Jetzt, wie schon üblich, das Versprechen, die schönsten Bilder nachzureichen.

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22. Mai 2012

Ruse km 496 bis Insel Kosuy km 421

75 Kilometer

Pünklich um 9 Uhr treffe ich in der Marina von Ruse ein.  Kurze Zeit später ist auch ein Klubmitglied mit Auto da und er ist so freundlich und führt Puppi, mich und vier Kanister zu einer Tankstelle. Dort bunkere ich 84 Liter. Schon gestern war mir aufgefallen, dass Nasuli eigenartig schlapp durch die Wellen pflügt. Ich messe nach, und tatsächlich sind in den Hauptkammern nur 0,18 bar statt den vorgeschriebenen 0,25 bar. Im Luftkiel waren es überhaupt nur 0,1 bar statt der erwarteten 0,35 bar. Da ist es kein Wunder, dass das Boot kreuzlahm daherkommt.

Zu allem Überfluss hat sich der Bravo-Kompressor in die ewigen Jagdgründe verfügt. Bravo Bravo!!! Jetzt war guter Rat teuer. Aber der unermüdliche Chef der Marina ist mit mir zu zwei Bootszubehörgeschäften gegangen – allerdings gab es da die Luftpumpen nur auf Bestellung; Lieferzeit eine Woche. Ich konnte jedoch eine Handpumpe um günstige 27 Lei erstehen.

Bis um drei Uhr war ich dann noch beschäftigt das Boot einzuräumen. Abfahrt erst jetzt, und um das Maß an Verdießlichkeiten voll zu machen weht ein heftiger Ostwind. Wind gegen die Fließrichtung führt immer zu interessanten Wellenformationen. Gischt klatscht mir um die Ohren und ins Gesicht. An schnell Fahren ist da gar nicht zu denken. Obendrein gehen immer wieder kräftige Schauer nieder. Also das Bimini aufspannen und mit Schrittgeschwindigkeit in Verdrängerfahrt gegen Osten dümpeln.

So ging es abschnittweise den ganzen restlichen Tag, Kein Wunder, dass es heute nur 75 Kilometer geworden sind. Auch das Finden eines Schlafplatzes erwies sich als unerwartet kompliziert. Erst im zweiten Anlauf konnte ich etwas einigermaßen Passendes finden. Jetzt, beim Tagebuchschreiben tröpfelt es schon wieder auf das Zelt- und in der Nacht wird es dann auch noch ein Gewitter geben.

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21. Mai 2012

Manchmal kommt es anders…

… als man denkt. Gestern habe ich mit Paul telefoniert und er hat mir sehr geduldig erklärt, dass bis zum 7. Juni, unserem geplanten Treffen in Belgrad, noch zwei Wochen und ein paar Tage sind. In meinen Berechnungen habe ich immer eine Woche unterschlagen, daher erschien das Erreichen des Schwarzen Meeres unwahrscheinlich.

Bei korrekter Kalenderbetrachtung allerdings sind es bis zum 7. Juni – dem geplanten Treffen in Belgrad 18 Tage –  und so wird Sulina durchaus wieder realistisch.

Doch der Reihe nach: Aufstehen heute um 4:30 – wie schin fast zur Gewohnheit geworden. Ein Blick aus dem Zelt allerdings zeigt… NICHTS. Dichter Nebel hüllt alles ein.

Um halb elf war es dann soweit, ich konnte das Boot einräumen und von meiner kleine, idyllischen Insel wegfahren. Ruse war dann auch noch ein Katzensprung. Um vier am Nachmittag habe ich im Yachthafen von Ruse festgemacht, Puppi ist auch gleich wieder ins Wasser gefallen und war entsprechend beschämt. Aber es ist halt so, dass Anlegemanöver bei starkem Wind es mit sich bringen, dass das Boot auch mal vom Steg wegdriftet.

Der Empfang im Yachtklub war freundlich. Ich hatte es mit in den Kopf gesetzt heute in einem richtigen Bett zu übernachten. Das war allerdings nicht ganz so einfach, denn die Pensionen, die der freundiche Mensch vom Yachtklub Ruse vorgeschlagen hat, wollten zwar mich als Gast durchaus beherbergen, aber bei Puppi haben sie alle abgewunken. Schließlich nahm ich die Sache in die Hand und steuerte das erste Haus am Platz, nämlich das Hotel Dunava, an. Und siehe da, für schlappe 25€ pro Nacht durften Puppi und ich Quartier nehmen.

Ein gelungenes Finish

Nun klingt ein perfekter Tag aus: Ich habe geduscht – schon dringendst erforderlich – die Landgangsklamotten (Jeans, frische T-Shirt und die “schönen” Schuhe) an und sitze im Restaurant. Schopska Salat (der Bewährte) und als Hauptspeise Lachsfilet gegrillt, gefolgt von Bananenparfait.Begleitet wird diese Leckerei von einer Flasche feinem Sauvignon.  Herz, was willst du mehr. Nun noch schnell das Blog updaten… was hiemit geschieht – inklusive der Bilder von gestern und vorgestern (dem freien W-Lan des Hotels Dunja sei gedankt). Nun in einem “richtigem” Bett ausschlafen, morgen um 9 bekomm ich 84 Liter Sprit und dann weiter, soweit die Zeit reicht – wir werden sehen…

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20. Mai 2012

Fortschritt mit gewittrigem Ende

Heute bin ich besonders zeitig aufgestanden um ordentlich weiterzukommen. Tagwache um 4:45 im ersten Morgengrauen – und wieder herumgetrödelt. Dennoch Abfahrt um 7:55. Nachfüllen von Sprit um 10:00 bei km 702. Dabei auch gleich den Raddampfer Radetzky fotografiert.Dieser Nachbau ist ein Andenken an einen törichten Aufstand eines Poeten gegen die Türkenherrschaft im 19. Jahrhundert. Um viertel vier dann Rastpause an einer idyllischen Insel bei km 594.

Die Gegend hier ist unheimlich beruhigend. Eine gleichmässige, unaufgeregte Szenerie. Eine halbe Stunde später passieren wir Nikopol. Obwohl hier bequem zu tanken wäre (60 Liter könnte ich schon wieder bunkern) verzichte ich darauf, denn das Ziel für heute lautet Russe. Auch dort ist im Yachthafen Benzin zu besorgen – meint der Donauführer. Die hundert Kilometer bis Russe müssten eigentlich in guten drei Stunden zu schaffen sein, denn 60 Kilo weniger (Sprit) machen sich bemerkbar. Mithilfe der Strömung, die zwischen vier und fünf Kilometer pro Stunde beträgt, erreicht Nasuli Spitzengeschwindigkeiten um 30 km/h, mit etwas reduziertem Gas sind 27 km/h realistisch.

Nur habe ich die Rechnung ohne den Wettergott gemacht: Um 4 Uhr zieht plötzlich ein Gewitter auf. Ich flüchte zur nächstbesten Insel (km 589), als auch schon die ersten Regentropfen fallen. Hastig im nunmehr strömenden Regen wird das Zelt aufgebaut und die Reisetasche und andere nässeempfindlichen Teile werden dort in Sicherheit gebracht. Hund und Herrl sind klatschnass, nur der Hund stinkt schöner. Doch ebenso schnell wie das Gewitter gekommen ist hat es sich auch schon wieder verzogen. Kaum eine Stunde später strahlender Sonnenschein. Doch jetzt das nasse Zelt wieder einpacken und weiterfahren – ich entscheide mich dagegen, zumal Ruse wohl der Umkehrpunkt meiner Donaureise sein wird.

Jetzt beim Bloggen habe ich gerade eine Pause gemacht und bin raus aus dem Zelt. Da überfällt mich geradezu ein wolkenloser Sternenhimmel. Ein atemberaubender Anblick in einer Schönheit, wie ich sie noch nie gesehen habe: Da ist rundherum wirklich alles finster (keine Lichtverschmutzung durch Beleuchtung), Kröten quaken, ein paar Nachtvögel singen. Ich bin einfach sprachlos.

PS: Der Blogserver ist zur Zeit gerade am Limit und meine Internetanbindung geht auch recht zähe, daher werden die Fotos von gestern und heute später nachgereicht – und ich gehe schlafen…

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19. Mai 2012

Ich stehe bewusst zeitig auf, damit streckenmäßig was weitergeht. Tatsächlich alles verstaut und Abfahrt um 7:45 von Kladovo Marina. Zum Abschied noch die Trajanbrücke fotografiert, auf der rumänischen Seite sieht die Sache ganz eindrucksvoll aus, der serbische Brückenkopf ist nur zu erahnen.

Schon um 11 Uhr bin ich bei der Schleuse Djerdap 2. Diesmal sind die Rumänen dran – und irgendwie geht alles flotter. Kann natürlich Zufall sein, dass gerade ein gewaltiger Schubverband in der Schleuse festgemacht hat, ich werde jedenfalls auch reingewunken und ab geht die Post – 8 Meter talwärts. Genau um 11:23 fahre ich als erster durchs erst halb geöffnete Schleusentor – auf Aufforderung von Schleusenmeister, wohlgemerkt!

Um Punkt 12 Uhr Anlegen beim Polizeiponton in Prahovo zum Ausklarieren. Die Serbische Geschäftstüchtigkeit kennt wirklich keine Grenzen: Als Ponton dient ein ausrangiertes Schiff und dient einem älteren Mann offenbar als Geldquelle. Fürs Festmachen zum Ausklarieren will er doch glatt 20 Euro Pontontaxe. Ich vertröste ihn zunächst einmal auf das Ende der Amtshandlung. Auf Nachfrage stellt sich der Grenzpolizist ahnungslos, es ist ihm nicht zu entlocken, ob diese Geschichte rechtens ist.

Jetzt muss nur noch auf den Zoll gewartet werden. Laut Reiseberichten kann das dauern. Mein Ausklarieren wurde allerdings unendlich beschleunigt, weil ein Frachtschiff ebenfalls anlegen wollte. Der Grenzbeamte, Puppi und ich sausen vom Büro zum Ponton, hastig drückt er mir die gestempelten Papiere in die Hand, meine Frage nach dem Zoll wird übergangen. Ich soll nur schnell weg. Auch der Alte hilft tatkräftig mit mich und Puppi ins Boot zu verfrachten, immerhin ist der Ponton zwei Meter über dem Wasserspiegel – also eine ziemliche Kletterei. Keine Rede mehr von 20 Euro Pontontaxe, nur schnell weg mit uns. Somit war das Ausklarieren aus Serbien in einer Dreiviertelstunde erledigt – klingt rekordverdächtig.

Um halb zwei dann die kurze Grenzkontrolle durch das Polizeiboot der Bulgaren. Strenge Ermahnung, bis Vidin – wo die eigentliche Einreise nach Bulgarien und in die EU amtlich wird – nur ja nirgends bulgarisches Staatsgebiet zu betreten. Auch das Puppi vielleicht müssen könnte macht keinen Eindruck. Immerhin sind es bis Vidin fast 50 Kilometer.

Bei km 822 ist dann der Tank leer und ich muss aus dem Kanister nachfüllen. Das wird zu einem illegalen Landgang genutzt.

10 vor Vier dann Vidin erreicht.Einklarieren geht schnell, ich ziehe noch um 300 Euro Lewa aus dem Bankomaten und genehmige mir den bekannt köstlichen Schopska-Salat. (Gurken, Paradeiser, Paprika und Schafkäse) Abfahrt um dreiviertel sechs.

Ankunft beim Nachtliegeplatz um sieben bei Stromkilometer 758. Heute 176 Stromkilometer erledigt.

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18. Mai 2012

Zweiter Wartetag in Kladovo

Wieder ein regnerischer Tag, obwohl es am Nachmittag aufklart. Morgen aber soll es schön sein – wird auch Zeit. Am Vormittag geht es mit Milutin in eine Konditorei, Puppi muss derweil im Auto warten. Obwohl sie das schon recht gut macht und auch nicht jammert, finde ich, dass die serbische Gastronomie in Sachen Hundetourismus dazulernen muss. Nicht einmal in eine Bank darf ein Hund mitgenommen werden. Da werden etliche Hundebesitzer um Serbien einen großen Bogen machen; ob das der Sinn der Übung ist, wage ich zu bezweifeln.

Zu Mittag bringt Milutin selbstgemachte Rasnici – einfach köstlich. Am Abend dann führt er mich zur Tankstelle, ich tanke 36 Liter, damit sind alle Tanks zu 100% gefüllt. Das sollte bis Nikopol reichen. Letztlich zeigt sich Milutin dann doch sehr geschäftstüchtig, als er mir 5 Euro für die Reinigung des Wohnwagens abknöpft. Die Spitze ist allerdings sein eigenwilliger Umrechnungskurs, er rechnet fünf Euro gleich 750 Dinar. Ich wusste gar nicht, dass der Dinar sooo schwach beinand ist… Aber was soll’s.

Der Abend klingt dann aber noch sehr nett aus, denn sein unmittelbare Nachbar ist ein Lokalbesitzer, der im Jahr 2011 Robert von der Daubel bei seiner Donaufahrt mit der Zille kennengelernt hat.Der Nachbar spricht perfekt Deutsch und ist auch jetzt noch mit Robert in Kontakt. Wir plaudern übers Donaufahren und es ist wirklich eine nette Unterhaltung.

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17. Mai 2012

Sturm und kein Weiterkommen

In der Früh – gut im Wohnwagen geschlafen – wache ich bei Sonnenschein und eigenartigen Geräuschen auf. Wie sich sofort herausstellt, sind das Windgeräusche von einer ziemlichen Intensität. Mit anderen Worten, es stürmt der/die oder das Koschawa. Schaumkronen auf der Donau, Wellen, die gut ein Meter hoch sind, mit einem Wort: unfahrbar.

Kurze Zeit später informiert mich Milutin, dass der Sturm sicher noch zwei oder drei Tage andauern wird. Aber das sei kein Problem, denn ich könne ja in seinem Wohnwagen schlafen. Wieder einmal einer dieser Momente, wo mir vor Dankbarkeit der Mund offen stehen bleibt.

Mit Beschämung erinnere ich mich an eine Episode aus meinem Berufsleben: Da hat die Polizei eine rumänischen Familie, deren Auto auf der Strecke zusammengebrochen war, versucht irgendwo solange unterzubringen, bis Verwandte die Gestrandeten abholen und heimführen könnten. Da gab es wortreiche Erklärungen von allen Seiten, wieso man selbst zwar gerne helfen wolle (und einem die Leute persönlich wirklich leid täten), aber man eben gerade für so einen Fall ganz bestimmt NICHT zuständig sei. Da habe auch ich etwas gutzumachen.

Nun gilt es, den Frühstückskaffee zu bereiten.Bei dem Sturm gar nicht so einfach, aber letztlich gibt es den halben Liter Löskaffee – diesmal mit “echter” Milch – und das Scherzl Weißbrot von gestern. Solcherart gestärkt wird klarschiff gemacht – auch das bei dem Sturm nicht ganz einfach.DSC00311a

Puppi tollt vergnügt herum und vor lauter Übermut fällt sie vom Steg ins aufgewühlte Wasser. Rettung sofort, außer nassem Pelz nichts passiert.

Eine wenig scheint sie sich dafür zu schämen.

Zu Mittag überrascht mich Milutin mit selbstgemachter Gemüsesuppe (köstlich mit kaltgepresstem Olivenöl aus Zypern verfeinert) und saurer Wurst mit Zwiebelstücken und Weißbrot (ebenfalls köstlich). Es fehlen mir echt die Worte diese Gastfreundschaft gebührend zu würdigen.

Jetzt, am Nachmittag geht es ans Bilderkopieren und Blogschreiben. Zwar bin ich meinem Ziel Stromkilometer Null näher als meinem Heimathafen, aber bei kritischer Betrachtung erscheint dieses Ziel in weite Ferne gerückt. Wenn es wirklich so ist, wie Milutin sagt, dass der Koschawa (ein warmer Fallwind über die Karpaten) noch weitere zwei oder drei Tage wüten wird, dann geht es sich mit der Zeit möglicherweise nicht aus. Eigenartigerweise hält sich meine Enttäuschung darüber in Grenzen. Es ist eben eine Reise ins Ungewisse. Der Koschawa war zwar als möglicher Zeitdieb bekannt, aber sein Auftreten ist nicht vorhersehbar, weder von der Großwetterlage noch von der Jahreszeit her. Und im Grunde genommen war auch mein Malheur mit dem Bootsboden einfach Pech. Für eine nächste Fahrt dieser Art heisst das mindestens doppelt so große Zeitreserven einzuplanen. Außerdem, es werden sieben Wochen unvergessliches Leben am Wasser sein. Das ist aber das Eigentliche, was für mich Bestand und Wert hat, Sulina vielleicht im ersten Anlauf nicht erreicht zu haben, kümmert mich ähnlich wie Puppis Bad in der Marina von heute Vormittag.

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16. Mai 2012

Beam me up, Scotty!

Heute war ich wirklich ganz knapp davor aufzugeben. Die Abfahrt von Donji Milanovac bei leichtem Regen war nicht wirklich erhebend, aber ich wollte unbedingt weiterfahren und ich wusste, dass gegen Mittag der Regen aufhören würde, zumindest hat es sich gestern so verhalten. Das Bimini wurde aufgespannt, um Puppi etwas trockener zu halten. Die gestern gekauften Müllsäcke haben sich bewährt um Puppis Bett und meine Reisetasche trocken zu halten. Vorsichtshalber habe ich auch die Kleidung in der Tasche nochmals in Plastiksäcke verpackt.Die Landschaft beim Eisernen Tor ist atemberaubend, auch im Nieselregen. Die üblichen Highlights (Decebals Kopf und die Trajantafel pflichtgemäß fotografiert, wobei Decebals Kopf in Stein gehauen durchaus interessante Ähnlichkeiten zu real existierenden Personen aufweist…

Und dann die Ankunft bei der Schleuse Djerdap 1. Anmeldung über Funk… keine Antwort. He Leute, die Amtssprache auf der Donau ist laut Donaukommission DEUTSCH!!! Nach mehreren Versuchen über Funk das Anliegen zu Tal geschleust zu werden anzubringen erscheint ein netter, perfekt Englisch sprechender Schleusenmeister und weist mir einen einigermaßen windgeschützten Platz im oberen Becken zu. Der Wind bläst ordentlich und treibt die Regenwolken vor sich her. Leider beschließen die Regenwolken auch immer öfter ihren Regen über Puppi und mir abzulassen.

Es war zwölf Uhr Mittags als ich ankam, um drei Uhr habe ich wieder den Funk bemüht… zwecklos. Das war dann der Augenblick, als ich dachte, das Vorhaben sofort, hier und jetzt aufzugeben. Kalt, nass, windig, ungewiss, ob ich in diesem Jahrhundert noch eine Talschleusung bekommen werde – die Stimmung auf dem absoluten Nullpunkt: Zeit für den Anruf bei Scotty “Beam me up”. Es soll ja so sein, dass Sportboote nur mit der Grossschiffahrt geschleust werden, aber was tun, wenn die Grossschiffahrt nicht statt findet? Wenn nicht bald etwas passiert, dann kehre ich um und fahre mit dem Zug heim.

Um halb vier dann sind zwei Lastkähne von unten kommend ausgefahren und das grüne Licht für die Talschleusung wurde eingeschaltet. Da keine Schwarzen in Sicht gewesen sind, habe ich das grüne Licht einfach auf mich bezogen und bin in die obere Schleusenkammer eingefahren. Djerdap 1 hat zwei Kammern hintereinander mit jeweils 16 Meter Fallhöhe. Festmachen am Schwimmpoller und ab ging die Post nach unten. Eindrucksvoll, wie klein mein Boot bei diesen Dimensionen wird.

Richtig erstaunt aber war ich, als das Hubtor zur unteren Kammer aufmachte: Ich blickte in den Bug eines Kreuzfahrtschiffs. Na ja, wenn wir dann beide unsere Motoren in Gang setzen, dann ist schon klar, wer gewinnt… Aber die Regelung war dann doch eindeutig, ich bekam grünes Licht und konnte in die zweite Kammer weiterfahren. Die beiden Kreuzfahrtschiffe – denn hinter dem ersten war auch noch eine Arosa irgendwas angestellt, haben brav gewartet, bis ich sicher am Schwimmpoller hing und sind dann erst losgefahren. Und dann auch noch ein grosses Ätsch von Oben: Der Himmel reisst auf, ich liege im Sonnenschein am Poller und die Kreuzfahrtpassagiere fotografieren mich bis zum Abwinken. Ich winke auch ein bissl zurück, die Fotografierenden scheinen sich zu überpurzeln. Puppi darf mit ihrem Bettchen an Deck; sie, ganz Diva, liegt malerisch in ihrem Körbchen neben mir. Kameras in Vollbetrieb.

Schließlich fragt auch noch ein Gast in unverkennbar heimischen Idiom, ob ich die ganze Strecke wirklich mit dem Boot gefahren bin und ob ich wirklich bis zum Donaudelta fahren werde. Ich bejahe, obwohl das mit dem Donaudelta – heute ist immerhin schon der 16. Mai – nicht mehr so 100% sicher ist. Noch eine Schlechtwetterfront, noch ein Stimmungstief – und die Sache hat möglicherweise ein Ende.

Aber die letzten neun Kilometer bis Kladovo werden auf einer windbedingt ruppigen Donau zumindest bei Sonnenschein zurück gelegt. Und in Kladovo dann wieder ein umwerfend herzlicher Empfang. Milutin weist mir einen tollen Platz in der Marina zu und war erst zufrieden, als er mit mir Cevapcici essen und Bier trinken gewesen war.

Auch hat er mit mir den – letztlich wieder einmal überflüssigen – Amtsweg zur Wasserpolizei erledigt und mir seinen Wohnwagen in seinem Garten zum Schlafen angeboten. Es ist unbegreiflich, mit welcher Herzlichkeit sich hier Menschen um Fremde kümmern, Gastfreundschaft und Hilfe anbieten und nicht müde werde im Bemühen, alles für den unbekannten Ausländer zu tun.

Ich bin beschämt, aus dem sechstreichsten Land dieser Erde kommend, von Menschen, die keineswegs in Wohlstand schwelgen (um es einmal schonend zu formulieren), derart überreichlich mit Freundschaft, Unterstützung und Hilfsbereitschaft im allerweitesten Sinn konfrontiert zu werden. Bitte, da muss sich bei uns daheim dringend etwas ändern. Vielleicht kann mein Reisebericht ein winzig kleiner Denkanstoss in diese Richtung sein – das alleine wäre schon mehr als ausreichende Rechtfertigung für meinen Plan Sulina.

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15. Mai 2012

Regen, Regen und kein Ende

Auch heute in der Früh das selbe Bild wie gestern. Wolkenverhangener Himmel und steter Regen. Was tun? Wenn ich hier weiter versuche die Schlechtwetterfront auszusitzen, dann gefährde ich das Ziel Sulina zu erreichen. Immerhin habe ich eine Verabredung mit Paul in Belgrad am 7. oder 8. Juni. Pannenfreie Fahrt vorausgesetzt kann ich von hier in sieben Tagen in Sulina sein. Der Rückweg dauert vermutlich auch nicht viel länger.

Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass auf meiner Expedition immer wieder Pannen und Unvorhergesehenes auftreten. Also lasse ich – unabhängig davon, ob ich heute noch aus Donji Milanovac wegkomme – die Zukunft gelassen auf mich zukommen. Denn welche Faktoren kann ich denn beeinflussen? Beim Wetter stehen meine Chancen eher schlecht, obwohl ich schön langsam vermute, dass mein Vermieter jeden Abend einen geheimen Regenzauber veranstaltet.

Die einzige Wahlfreiheit habe ich bei der Entscheidung, ob ich dableibe oder weiterfahre. Bleibe ich hier, so sind die wesentlichsten Ausrüstungsgegenstände (Kleidung, Vorräte, Zelt, elektronische Spielsachen etc.) im Trockenen gelagert. Ein weiteres Argument für’s Hierbleiben liefert Puppi. Die Vorstellung, einen vom Dauerregen durchnässten Hund dem Fahrtwind von doch 20 – 30 km/h auszusetzen, verursacht mir nicht nur Bedenken hinsichtlich ihres Vergnügens, ich sehe da auch die Gefahr einer Verkühlung.

Ein weiteres Argument für Zuwarten liefert die Donau selbst. Durch den nunmehr schon drei Tage anhaltenden stärkeren Regen wird der Pegelstand ansteigen. Das konnte ich heute in der Früh schon beobachten. Gleichzeitig wird aber auch die Zahl der Hindernisse (Baumstämme und Treibgut) zunehmen, weil alles von den jetzt überfluteten Ufern mitgenommen wird. Daher ist ein Fahren mit Verdeck ausgeschlossen, da die Sicht nicht zu 100% gegeben ist. Also volle Dusche von oben für Besatzung und Ladung.

Zusammengefasst scheinen die Gründe für ein Bleiben zu überwiegen, obwohl es hier auch nicht so überragend ist. Den ganzen Tag mit Puppi auf der Couch zu kuscheln führt ja doch zu übermäßigem Fellverschleiss. Auch mein Vermieter ist nicht einer der sympathischsten Zeitgenossen. Gestern hat er mich beim Wechselgeld um 100 Dinar beschissen, wieso aus den vereinbarten 20 Euro pro Tag auf einmal 24 Euro geworden sind, kann oder will er mir auch nicht erklären… Fazit: Wer nach Donji Milanovac kommt und Quartier sucht, sollte sich “Sobe Luxapartment Markovic” sehr gut überlegen. Um es auf den Punkt zu bringen, ich würde definitiv davon abraten, denn in Donji Milanovac selbst gibt es eine Auswahl an Hotels, die um wenig mehr durchaus gehobenen Standard bieten. Vor allem ein ordentliches Frühstück. Hier hingegen – nichts und keine Einkaufsgelegenheit in Reichweite. Aber Fakt ist auch, ich sitze hier nunmal fest – und es gibt Ärgeres.

Wenn sich bis Mittag keine Wetterbesserung ergibt, werde ich also noch eine Nacht hierbleiben.

Am Vormittag bin ich zu Fuß mit Puppi im Schlepptau die 4 Kilometer von der Villa Markovic nach Donji Milanovac im Regen gegangen. Das half gegen Lagerkoller, darüber hinaus konnte ich im Supermarkt Brot, echte Milch, Kaffeepulver, Zucker und Leberstreichwurst kaufen. Das wird meinen Speiseplan gewaltig aufbessern, zumal ich bei zwei Nussschnecken nicht widerstehen konnte. Neben dem Supermarkt war gleich die Tourismusinformation, da habe ich mir ein Taxi bestellt, welches mich und Puppi samt den Einkäufen wieder zurück bringen sollte. 200 Dinar hat der Spaß gekostet – aber ich habe auch über den Preis vorsichtshalber gleich vom Tourismusbüro verhandeln lassen. Dort spricht man übrigens perfektes Englisch, so dass die Kommunikation reibungslos klappt.

Am Nachmittag hat sich der Regen dann verzogen, der Himmel ist nur mehr noch hellgrau bedeckt. Auch ist es spürbar wärmer geworden. Daher habe ich mich ins Ölzeug geworfen und Nasuli einen Besuch abgestattet. Wie zu erwarten gewesen war, stand das Regenwasser fast 10 cm im Boot. Also in Verdrängerfahrt bei Vollgas so lange fahren, bis das Wasser durch die Lenzöffnung ausgeflossen ist. Diese Übung hat eine halbe Stunde gedauert, und wenn es heute in der Nacht nicht regnet, dann ist eine rasche Abreise morgen sehr wahrscheinlich.

Zwischenbilanz über die ersten 974 Kilometer

Fast 1000 Kilometer am Wasser, 16 Tage gebraucht, davon 7 Tage mit Warten verbracht. 9 effektive Tage mit Bootfahren verbracht, also einen Tagesschnitt von knappen 110 Kilometern erreicht (wenn gefahren wurde, sonst 61 km pro Tag, wenn die Stehtage mit berücksichtigt werden).

1.Tag: km 1964 – 1889 75 km  (Tulln – Petronell)
2.Tag: km 1889 – 1856 33 km (Petronell – Cunovo)
3.Tag: km 1856 – 1719 137 km (Cunovo – Esztergom)
4.Tag: km 1719 – 1670 49 km (Esztergom – Surany)
5.Tag: km 1670 – 1510 160 km (Surany – Gerjen)
6.Tag: km 1510 – 1402 108 km (Gerjen – Apatin)
7.Tag: km 1402 – 1164 238 km (Apatin – Belgrad)
8.-11.Tag Stillstand in Belgrad
12.Tag: km 1164 – 1118 46 km (Belgrad – Smederevo)
13.Tag: km 1118 – 990 128 km (Smederevo – Donji Milanovac)
14.-16.Tag Stillstand in Donji Milanovac

Was hat sich bewährt:
Boot, Motor, Verdeck zum Schlafen, Bordelektrik, Elektronik (Handy und Netbook und GPS-Navigation/Tracking), Kamera, Video, Information Donaubuch, Bootskisten, Treibstoffkalkulation und -reserven, Bekleidung, Wasservorräte, Nahrungsvorräte, Zeltausrüstung, Kommunikation (Serbisches Internet und Telefon, VIP bzw. mts) Meine serbische Mobilnummer ist übrigens +381 64 3116 172

Was sollte verändert werden:
Wasserdichte Verpackung von nässeempfindlichen Gütern (Zwieback, Klopapier, Taschentücher). Eine kleine Lenzpumpe wäre auch nicht schlecht. Gewicht sparen (Hundefutter kann man auch unterwegs kaufen, Wasservorräte mit 12 Liter sind auch üppig), Inhalt der Reisetasche, die an Deck transportiert wird, in die Kisten verfrachten. Nach Erfahrungswerten tanken – nicht auf Verdacht zu 100% aufbunkern. Auf die Dauer hilft nur Power: Wenn mit 2. Person gefahren wird, wären 30 PS am Spiegel eine feine Sache.

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14. Mai 2012

Immer noch Regen und kalt

Heute in der Früh war es sehr kalt und der Regen hat den ganzen Tag nicht nachgelassen. Also das Zimmer um einen weiteren Tag verlängert. Als dann die Kälte auch noch ins Zimmer eingedrungen ist, habe ich in meiner Verzweiflung die Klimaanlage angeworfen. Normalerweise kühlt das Ding ja, darum habe ich mich auch nicht getraut sie einzuschalten. Noch kälter – nein danke!!!

Aber dann habe ich mich erinnert, dass Andreas ja auch ein ähnliches Gerät hat und er es sehr wohl auch zum Heizen benutzen kann. Also frohen Mutes mit der Fernbedienung gespielt – und siehe da, irgendwann hatte ich die richtige Kombination der Einstellungen erwischt, und gerade mal lauwarme Luft kam aus den Düsen. Besser als gar nichts, denn die Wäsche wird am Balkon absolut nicht trocken. Gestern war ja Waschtag und die Leiberl und Sporthosen waren trotz 12 Stunden Wäscheleine am Balkon immer noch pitschnass.

Da ich in einem Himmelbett nächtige, konnte ich die Aufhängung des Himmels als Trockengestell zweckentfremden. Hoffentlich sind die Sachen bis morgen trocken. Jetzt, wo die Klimaanlage eine Stunde pustet, ist es im Zimmer bereits erträglich – zuvor hat es drinnen sicher nicht mehr als 17 Grad gehabt. Und ich bin doch so kälteempfindlich!!! Auch erfüllt mich mit einer gewissen Sorge, dass am Klimagerät ab und zu statt der eingestellten Temperatur die Kombination E3 aufscheint – das sieht verdächtig nach einer Fehlermeldung aus. Hoffentlich hält das Ding bis zu meiner Abreise durch.

Heute in der Früh hat sich Bugi wieder gemeldet (Ein ganz großes HVALA für seine freundschaftliche Fürsorge) und mir mitgeteilt, dass das Wetter am Dienstag beginnen soll, besser zu werden. Jetzt, am Abend, regnet es immer noch Schusterbuben; auch Puppi zieht die Nase kraus. Aber wollen wir das Beste hoffen.

 

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13.Mai 2012

Zwei Wochen unterwegs

Nach einer guten Nacht im Fluss wache ich gegen 5:30 auf. Kein Sonnenschein, statt dessen bläst es ordentlich von Nord, der Himmel ist bedeckt und es hat sicher nicht mehr als 12 Grad. Schöne Aussichten. Dazu ein paar Spritzer Regen und ein Blick durch den Feldstecher zeigt beeindruckend hohe Wellen in der Donau.

Zunächst muss man (Puppi sei hier stellvertretend genannt) zum Ufer… Ein paar Fischer beobachten uns mit sichtlichem Interesse. Weniger “dabei” sondern viel mehr unsere Versuche trockenen Fußes das Festland zu gewinnen. Dennoch das Wichtigste für einen gelungenen Morgen: Gaskocher anwerfen, eine halbe Flasche Mineralwasser zum Kochen bringen, zwei Esslöffel Instantkaffee und sechs Esslöffel gezuckerte Kondensmilch aus der Tube einrühren und fertig ist der Traum vom Frühstück. Zwei Handvoll Trockenfutter erzielen bei Puppi das selbe Ergebnis. Danach Abbau vom Verdeck und Klarschiff.

Ein Anruf bei Bugi in Belgrad bestätigt meinen Verdacht: Das Wetter wird für heute ein Weiterfahren unmöglich machen, der Nordwind und die hohen Wellen sind etwas zu riskant. Bugi versichert, dass der Spuk in zwei Tagen vorbei sein wird. Schon gestern konnte ich direkt gegenüber meiner Anlegestelle das Schild “sobe” entdecken, was soviel heißt, hier vermietet jemand Zimmer.

Nicht nur mir ist kalt, auch Puppi scheint trotz Pelzmantel zu frieren. Auch lässt mein Zustand – unter dem Gesichtspunkt allgemeiner hygienischer Standards – bereits ziemlich zu wünschen übrig. Letzte Rasur samt Dusche in Apatin, die Marina Galija in Belgrad (so schön es dort auch gewesen war) hat diesbezüglich nichts hergegeben. Mein T-Shirt und die Sporthose könnten auch eine Dusche gebrauchen. Also gab es lauter gute Argumente, das Zimmerangebot anzunehmen. 2400 Dinar (in Serbien wird der Dinar der Einfachheit halber 1 zu 100 zum Euro gerechnet) für die Nacht scheinen mehr als günstig.

Heute ist also ein bootsfreier Ruhetag. Nasuli liegt gut vertäut an einem Steg in Sichtweite, nach einiger Schlepperei habe ich die wesentlichsten Dinge (Wäschetasche, Bootspapiere und Dokumente, Telefon, Computerzeugs sowie die Fotoausrüstung) ins Zimmer gebracht. Zimmer ist deutlich untertrieben, es ist in Wirklichkeit ein voll eingerichtetes Appartment mit Küche, Bad, Schlafzimmer und Balkon. Puppi liegt nun sehr zufrieden neben mir in ihrem Körbchen auf der Couch und ich realisiere zum ersten Mal, dass ich knappe 1000 Kilometer von daheim weg bin.

Es gibt aber doch einiges zu tun: Zunächst – das Wichtigste zuerst – eine gründliche, heiße Dusche samt Rasur. Das hat gutgetan. Dann noch einen Kaffee, dazu wäre was zu Knabbern fein. Also runter zum Boot um den Schiffzwieback zu holen. Doch leider hat die untere Schicht in der Packung eine verdächtige Elastizität entwickelt. Das waren die Nachwirkungen vom Wassereinbruch von vor einer Woche. Die obere Schicht war knusprig-trocken, die untere Schicht Zwieback allerdings lappig mit saurem Abgang. Auch Puppi hat das verschmäht. Daher ab ins Klo damit. Wieder was gelernt: Zwieback trocken halten!

Dann zwei Verschlusskappen Waschmittelkonzentrat in den Kübel und die Wäsche bekommt auch ihre verdiente Reinigung. So wie die beinand ist, werde ich wohl einen zweiten Waschgang über Nacht einlegen.

Ein internetgestützter Blick auf den Kontostand der Kreditkarte zeigt, dass ich bis heute etwa 800 Euro verbraucht habe. Das geht so gerade. Die Reparatur von Nasuli hat halt doch 250 Euro gekostet.

 

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12. Mai 2012

Das “Original” ist wieder da

In der Früh ging es zum Hafenkapitän, und wirklich, ich bekam das Original wieder zurück. Es scheint sich dabei wirklich um ein wichtiges Papier zu handeln, mehr kann ich wegen des ausschließlich in kyrillisch beschriebenen Papiers nicht sagen. Bei schönem, heißen Wetter ging es weiter donauabwärts. Vorbei an der Festung Ram in zügigem Tempo nach Veliko Gradište. Dort wollte ich die Zollformalitäten erledigen, wie es mir der Hafenkapitän in Bezdan bei der Einreise aufgetragen hat. Verwunderte Gesichter im Büro des Hafenkapitän in Veliko Gradište; wenn ich weiter auf der serbischen Seite durchs Eiserne Tor wollte, dann möge ich doch den Zoll erst in Prahovo erledigen. Na gut, ich lasse mir ja was sagen…

Ein Schubverband mit zwei mal drei Leichtern – da hält man besser einen Respektabstand.Ruine in Ram. Fotostop, Austreten für Herr und Hund, Flüssigkeit nachfüllen.Am späteren Nachmittag Ankunft in Golubac. 60 Liter Sprit gebunkert. Nasuli ist voll beladen und geht zäh.Vorbei an der neolithischen Siedlung Lepenski Vir, die vom Boot aus nicht erreichbar scheint. Aber vielleicht habe ich da was übersehen.Endlich werden die Kilometerangaben dreistellig. Kilometer 1000 in guter Stimmung passiert.Ankunft in Donji Milanovac. Vorher noch schnell auf der rumänischen Seite die Ruine Tri-Cule fotografiert. Schönes Abendlicht aber das verschwindet schnell und es wird diesig.Den Gang zum Hafenkapitän erspare ich mir. Mit den Schlafplätzen am Ufer sieht es schlecht aus, der Anlegeponton in Donji Milanovac ist für mich nicht zugänglich, daher beschließe ich, den Ankerplatz im Fluss Porecka auszuprobieren. Dort lande ich mit gemischten Gefühlen am Ufer an, weil Puppi dringende Geschäfte zu erledigen hat. Allerdings will ich nicht am Ufer bleiben, da es sich wohl um eine Müllhalde handelt. Zelten ist wohl keine Option. Also wird mitten im Fluss geankert und das Verdeck ausgepackt und aufgebaut. Alles ein bisserl kompliziert und eng, aber schließlich habe ich alles gut für die Nacht hergerichtet. Flussströmung nach Norden, Wind kommt hingegen von Norden. Alles dreht sich, alles bewegt sich.

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8. bis 11. Mai 2012

Gestrandet – gerettet

Die Tage von Montag bis Freitag sind wie im Flug vergangen. Tägliches Warten auf Neuigkeiten von Nasuli. “Guten Morgen”, “Guten Tag”, “Guten Abend”, “Gute Nacht”, “Bitte” und “Danke” gehen mir schon ganz gut verständlich von den Lippen. Ach ja, bis drei kann ich auch schon zählen. Eine lehrreiche Erfahrung, wie es anderen mit “nix deitsch” geht…

Nenad alias “Mister Honda” macht Unmögliches möglich. Offenbar gab es Probleme mit dem Kleber, weil der PVC-Kleber nicht halten wollte. Schließlich wurde sogar ein Hypalon-Kleber aus Novi Sad (ca. 100 km entfernt) über Nacht besorgt. Der hat dann gehalten.

Puppi macht das einzig Richtige und trägt die Situation mit Fassung und ist entspannt.

Bugi spricht gutes Englisch und lotst mich durch den Dschungel halb- oder nicht verstandener Informationen. Die eindruckvollste Begegnung aber hatte ich mit Kapitan Tadja: Ohne Wenn und Aber hat er mich auf seinem Boot fünf Nächte schlafen lassen. Seine Erfahrung auf der Donau – er hat als Frachtschiffkapitän praktisch alle Binnengewässer Europas befahren – sind riesig. Schade, dass ich nur einen verschwindenden Bruchteil verstehe, obwohl alle rührend bemüht sind, mich an ihren Gesprächen teilhaben zu lassen. Meine Donauexpidition wird mit einer Mischung aus gutmütigem Spott (wegen des winzigen Bootes vor allem) und ehrlichem Respekt kommentiert.

Mein Plan, so etwas als Rehab-Programm für exklusionsgefährdete Jugendliche durchzuführen wird mit Interesse gehört und grosso modo mit begeisterter Zustimmung aufgenommen. Mal sehen, was sich daraus machen lässt.

Gestern (Freitag, 11.5.) war es dann soweit: Nasuli wird gebracht, und das Einräumen kann beginnen. Eine Veranstaltung, die den ganzen restlichen Vormittag in Anspruch nimmt. Mein Abschied wird richtiggehend gefeiert. Alle sind froh, dass mein Missgeschick ein gutes Ende gefunden hat. Zuletzt gibt es noch einen Riesentopf gebratener Kotletts mit Salat, Jungzwiebel und Weißbrot. Bier und Rakja dürfen natürlich nicht fehlen.

Solcherart gestärkt kann ich um 4 am Nachmittag aufbrechen und die rund 50 Kilometer bis Smederevo angehen. Traumhaftes Wetter, ca. 30 Grad… In Smederevo wollte ich mich bei der Polizei für die Nacht anmelden – aber dafür ist die Strompolizei zuständig. Also nach einem Innenstadtausflug wieder zurück zum Wasser. Strompolizei gefunden, trotz Amtssprache Deutsch auf der Donau radebrechendes Serbisch. Dort musste ich das kostbare “Original” abgeben. Dieses mehrseitige Dokument bekam ich bei der Einreise in Bezdan – es soll so ziemlich das wichtigste Papier sein, das man als Donaureisender haben kann. Mal sehen, ob ich das Ding heute wieder zurück bekomme.

Anlegen an einem verträumten Seitenarm, es ist gerade Sonnenuntergang. Zuvor noch die Burgruine von Smederevo in absolut unbeschreiblich schönem Licht gefilmt. Beim Zeltaufstellen werde ich von Myriaden von Gelsen überfallen. Super – wo ist das Autan? Hektisches Kramen im Boot. Endlich Autan gefunden… Die Gelsen sind beeindruckt und lassen mich in Ruhe. Ruhige Nacht mit betörenden Tierstimmen. Im Morgengrauen fahren Fischer durch den Seitenarm und beäugen mein Lager mit Interesse. Instantkaffee mit nahrhafter, gezuckerter Kondensmilch aus der Tube – ein gelungener Morgen. Puppi knuspert Trockenfutter, derweil ich das Boot einräume – auch sie scheint den Morgen zu genießen.

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7. Mai 2012

Das Glück im Unglück

Heute in der Früh zeigte sich, dass die nassen Füsse von gestern nichts mit Trunkenheit zu tun hatten – jetzt waren sie noch nasser und im Boot stand das Wasser 20 cm hoch. Ratlosigkeit und Entsetzen machten sich breit. Und da hat sich gezeigt, was Freundschaft und Hilfsbereitschaft in Serbien bedeutet: Sofort wurde ein Trailer organisiert und das Boot aus dem Wasser gezogen. Aus einem 35 cm langen Riss am Kiel schoss Wasser heraus. Im Nu halfen mir meine neuen Freunde aus der Marina das Boot auszuräumen und sofort war der Plan gemacht: Ein paar Telefonate später war klar, dass Nasuli in der offiziellen Honda-Werkstatt repariert würde. Gesagt – getan, ohne dass ich irgendetwas dazu tun musste, wurde Nasuli weggeführt und ich bekam das Versprechen, dass der Schaden in längstens drei Tagen behoben sein würde. Ich war sprachlos und gerührt, wie mir da geholfen wurde.

Übertroffen wurde dieses Beispiel von Hilfsbereitschaft eigentlich nur durch das Angebot vom Kapitan, in seinem Boot zu schlafen. Wie ich wiederholt schon angemerkt habe, ist Gastfreundschaft in Serbien kein leeres Wort sondern gelebte Realität. Davon haben auch schon andere Donaureisende in ihren Netznotizen zu berichten gewusst. Ich kann mich dem nur vollinhaltlich anschließen. Ich bin überzeugt, wenn ich irgendwo in Serbien auf der Donau Hilfe brauche, dann bekomme ich sie sofort und zielgerichtet. Danke.

So lästig der Riss auch ist – vermutlich habe ich mir den beim Schnellfahren über ein scharfes Hindernis geholt – ich habe nun die Gelegenheit menschliche Nähe und Unterstützung zu erfahren. Und das in einem Maß, wie es eigentlich nur in den alten Schriften und Sagen aus der Vergangenheit beschrieben worden ist. Und das ist wohl mein größtes Glück auf dieser Fahrt: Erleben zu dürfen, wie Menschen vom Fluss zu einer Schicksalsgemeinschaft verschworen einander beistehen. Ich glaube nicht, dass in der “normalen” Zivilisation so etwas zu erleben ist.

Für meine serbischen Freunde hier die automatische Übersetzung – ich hoffe, sie ist einigermaßen korrekt.

Благослов у несрећи

Данас ујутру је утврдио да мокре ноге имао никакве везе са пијанства јуче – сада су још били мокри у чамцу, а вода је била 20 цм висок. Беспомоћност и ужас су сами себе широк. И као што је показано шта је пријатељство значи и спремност да помогну у Србији одмах организовала приколицу и чамац извукао из воде. За 35 цм дугачка пукотина на кобилице воду из ватреног оружја. Ни у једном тренутку сам помогао моје нове пријатеље из марине и одмах уклоните брод био направљен од плана: Неколико телефонских позива касније, било је јасно да ће се поправити Насули на званичном Хонда продавнице. Не пре рећи него учинити – не да сам морао да уради нешто да Насули одведен и добио сам обећање да штета у више од три дана ће бити елиминисани. Био сам запањен и дирнут што сам тамо је помагао.

Премашила овај пример је стварно корисно само преспавају понуду капетана, у свом броду. Као што сам више пута истакао, није празна реч гостопримство у Србији, али жива стварност. Ово такође има и друге подунавске путници су познати да пријаве своје нето белешке. Ја само могу да се повежем пуна. Убеђен сам да ако ми је потребан негде у Србији на Дунаву помоћ, онда сам га се одмах и ефикасно. Хвала.

Прслина је тако досадно – Вероватно сте снимили током брзе вожње преко оштре баријера – Ја сада имају прилику да искусе људску блискост и подршку. А у извесној мери, јер заиста је само у древним списима и легендама су описани из прошлости. И то је вероватно моја највећа срећа на овом путовању: Искуство може бити, као људи од реке до заједничке судбине уротили помагати једни другима. Не мислим да ће се против “нормалне” цивилизације тако нешто.

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6. Mai 2012

Apatin bis Belgrad (Strom-km 1164)

Die ersten hundert Kilometer Fahrt machen mich traurig. Allerorten sieht man immer noch die Kriegsschäden, wenn man etwas genauer hinschaut. Es ist nicht an mir über Schuld oder Unschuld zu urteilen. Aber es sind immer die kleinen Leute, die die Grauen eines Krieges zu erleiden haben – egal auf welcher Seite sie stehen. Geradezu unerträglich ist mir die Clausewitz’sche These, der Krieg sei die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Zumal sich meiner Meinung immer deutlicher zeigt, dass “die Politik” sich gar nicht mehr darum zu kümmern scheint, was gut für “das Volk” ist. Abgehobene Vertreter der herrschenden Klasse  verfolgen doch nur mehr in den seltensten Fällen andere als dem eigenen Vorteil dienende Ziele. Kein Wunder, dass Politikverdrossenheit eine nicht mehr zu übersehende Tatsache geworden ist. Da vergeht mir sogar das Fotografieren der an sich schönen Landschaft.

Doch zurück aufs Wasser: Das Auftauchen der Berghänge der Fruška Gora zeigt den 1300er an. 600 Kilometer weg von zuhause.

Nach weiteren 40 Kilometer Fahrt erreiche ich gegen 16 Uhr Novi Sad. Die nach hinten verlegten Kanister Sprit und die zunehmend geleerten Tanks im Vorschiff machen einen Schnitt von knapp 30 Kilometern in der Stunde möglich. Der Verbrauch liegt trotz ständiger Vollgasfahrt bei 6 Litern in der Stunde. Daher Nachtanken in Novi Sad. Das ist heute der zweite Tankstopp, nachdem ich schon einmal bei Kilometer 1370 20 Liter Sprit aus dem Kanister in den Tank gefüllt habe. Der slowakische Rüttel-Umfüllschlauch ist genial, kein Tropfen geht daneben.

Ankunft in Belgrad gegen sieben Uhr am Abend. Vorbei am Kalemagdan – eindrucksvoll. Lebhaftes Treiben am Ufer. Festmachen um halb acht in der Marina Galija am östlichen Stadtrand. Dort lerne ich umwerfend nette Menschen kennen. Wir feiern und trinken bis weit nach 23 Uhr. Die Stimmung ist einzigartig, wir unterhalten uns über Gott und die Welt, ich zeige Bilder von meiner Familie und erzähle von meinem Beruf.
Die Unterhaltung ist in Englisch und wird quasi simultan ins Serbische übersetzt. Obwohl mein Wortschatz in der Landessprache, vorsichtig ausgedrückt, zwischen mangelhaft bis nicht vorhanden ist, klappt der Austausch von Geschichten, Ideen und Wünschen hervorragend.Selten bin ich in einem fremden Land so freundlich aufgenommen worden, ich habe mich wirklich willkommen gefühlt. So ein respektvoller Umgang mit Fremden ist beispielgebend – da können sich einige Herrschaften in Österreich dicke Scheiben davon abschneiden…Ich darf den “Kapitan”, einen erfahrenen Donaukapitän im Ruhestand kennenlernen. Über alle Sprachbarrieren hinweg erfahre ich ehrliches Interesse und Aufgeschlossenheit. Die Einblicke, die mir die Menschen hier in ihre Serbische Lebensart schenken, sind unendlich aufschlussreich. Menschen am Wasser haben andere Prioritäten. Ich fühle mich aufgenommen und anerkannt.Eigentlich fehlen die Worte um diesen unvergesslichen Abend zu beschreiben.

Puppi nüchtern, Herrl weniger…

Als ich mich ins Boot schlafen legte, bekam ich nasse Füße, aber ich habe an noch nichts Übles gedacht…

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5. Mai 2012

km 1510 bis km 1402 Apatin

Am Morgen zeigt sich, dass die Waschung von Hose und Leiberl eine sichtbare Verbesserung gebracht hat. Im Fahrtwind trocknen die Sachen zum Zusehen. Erstes Ziel ist Baja. Dort wird die Wassertankstelle von Andreas Szántó angesteuert. Insgesamt 56 Liter Sprit gebunkert. Zum Bootsklub Hajoker weitergetuckert, da diese Marina praktisch im Zentrum von Baja liegt. Dort ergänzte ich einige Vorräte. Die Marina ist wirklich nett gelegen, die Bewachung lückenlos aber nicht ganz billig – 2000 Forint für eine halbe Stunde Liegedauer. Möglicherweise hätte ich zu diesem Tarif auch länger bleiben können, aber mir war nicht nach Fragen und Verhandeln weil ich weiter wollte.

Nach 30 Kilometer Fahrt erreiche ich die Grenze bei Mohács. Dort wurde um EU-Gelder eine pompöse Grenzstation errichtet. Die EU-Millionen haben aber nicht für einen kleinen Anlegesteg für kleine Boote gereicht – die EU denkt wohl in größeren Dimensionen. Also hin zu einem mannshohen Ponton direkt vor der Grenzstation, da das Ufer unlandbar verbaut ist. Kaum habe ich Puppi auf die Plattform gehievt und mich selbst auch in die Höhe gebracht, nähert sich trötend ein mittelgroßer Kahn mit Heimathafen Budapest. Die Besatzung bedeutet mir eher unfreundlich, ich hätte mich zu entfernen. Vor und hinter mir waren aber zwei weitere freie Pontons – etwas höher und für den Kahn durchaus auch geeignet. Nachdem Verhandeln mit der Crew nicht möglich war, beschloss ich dem Motto “Der Klügere gibt nach” zu folgen und abzulegen.

Über Funk versuchte ich (korrekt wie im Funkkurs gelernt) Mohács Zoll auf Kanal 16 anzurufen. Keine Reaktion. Es reicht, ich spiele mit dem Gedanken, das Ausklarieren aus der lieben EU bleiben zu lassen. Dann erscheint ein Zöllner auf dem höchsten Ponton und winkt mich heran. Also nichts mit illegaler Ausreise. Mit vereinten Kräften hieven wir Puppi hoch und ich selbst lege eine eher unwürdige Klettertour hin. Das Ablegen wird sicher eine spannende Aktion werden.

Das Ausklarieren war, wie von anderen Donaureisenden beschrieben, eine bürokratische Tour de force. Korrekt bis ins Kleinste, keine Eventualität wird ausgelassen. Ebenso wie die Zahl der unerwarteten Todesfälle an Bord – gibt es eigentlich erwartete Todesfälle an Bord? – wird auch die Zahl der Haustiere an Bord erhoben. Puppi zählt als Haustier Nummer eins und wird aufgrund des Haustierstatus keiner weiteren amtsärztlichen Betrachtung unterzogen. Da ich selbst relativ seuchenfrei bin, bekomme ich auch diesen Stempel in den Laufzettel. Nach eineinehalb Stunden ist dieser Hürdenlauf auch vorbei.

Detail am Rande: Die Besatzung des unfreundlichen Potts aus Budapest war auch hier beim Einklarieren, die unfreundliche Partie wollte einfach nicht am weiter entfernten Ponton anlegen. Denen wünsche ich von Herzen die sprichwörtliche Handbreit Wasser – allerdings nicht unterm Kiel sondern im Tank!

Einklarieren in Serbien dagegen war wirklich herzig. Ein würdiger Hafenkapitän musste von einem freundlichen Grenzpolizisten erst aus der wohlverdienten Siesta gerufen werden, dann aber kamen die Dinge wirklich in Schwung. Nach Ablegen von 60 Euro Taxe wurden Dutzende Papiere ausgefüllt und unterschrieben. Mein Schiffstempel kommt bis zur Rotglut zum Einsatz. Meine Antwort auf die Frage nach dem Fahrziel führt zu anerkennend hochgezogenen Augenbrauen des Kapitan.

Jetzt ist es nicht mehr weit nach Apatin.Die Marina ist nagelneu im hinteren Teil des Industriehafens. Auch hier ist ein Update im Donaubuch angesagt.Der Empfang ist herzlich; mit vielen Entschuldigungen, weil dies und das noch nicht ganz perfekt ist. Dafür darf ich gratis übernachten. Ich schlafe zum ersten Mal im Boot. Sehr bequem und erholsam. Davor allerdings ein Gang ins Restaurant “Goldene Krone” nahe der Serbisch-Orthodoxen Kirche. Einen traumhaften Fisch um einen Spottpreis verzehrt. Skype-Kontakt nach Hause übers freie W-LAN. Tolles Service. Zum krönenden Abschluss eine heiße Dusche.

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4. Mai 2012

150 Tageskilometer

Einigermaßen zeitig aufgestanden, dennoch erst Abfahrt um 10:40.Die Verzögerung kam deshalb,weil ich die zwei 22 Liter Kanister in die hintere Kiste übersiedelt habe – Brandgefahr hin oder her. Das hat den Schwerpunkt soweit nach hinten verlegt, dass Reisegeschwindigkeiten über Grund von annähernd 30 km/h möglich geworden sind. Allerdings “schiebt” die Donau mit rund 15 km/h an. In flottem Tempo vorbei an Visegrad.

Bei wechselndem Wetter (mal sonnig, mal trüb) durch Budapest durchgebrettert. Städte sind nicht so meins. Störend war der aufwärtige Wind, der hat die Fahrt durch Budapest unangenehm ruppig gemacht. Puppi hat das auch nicht so genossen. Daher gibt es auch keine touristischen Bilder von Budapest, obwohl das Parlament schön beleuchtet gewesen ist. Auch die Fischerbastei hat sich von ihrer schönsten Seite gezeigt. Diese Bilder sind aber so bekannt, dass sie hier nicht wirklich fehlen. Die Tante Googel schafft zweifellos Ersatz.

Am frühen Nachmittag entwickelt die Flusspolizei ein amtliches Interesse an mir und meinem Boot. Ich werde ans Boot gewunken und meine Papiere werden kontrolliert. Die Behandlung ist absolut korrekt, aber die Strompolizistin musste offenbar kürzlich eine Weiterbildung in “streng Dreinschauen” mit sehr gutem Erfolg absolviert haben. Kein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Normalerweise ist Puppi eine perfekte Eisbrecherin, ihr freundliches Wesen schafft sofort Anschluss. Nicht so in diesem Fall, weder die Polizistin noch ihr Kollege – beide beherrschen übrigens die Amtssprache Deutsch perfekt – lassen sich von der herzigen Puppi beeindrucken. Nach einer halben Stunde gründlicher, aber absolut korrekten, Überprüfung inklusive Rücksprache über Funk kann ich vom Polizeiboot ablegen und weiterfahren.

Dann ging es weiter bis zu km 1568, dort hat ein im Donaubuch nicht erwähnter Yachthafen offen. Es gibt dort Benzin und ein gutes Restaurant.Da ich erst gegen 15 Uhr dort angelandet bin, war die Karte auf Suppe und Wiener Schnitzel reduziert. Sehr gut geschmeckt, die Rechnung war noch besser: Inklusive Kaffee und Trinkgeld 2900 Forint. In Euro hätte man ca.5,80 € von mit haben wollen.Erst weit nach 17 Uhr weggefahren. Gegen 19:30 wird es dunkel und eine hektische Suche nach dem Nachtplatz beginnt. Einen traumhaft schönen Platz bei km 1510 gefunden. Zelt aufgestellt und das Leiberl, die Hose und die Socken – seit Montag in Dauergebrauch – mit Hofers Flüssigkonzentrat eingeweicht. Bin gespannt, wie die Sache morgen in der Früh aussieht. Eine Verschlusskappe auf 5 Liter Donauwasser sollten aber schon eine Verbesserung bringen. Jetzt ist es 21 Uhr und ich werde schlafen gehen.

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3. Mai 2012

Zeit haben und Zeit nehmen

Am Vormittag beschließe ich, mein Blog in Ordnung zu bringen und aus dem Rückblick von drei Tagen zu berichten. Aber erst muss ein ordentliches Frühstück her. Am besten aus einem der legendär frugalen Kaffeehäuser. Nun, ein Kaffeehaus hat sich gefunden, allerdings gabe es dort nur Kaffee und nichts zu essen. Pech, aber ein großer Brauner um 300 Forint ist auch nicht schlecht. 1,05€, wenn ich richtig gerechnet habe.

Ein Lebensmittelgeschäft nebenan verkauft mir dann die beiden Sandwiches. Lecker und um zusammen 500 Forint subjektiv geschenkt – wenn ich den Wechselkurs richtig interpretiere.

Da war das Essen schneller als das Fotografieren, aber auch der zweite Sandwich war köstlich.

Und dann ein Blick auf das Wetter im Internet und in der Realität: Übereinstimmend wird von Schauern gesprochen. Also das Verdeck auspacken und aufstellen. Das geht extrem leicht und schnell. Genau so schnell hat sich der Regenguss verzogen. Aber jetzt ist es mir zu blöd, ich werde – inzwischen ist es 14:45 Uhr geworden – die heutige Tagesetappe mit Verdeck fahren. Mal sehen, wie schnell oder langsam das geht.

Schon nach einem Kilometer stellt sich heraus, dass das Verdeck unheimlich bremst. Das Boot ist mit insgesamt 133 Liter Benzin vollgetankt und daher enstprechend schwer. Gleitfahrt ist unrealistisch, eher so ein halbes Gleiten mit mühsamen 18 km/h. Und dann noch die Bremse durch das Verdeck. Daher sofort herunter mit dem Ding, zumal das Wetter wieder traumhaft und es im Boot unerträglich schwül geworden ist.

Schon nach 46 Kilometer Fahrt neigt sich der Tag dem Ende zu, die Sonne will auch schon untergehen. Anlanden bei Kilometer 1670. Immerhin habe ich heute 46 Kilometer erledigt – wahrlich nicht viel.

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2. Mai 2012

Kilometerfresserei

Heute gilt es, verlorene Zeit aufzuholen. Aber habe ich wirklich Zeit verloren? Wie verliert man eigentlich Zeit? Lässt man sie irgendwo liegen – und was passiert, wenn sie wer findet? Am Wasser hat Zeit eine andere Qualität; ich genieße die Fahrt, lasse die Landschaft auf mich wirken und bin total relaxt.

Dennoch, Aufstehen im Morgengrauen (wie sieht es eigentlich aus, wenn der Morgen graut – graut mir vor dem Morgen, graut dem Morgen vor dem Mittag oder ist es nur wirklich grau?) und Abfahrt um 7:50.

Eine ganz ruhige Fahrt durch den Kanal, irgendwie kann ich die negativen Kommentare verstehen. Links hart verbaute Mauer, rechts hart verbaute Mauer, dazwischen 1000 Meter Wasser. Andererseits, sooo schrecklich ist das Ding auch nicht. Wind und Wetter meinen es gut mit mir und ich bin zwei Stunden später an der Schleuse. 40 Minuten Warten auf die SchleusungGanz schön groß gebautEin bisserl Gegend fotografieren und die Zeit vergeht schnellerPuppi wartet geduldig und ist super brav… und macht ein kleines Nickerchen20 Meter FallhöheFast geschafftDie Tore gehen auf zu neuen AbenteuernEin letzter Blick himmelwärts

Das nächste Ziel ist Komarno auf der slowakischen Seite. Dort soll im Yachtklub Essen und Trinken angeboten werden und auch die Möglichkeit zu Tanken soll bestehen.

Ankunft Komarno 13:25 – Niemand zuhause. Kein Speis, kein Trank, die Straßentankstelle 600 Meter entfernt. Ich erfahre, dass das Restaurant so schlecht gegangen sei und daher zugesperrt hat. Dafür gibt es flussseitig viele Restaurants mit Anlegern, die ich allerdings ignoriere, weil eigentlich bin ich nur stehengeblieben, weil ich 40 Liter Sprit kaufen wollte.

Weiter gehts im Sauseschritt, weil vorne um 40 Kilo leichter.

Bei Kilometer 1739 verfängt sich eine Leine im Propeller. Nichts geht mehr. Und weil wir gerade so lustig unterwegs waren, passiert das natürlich genau in der Strommitte. Ruder raus und gute 1000 Meter zum Ufer rudern…

Um 16:35 war das Problem nach einer halben Stunde Rudern gelöst. Puppi hatte einen ungeplanten Landgang, den sie gründlich nach Hundeart genutzt hat.

Ankunft in Estergom um 17:25.Schaut doch gut ausDer Yachtklub in Estergom wird von Attila Papp geführt. Da gibt es einen superfreundlichen Empfang, Benzin und Duschen. 40 Liter Sprit aus dem Kanister plus Übernachtung plus Ortstaxe kosten ein bisserl über 80€.Zeit, ein wenig Ordnung zu machenAufräumen ist angesagtDenn Klar Schiff schaut anders aus

Anruf zu Hause, Internet ausprobiert und die Bilder hochgeladen. Eine Dusche entfernt die Dreitagesschicht Sonnenschutz und andere üble Gerüche. Ein Gang zum Bankomat behebt das Forintproblem. Das Zelt wird auf dem Steg aufgestellt, und die Zeit vergeht. Es schaut nach einem gelungenen Abend aus. Aber: Um Mitternacht ist es reichlich frisch und plötzlich beginnt es zu regnen. Toll. Die Packkisten schnell abdecken und hoffen, dass die Elektronik nichts abbekommt.

Das Verdeck von Michaela will ich im Finstern nicht aufbauen, aber wie sich am nächsten Tag zeigen wird, gibt es keine Schäden an Kameras und Handys.

Fazit: 246 Kilometer in drei Tagen. 45 Liter Sprit verbrannt. Eimal nass geworden. Tiefbräunung und kein Sonnenbrand. Puppi brav. Keine wilden Katastrophen. Herz, was willst du mehr?

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1. Mai 2012

Abfahrt von Stromkilometer 1888,7 um 9 Uhr. Aufgestanden war ich zwar schon um 7, aber das Einräumen vom Boot braucht doch fast eineinhalb Stunden. Also Richtung Hainburg weiter, das Wetter ist traumhaft und ich bin Christine unheimlich dankbar, dass sie so lieb ist und die vergessenen Sachen mir nachbringt. Danke.

Tja, und mit der Abfahrt gab es auch noch ein Hoppala: Schon beim Starten ist mir aufgefallen, dass der Pumpball irgendwie zäh geht. Und tatsächlich verreckt die Möhre auch spötzend kaum dass ich die Fahrtrinne erreicht habe. Fließgeschwindigkeit Donau hier: fette 14 km/h. Also Anker raus und Fehler suchen. Klar, nach dem Tanken in der Früh habe ich den Kraftstoffschlauch nicht ordentlich an den Tank gesteckt. Und der Tank ist unter Unmengen von Sachen ganz unten in der Bugkiste…

Fehler behoben und weiter geht’s. Doch nicht wirklich, denn das Einholen des Ankers (20 Meter Leine und 5 Meter Kette) wird zum Kraftsport, denn ich muss das Boot gegen die Strömung ziehen. Dennoch komme ich pünktlich nach 45 Minuten in Hainburg an und steuere das Restaurant am Hauptplatz, den vereinbarten Treffpunkt mit Christine, an.Kaiserwetter in HainburgZum krönenden Abschluss gibt es Spargel. Wir beide genießen es. Endgültiger Abschied für sieben Wochen um 13:20.

Bratislava um 14 Uhr

Ein unbedingtes Muss ist ein Einkehrschwung bei Dodo – schon wegen der Gabcikovo-Information. Da gibt es weiter stromaufwärts ja die wildesten Gerüchte von meterhohen Wellen im Kanal und in der Schleuse.Hier lerne ich auch eine nette Wiener Bootsmannschaft kennen, wir tauschen Erfahrungen, Internetadressen und Geschichten aus. Die Zeit vergeht im Nu und die Krügeln Budweiser auch…Puppi macht auch neue BekanntschaftenEin Platz für die Nacht bei Kilometer 1856. Zuvor gab es noch den Versuch im weiter oben gelegenen Ankersee einen Schlafplatz zu finden, aber dort war es mir zu überlaufen und es gab auch keinen guten Liegeplatz am Ufer. Und Michaelas Verdeck wollte ich nicht aufbauen.Ein atemberaubender Sonnenuntergang – für mich jedenfalls. Fast schon kitschig, aber vielleicht bin ich selbst kitschig?Blick Richtung GabcikovokanalEine Lagunenlandschaft mit stimmstarken Amphibien

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30. April 2012

Der erste Tag

Also, irgendwie hat alles Platz gefunden, und um 12:45 verlasse ich den Heimathafen Tulln. Das Bimini ist montiert, aber schon in Muckendorf zeigt sich, dass es den Lauf der Dinge gewaltig hemmt. Stromabwärts mit knapp 23 km/h über Grund (also knapp 10 km/h relativ zum Wasser) ist eine matte Sache. Die Sonne scheint wunderbar – aber das Bimini muss definitiv runter.

Um 13:35 habe ich die Schleuse Greifenstein erreicht und mich über Funk angemeldet. Da bekam ich auch schon meinen ersten Anpfiff – Die Anmeldung muss so passieren, dass mich der Schleusenwärter auch sehen kann. Das war nicht der Fall, weil ich mich zu früh gemeldet habe… man lernt immer was dazu.

Dennoch wurde ich ohne Wartezeit durchgelassen, nur ein bergauffahrender Schwarzer hat eben ein bisserl warten müssen. ‘Tschuldigung

Um 14:10 war ich durch die Schleuse und konnte meinen ersten Stop beim Daubler unterhalb der Reichsbrücke ansteuern. Um 15:15 (etwas später als ursprünglich vereinbart) legte ich dort an und es gab einen herrlich stärkenden Spritzer. Mit Reiseinformation versorgt geht’s nach einer halben Stunde ab zur Schleuse Freudenau.

Auch bei dieser Schleuse hatte ich keine Wartezeit, so dass ich um halb fünf im Unterwasser meine Fahrt fortsetzen konnte. Das Ziel Bratislava zu erreichen war zunehmend unrealistisch geworden, zumal keine 4 Kilometer unterhalb von Freudenau Hund und Herrl zwecks Pipipause anlanden mussten.

Ein wunderschönes Platzerl, ideal zum Übernachten im Zelt, aber soooo knapp hinter Wien erschien mir doch zu beschämend für den ersten Tag. Also rein ins Boot und weiter.

Um 19:20 war dann aber bei Kilometer 1888,7 endgültig Schluss, weil die Nacht unerbittlich im Anzug war.

Puppi bekommt ein Nachtmal, ich habe keinen Hunger.

Schifffahrt macht offenbar hungrig, obwohl Puppi nicht sehr aktiv gewesen ist.Und schon ist alles aufgefressen.

Und das ist mein traumhafter Liegeplatz bei km 1888,7. Mitten im Nationalpark – pfui (weil verboten).

Natur pur…Die Gelsen halten sich auch noch sehr zurück – die wissen offenbar von meinensechs Flaschen Autan.

Eine wunderbare Nacht mit einem unbeschreiblichen Sternenhimmel lässt mich staunen. Die Geräusche aus der Natur sind – sagen wir einmal – inspirierend. Da gab es doch Wildschweine in Eckartsau, oder???

Solcherart inspiriert fällt mir siedendheiß ein, dass ich das Ladegerät für meine Videokamera in Wien vergessen habe. Auch der Zeckenschutz für Puppi weilt ungenützt im Küchenkastl…

Also war ein flehentlicher Anruf angesagt, diese Sachen mir bitte, bitte, ganz schön bitte-bitte, nach Hainburg zu bringen.

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Abreise

Zu viele Sachen…

…auf ein zu kleines Boot. Schon beim Einräumen in den an sich gar nicht kleinen Skoda Octavia Kombi zeigt sich, dass da sehr viele Dinge mitwollen. Nachdem mich mein braver Sohn nach Tulln geführt hat und der ganze Krempel vor dem Boot abgeladen war, schien es, als ob Nasuli über Nacht eine extreme Schlankheitskur gemacht und die Tanks, die Fotoausrüstung, das Gewand usw. plötzlich an extremer Fettleibigkeit zu leiden schienen.

Irgendwie wurde dann aber doch alles in die Kisten hineingestopft. Lediglich die Reisetasche mit dem Gewand bekam einen Deckplatz.

Um 12:30 War es dann soweit… > zum ersten Tag

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Verdeck 2

Nasuli mit Regenmantel

Michaela hat in Rekordzeit Wunderbares geleistet. Sie hat alle durch mich verursachten Verspätungen aufgeholt, so dass theoretisch eine Abreise am Montag statt finden könnte. Das aber wirklich Tolle ist, dass Michaela ohne Vorbild, nur nach meiner Beschreibung, genau die Konstruktion umgesetzt hat, die ich mir vorgestellt habe. Mit dem Folienverdeck haben wir gemeinsam Neuland betreten. Danke an Michaela für die Realisierung meines Traumes vom perfekten Regenschutz.

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Verdeck

Endlich in Micheldorf

Gestern ist es mir dank brauchbaren Wetters gelungen, die Bootskisten fertig zu stellen, auch der Lack ist soweit durchgetrocknet. Zeit für eine Betrachtung des Rohbaus.

Nun ist die Grundlage geschaffen, auf der Michaela das Verdeck aufbauen wird. Bei absolutem Sauwetter ging es ab nach Micheldorf in Oberösterreich. Jetzt heißt es geduldig sein. Ich bin sicher, dass Michaela Nasuli optimal einkleiden wird. Auf ihrer Webseite zeigt sie Muster ihres Könnens.

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Zeitproblem

Eins zwei drei im Sauseschritt

Eilt die Zeit, wir eilen mit

Schon länger stand der Abfahrtstermin 23. April fest. Heute, am 8. April allerdings scheint das Datum ein wenig ungewiss, da ich mit den Vorbereitungen ordentlich in Verzug bin. Geplant war, zwei Packkisten nach Maß für den Bug und das Heck zu bauen und auf dem Kistendeckel sollten Aufnahmen für ein Regenverdeck angebracht werden.

Das Regenverdeck soll zum größten Teil aus durchsichtiger Folie bestehen und von Zeltstangen als Tunnel getragen über das ganze Boot reichen. Für diese Idee konnte ich Michaela gewinnen, die mit viel Geduld und Sachkenntnis meine Idee zu einem realisierbaren Projekt geführt hat. Damit sie aber zu werken beginnen kann, ist es erforderlich, die Grundlagen zu liefern.

Und ganau da liegt mein kleines Zeitproblem. Ich bin mit den Kisten arg in Verzug. Kühles und regnerisches Wetter sorgt immer wieder für unfreiwillige Pausen. Zu schlechter letzt hat es heute sogar Graupelschauer… An Lackieren ist nicht zu denken.

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Navigation

Ab und zu kann es ganz nützlich sein…

zu wissen, wo die Fahrrinne liegt. Im November hat es am Pegel Wildungsmauer einmal 43 cm unter RNW gehabt. Das ist zwar für mein Schlauchboot noch nicht wirklich bedenklich, aber meiner Ansicht nach gehört anständige Navigation zu jeder Art von Schifffahrt.

Die Großschifffahrt zeigt mit Kartenplotter, AIS, Radar und GPS wie es geht. Aber auf einem Schlauchboot? Abgesehen vom Umstand, dass ein Radar auf meinem 4 Meter Boot eher lächerlich wirken würde, sind die Stressfaktoren für die empfindliche Elektronik viel zu groß und der vorhandene Platz viel zu klein. Dazu kämen dann noch Kosten, die ich einfach nicht aufzubringen bereit bin.

Also ein Blick ins vorhandene Inventar: Da gibt es einen Palm m515 Handheld Organizer mit ansteckbaren GPS von Magellan. Das Schöne an diesem Gerät ist der relativ große Farbbildschirm mit einer Diagonale von 9,5 cm. Die eingebauten Akkus halten 10 Stunden Dauerbetrieb ohne Probleme durch. An Software habe ich Fugawi für den Palm und für Windows. Damit sollte sich schon etwas machen lassen.

Welches Kartenmaterial?

Der absolute Hit sind die elektronischen Karten, die für die Donau im Internet kostenlos heruntergeladen werden können.

Da hat man alle relevanten Informationen für die Navigation. Ein weiterer Vorteil der gewählten Kombination aus Hard- und Software ist die Möglichkeit die gefahrene Strecke mitzuloggen.

Der K(r)ampf mit Fugawi

Der Plan schien simpel: ENC Karten auf den Laptop, in Fugawi für den Palm herrichten (Ausschnitt, Maßstab, Anzahl der Details…) und dann auf den Palm rüberspielen. Doch so einfach, wie ich mir das vorgestellt habe, war es nicht. Vom Fugawi hatte ich nämlich nur die Version für Landkarten, das ENC Feature lässt sich Fugawi extra bezahlen. Darüber hinaus war meine Version 3 hoffnungslos veraltet, Support gibts dafür schon seit Jahren nicht mehr.

Nächster Anlauf: Aktuelle Version von Fugawi Marine kaufen. Das gleich online erledigt und ca. 100 € von der Kreditkarte ab. Nur… das Ding (Fugawi Marine Version 4.5) konnte zwar die ENC Karten lesen, aber die Unterstützung für meinen Handheld war nicht mehr implementiert. Sch… öne Bescherung.

Aber das neue Fugawi konnte die ENC Karten für Pathaway exportieren. Und Pathaway gibt es noch in einer halbwegs aktuellen Version für den m515. Zum Glück ist Pathaway 1.) relativ preiswert und 2.) gibt es eine Demoversion. Das hat mich vor weiteren Kosten bewahrt, denn Pathaway kommt bei mehr als 8 Karten arg ins Schleudern und schmiert ab. Von Tulln bis Sulina brauche ich aber 200+ Kartenausschnitte. Also wieder nichts.

Um das Maß an Misslichkeiten voll zu machen, musste ich erkennen, dass auch die neueste Version vom Fugawi Details der Karten unterschlägt. Aufgefallen ist mir das bei der Kilometrierung, die war einfach weg. Also ist der direkte Export von ENC Karten über Fugawi auf den Palm ein klassisches no-go.

Blieb mir also nur der Umweg, die elektronischen Karten als Bitmap zu speichern (Fugawi kann das nicht, dafür aber das kostenlose SeeMyENC), die Bilddateien dann wieder im Fugawi zu georeferenzieren und zum Schluss dann an den Palm zu schicken. Und genau das kann meine Uraltversion 3 von Fugawi auch perfekt.

Das ist Arbeit

In einem ersten Arbeitsschritt wird die ENC in SeeMyENC geladen, dann der richtige Maßstab (1:5000) gewählt zuletzt der Kartenausschnitt Flusskilometer für Flusskilometer als PNG-Grafik exportiert. Etwa 1½ Kilometer Donau passen auf eine Grafik. Macht bis Sulina rund 1400 Bilder.

Der nächste Arbeitsschritt besteht darin, die Einzelbilder zusammen zu fassen. Hier muss ein Kompromiss getroffen werden zwischen Dateigröße und der Zahl der Kartenausschnitte. Je größer die Kartenausschnitte, desto weniger Arbeit habe ich mit der Georeferenzierung, da diese drei möglichst präzise Koordinaten benötigt, um der fertigen Karte zu sagen, wo oben und unten ist. Es hat sich am praktikabelsten gezeigt, wenn ein Kartenausschnitt etwa 10 Donaukilometer umfasst. Da ist die Dateigröße von 1 – 2 MB gerade noch handhabbar für den Palm und die Feinarbeit mit der Georeferenzierung beschränkt sich auf 200 Kartenausschnitte. Kleinere Kartenausschnitte haben auch den Vorteil der größeren Genauigkeit, weil die Fehler durch die Kartenprojektion nicht durchschlagen.

Mit heutigem Tag habe ich bereits die gesamte österreichische und slowakische Donau auf den Palm gebracht. (Bei der frickeligen Arbeit die Kartenstücke aneinanderzuheften, mit den Koordinaten zu versehen und dann auf den Palm zu kopieren. gewinnt die Redensart “Jemanden auf die Palme bringen” einen bisher nicht geahnten Doppelsinn). Aber bis zum April ist ja noch ein wenig Zeit.

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Zeit = Weg / Geschwindigkeit

Sprit- und Zeitbedarf …

… ergeben sich aus den veränderlichen Größen, die da sind: Zuladung, Motordrehzahl und Fließgeschwindigkeit. Die Tabelle ist so zu lesen: In der Spalte Verbrauch ist der Spritbedarf für 10 Stunden Fahrzeit angegeben. In den Spalten unter den Fließgeschwindigkeiten habe ich die theoretische Strecke bei 10 Stunden Fahrt eingetragen, jeweils für unterschiedliche Strömungsverhältnisse.

Zuladung 320 kg
Bergfahrt
Drehzahl Verbrauch Fließg. 10km Fließg. 7 km Fließg. 3 km

5800

54,4

215

245

285

5300

40,0

156

186

226

4800

28,6

104

134

174

Talfahrt
Drehzahl Verbrauch Fließg. 10km Fließg. 7 km Fließg. 3 km

5800

54,4

415

385

345

5300

40,0

356

326

286

4800

28,6

304

274

234

Zuladung 160 kg
Bergfahrt
Drehzahl Verbrauch Fließg. 10km Fließg. 7 km Fließg. 3 km

5800

69,4

302

332

372

5300

55,1

252

282

322

4800

44,2

215

245

285

4300

35,9

146

176

216

Talfahrt
Drehzahl Verbrauch Fließg. 10km Fließg. 7 km Fließg. 3 km

5800

69,4

502

472

432

5300

55,1

452

422

382

4800

44,2

415

385

345

4300

35,9

346

316

276

Da zeigt sich, dass bei der Talfahrt mit moderater Drehzahl (4300 – 4800) die größte Reichweite erzielt werden kann. Allerdings steigt dann der Zeitbedarf auf annähernd das Doppelte.

Gänzlich anders verhält es sich bei der Bergfahrt. Vollgasfahrt bringt das beste Verhältnis aus Spritverbrauch und Geschwindigkeit. Dieser Effekt ist umso deutlicher, je schneller die Donau fließt. Daher wird die Strategie folgendermaßen sein: Bergab gerade so viel Gas, dass das Boot ins Gleiten kommt. Bergauf Gas bis zum Anschlag.

Für die Zeitplanung bedeutet dies, dass nur bei der Talfahrt Zeit gewonnen werden kann (auf Kosten des Spritverbrauches), die Bergfahrt erfordert im ungünstigsten Fall 100 Stunden.

100 Liter Sprit an Bord geben ausreichend Reserve für Strecken ohne Tankmöglichkeit.

 

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Ein Traum mit Hindernissen

Reality Check 1

Die, ganz bestimmt noch nicht vollständige, Packliste zeigt mir, dass es wohl ein bisserl eng am Boot werden wird. Aber da der Plan nach Sulina zu schippern ohnehin unter dem Motto “small is beautiful” steht, muss ich es auf einen Versuch ankommen lassen. Gleich zu Saisonbeginn 2012 werde ich alles aufs Boot packen und sehen, ob ich auch noch Platz finden werde.

Aber, und das ist ein ganz großes Aber, ich habe in meinen Träumen Puppi ganz vergessen. Christine hat als Sonderschullehrerin auch Nachmittagsunterricht. Das bedeutet, dass unser Hund Puppi an manchen Tagen zu lange allein zu Hause wäre. Denn bis jetzt konnte ich meine Nachtdienste so einteilen, dass ich an den Tagen mit Nachmittagsunterricht entweder tagsüber zuhause bin, oder ich konnte sie mit in meine Arbeit nehmen. Wenn ich aber mehrere Wochen auf der Donau bin, gibt es ein Versorgungsproblem mit Puppi.

Puppi kommt mit

Zum Glück hat sich schon beim Sommerurlaub in der Wachau gezeigt, dass Puppi absolut bootstauglich ist. Auch eine Schwimmweste hat sie schon. Da sie gechipt ist und einen internationalen Impfpass hat, wird die Einreise wohl kein Problem sein. Allerdings muss ich mich diesbezüglich noch schlau machen, welche Bestimmungen da im einzelnen gelten.

Ja, und die Packliste wächst um die Items Hundedosen und Trockenfutter… Und wieder sind es eine Reisetasche und 30 Kilo mehr Zuladung.

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Die Konturen werden immer schärfer…

Mehr – und noch mehr

Wie viel Sprit muss mit? Nach den mir vorliegenden Reiseberichten und dem Donauführer aus dem Klasingverlag ist die längste tankstellenfreie Strecke zwischen Turnu Severin und Vidin. Da gilt es Sprit für 140 Kilometer zu bunkern. Vollbeladen und bergwärts rechne ich mit einem Verbrauch von 40 Liter auf 100 Kilometer. Sicher ist sicher, ich plane einmal 5 Kanister zu je 20 Liter ein.

Zwischenbilanz

Bevor ich es noch vergesse, da gibt es auch noch die schwarze Reisetasche mit ihren unergründlichen Tiefen. Darin befinden sich: Toilettzeug, mehrere T-Shirts, Unterhosen und Socken, eine Jeans (für “schön fortgehen”), zwei Jogginghosen, zwei Shorts und ein unverwüstliches Ölzeug – es soll ja auch ab und zu regnen. Haube und Handschuhe wären bei miesem Wetter auch nicht zu verachten. Waschmittel aus der Tube wird sich nicht vermeiden lassen. Ein zweites Paar Sportschuhe möchte auch noch ganz gerne mitkommen.

Jetzt wird es aber schon ein bisserl eng auf dem Honwave…

… weil das Sonnenverdeck ebenfalls unverzichtbar scheint, nämlich sowohl bei brüllender Hitze als auch bei Regen. Inzwischen ist die Packliste auf ein Gewicht von geschätzten 200 Kilo (inkl. Sprit) und ein Volumen von mindestens zwei prall gefüllten Sporttaschen angewachsen. Vom Gewicht her nicht so schlimm, aber der Platz wird knapp. Schlafen auf dem Boot ist wohl eher eine Illusion.

Dazu kommt noch…

… eine 60 Ah-Batterie für Beleuchtung (Ankerlicht zumindest) und mein elektronisches Spielzeug. Handy muss so wie so mit, ein Handfunkgerät scheint mir ebenfalls unverzichtbar. Die Anmeldung bei den Schleusen per Funk ist nicht nur bequemer sondern auch zuverlässiger. Ich habe keine Lust irgendwelche Leitern raufzukraxeln und dann funktioniert das Schleusentelefon nicht.

Weil es schon Strom an Bord gibt, fährt die Videokamera natürlich auch mit – oder verhält es sich gerade umgekehrt? Wie auch immer, ich möchte Bilder als Erinnerung mitnehmen und auch in diesem Blog posten. Sicherheitshalber sollte die Sony auch in ihr UW-Gehäuse.

Apropos elektronisches Spielzeug: Ganz oben auf der Wunschliste steht dann noch das Netbook inklusive mobilem Internetzugang. Nach den mir zugänglichen Informationen gibt es unterwegs immer wieder die Möglichkeit ins Internet zu kommen, sei es in Internetcafes oder über UMTS/GPRS.

Das heißt aber auch, für alle Gadgets die nötigen 12V Ladeteile anschaffen, denn ein 240V Inverter am Wasser scheint mir eher ein kühnes bis leicht suizidales Unterfangen.

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Der Traum gewinnt Konturen

Weitere Eckpunkte

Von einem wirklichen Plan bin ich noch immer weit entfernt. Also träume ich weiter und schmücke meinen Traum aus:

Zeit:

Zwei Fragen bewegen mich: Wieviel Zeit habe ich und wieviel Zeit brauche ich. Letztere ist gegenwärtig nicht zu beantworten, mein Zeitbudget allerdings kann ich schon heute abschätzen: Da ich einerseits schon jetzt im November über 60 Urlaubstage stehen habe und mein Gutstundenkontingent nochmals zwei Wochen hergibt, hätte ich theoretisch mindestens 13 Wochen Freizeit. Weiters kommt mir der Umstand entgegen, dass es in unserem Team – ich arbeite im Sozialbereich – eben sehr en vogue ist, mehrmonatige “Auszeiten” zu konsumieren.

Geld:

Ist nie genug vorhanden, den Rating-Agenturen sei’s gedankt. Dennoch zeigt das Beispiel Griechenland, dass Pleite und Seefahrt einander nicht ausschließen müssen. Fangen wir beim Sprit an. Im Oktober bin ich von Tulln nach Hainburg und wieder zurück gefahren, und mein Honda hat 23 Liter auf 160 Kilometer geschlürft. Rechne ich noch eine überaus großzügige Reserve hinzu, so müssten auch bei einem voll beladenen Boot 40 bis 50 Liter für 200 Kilometer (100 stromabwärts und 100 bergauf) vollaus reichen.  Strich drunter: 1000 Liter Sprit oder 1500 €.

Komplizierter wird die Kalkulation bei den Kosten für Übernachtung und Ernährung. In der Luxusvariante können es schon einmal 150 Euro pro Tag sein, wenn im Hotel geschlafen und im Restaurant getafelt wird. Aber ich plane es weitaus billiger, denn wo immer möglich soll entweder im Zelt oder auf dem Boot geschlafen werden. Auch bei den Gaumenfreuden gibt es Einsparungspotentiale. Als unterste Grenze kann ich mir 15 Euro pro Tag vorstellen. Ein Budget von 2000 € für Verpflegung und Unterkunft sollte also durchaus ausreichend sein.

Insgesamt sollte ich für dieses Abenteuer 4000 € ansparen.

Ausrüstung:

Zunächst einmal das Boot: Mein 4m Honwave mit 20 PS Aussenborder 4-Takt erlaubt eine maximale Zuladung von 1000 kg. Vorgeschrieben sind Anker, Ruder, Feuerlöscher, Badeleiter, Erste Hilfe Koffer, Leinen, Bootshaken und Handsösse. Da bleibt noch genug Stauraum.

Da campiert wird, kommt ein Zelt mit. Sinnvollerweise dazu eine Luftmatratze, einerseits wegen der Polsterung, falls auf Schotterbänken genächtigt wird und andererseits des Platzes wegen. Eine Luftmatratze nimmt geringeren Raum ein als eine Isomatte. Ein Gaskocher muss genauso mit an Bord wie Alu-Kochgeschirr und Besteck.

Bei den Essensvorräten denke ich an leicht zu zubereitende Dinge wie Fertignudeln oder Packerlsuppen. Dazu Tee, Süßstoff und Milchpulver oder Kondensmilch. Nicht vergessen darf ich einen Trinkwasservorrat von mindestens 20 Litern. Dieser Verpflegungsplan macht schon deutlich, dass ich die lokale Gastronomie zweifelsfrei nicht ignorieren werde.

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Der Traum

Irgendwann im Jahr 2011…

… stolperte ich im Schlauchbootforum über den Reisebericht “Mit der Zille von Mauthausen nach Belgrad“. Das wollte ich auch machen. Und weil gerade dabei, es musste Stromkilometer Null – also Sulina – sein. Ein entsprechender Reisebericht brachte zweierlei: Zunächst einmal die Gewissheit, dass ich diese Donaufahrt unbedingt brauche und dann die Überzeugung, dass mein Plan realistisch durchführbar ist. Bestärkt wurde ich in meiner Einschätzung vor allem durch den Reisebericht von Daubler. Ja, für mich stand fest, ich will mit dem Schlauchboot von Wien nach Sulina fahren.

Vom Traum zum Plan ist es aber noch ein weiter Weg. Fest stand ja nur: ICH will mit dem SCHLAUCHBOOT auf der Donau nach SULINA . Bereits bei diesen drei Fixpunkten meines Traumes taten sich die ersten Fragen auf: Ich – alleine oder mit Begleitung? Die Frage welches meiner beiden Boote zum Einsatz kommen sollte, war eigentlich nur eine rhetorische; aber kann es sinnvoll sein, das Metzeler als Beiboot mit zu nehmen? Zuletzt dann die Frage, ob in Sulina Schluss sein soll, oder ob die Rückreise stromaufwärts ebenfalls mit Boot erfolgen sollte.

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August 2011

Sehenswertes in der Wachau

Baden und Bootfahren wäre für sich schon ein volles Urlaubsprogramm, aber die Wachau bietet sonst auch noch viel Besuchenswertes:

Aggstein

Spitz

Dürnstein

Ruine Hinterhaus

Aber nicht nur Liebhaber alter Gemäuer kommen in der Wachau auf ihre Rechnung, auch die Naturbilder sind beeindruckend:

Nicht nur Wein und Marillen – Auch Äpfel gibt es in Hülle und Fülle

Dunkelsteiner Wald

Und wieder ab nach Hause

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August 2011

Urlaub in der Wachau

Wieder am Campingplatz Rossatz, nun allerdings schon mit dem neuen Boot. Ein wunderschöner Urlaub. Auch Puppi ist wieder dabei.

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Juli 2011

Übergabe

Am 11. Juli ist es dann soweit. Übergabe und Einweisungsfahrt. Die Betreuung durch die Firma Schwartz ist vorbildlich. Sogar ein Probekennzeichen wird mir geliehen, weil die Anmeldung sich etwas verzögert hat.

Die Begeisterung kennt keine Grenzen.

Zwischenstopp daheim.

Auch das Wasserspielzeug muss ausprobiert werden.

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Juni 2011

Schneller, höher, stärker

Citius, altius, fortius – dieses olympische Motto (neben “Dabeisein ist alles”) habe ich mir in Sachen Bootfahren sehr zu Herzen genommen. Also: Eine halbe Saison ohne Boot ist nicht. Die Reparatur am Metzeler ist komplizierter als gedacht und wird noch Monate in Anspruch nehmen. Daher kräftig am Sparschwein gerüttelt und beherzten Schritts zur Firma Schwartz. Dort wurde mir – wie ich es ja heimlich gehofft habe – ein Angebot gemacht, welches ich nicht ablehnen konnte: Ein Honwave 4m Schlauchboot mit 20 PS Honda 4-Takt (Donaukanal – wir kommen)  und Hänger um faire 5600 €. Lieferzeit auch ok. Da musste ich einfach zuschlagen.

Und da steht es schon, das Objekt der Begierde.

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Juni 2011

Vorläufiges Ende

Nun hat das Alter doch seinen Tribut gefordert. Im Inneren des Luftbodens hat sich ein Klebesteg gelöst und das hat zur Folge, dass der Bootsboden sich auf der Steuerbordseite wie ein Luftballon aufbläht.

Eine Reparatur scheint schwierig, denn um den Steg im Inneren der Luftkammer wieder anzukleben müsste der Boden der Länge nach aufgeschnitten werden. Eine andere Idee ist, dem Steg von aussen zu folgen und mit einer Naht durch Bodenober- und Unterteil die ursprüngliche Form wieder her zu stellen.

Diesen Plan habe ich auch umgesetzt, jetzt ist nur noch die Naht abzudichten. Ich werde einfach über die ganze Länge der Naht oben und unten eine Hypalonbahn kleben und hoffen, dass ich die Haut wieder dicht bekomme.

Allerdings muss ich zur Kenntnis nehmen, dass aus heutiger Sicht die Bootssaison 2011 vorerst beendet ist.

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Mai 2011

Abenteuerliches

Vor unliebsamen Überraschungen ist man als Skipper nie ganz gefeit. Das erste Abenteuer ist auf Gedankenlosigkeit zurück zu führen. Andreas und ich fahren in einem Seitenarm zu einer kleinen Insel. Nicht bedacht habe ich die Brutzeit der Schwäne – und da kommt schon so ein aufgeregter Vogel und schlägt uns in die Flucht.

Das zweite Abenteuer hat seine Ursache in Materialermüdung. Die Verklebung des Bodenventils hat ihren Geist aufgegeben. Zunächst versuche ich mit einem gewöhnlichen Kunststoffkleber das Malheur zu beheben. Mit geringem Erfolg. Also ist eine Fahrt nach Wien zur weithin bekannten und kompetenten Fa. Kupiec angesagt. Dort erhalte ich nicht nur einen perfekten Zweikomponentenkleber für Hypalon sondern auch präziese Anleitung, wie das Ventil wieder anzukleben sei.

vorher und nachher…

 

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