Restaurierung

Mein ursprüngliches Donaublog bei blog.com ist leider mit dem Untergang der Domain blog.com verschwunden. Zum Glück hatte ich noch ein Backup der Texte bis 2012. Die im Blog verlinkten Bilder allerdings mussten Stück für Stück wieder in den Text eingebunden werden. Heute bin ich damit fertig geworden.
In den Jahren 2013 bis heute habe ich das Blog nicht gepflegt, daher fehlen (noch) die Posts über den Urlaub in Istrien mit meiner Enkeltochter und meine Empfangsanlage für AIS am Dach.

Veröffentlicht unter 2013 bis 2017 | Kommentar hinterlassen

8. Juni 2012

Abfahrt und Rückblick

Der Vormittag vergeht wie im Flug mit Zusammenräumen, Nasuli für den Transport herrichten und auf den Trailer zu slippen. Krönender Abschluss: Fischsuppe und frischer Hecht.

Zum Abschluss noch die einzelnen Etappen:

1.Tag: km 1964 – 1889 75 km  (Tulln – Petronell)
2.Tag: km 1889 – 1856 33 km (Petronell – Cunovo)
3.Tag: km 1856 – 1719 137 km (Cunovo – Esztergom)
4.Tag: km 1719 – 1670 49 km (Esztergom – Surany)
5.Tag: km 1670 – 1510 160 km (Surany – Gerjen)
6.Tag: km 1510 – 1402 108 km (Gerjen – Apatin)
7.Tag: km 1402 – 1164 238 km (Apatin – Belgrad)
8.-11.Tag Stillstand in Belgrad
12.Tag: km 1164 – 1118 46 km (Belgrad – Smederevo)
13.Tag: km 1118 – 990 128 km (Smederevo – Donji Milanovac)
14.-16.Tag Stillstand in Donji Milanovac
17.Tag  km 990 – 934 56 km (Donji Milanovac – Kladovo)
18.-19.Tag Stillstand in Kladovo)
20. Tag km 934 – km 758 176 km (Kladovo – Skomen)
21. Tag km 758 – km 589 169 km (Skomen – Nikopol/Lakat)
22. Tag km 589 – km 496  93 km (Nikopol/Lakat – Ruse)
23. Tag km 493 – km 421  72 km (Ruse – Dunavet)
24. Tag km 421 – km 198 223 km (Dunavet – Brat Caleia)
25. Tag km 198 – sm 38,5 152 km (Brat Caleia – Tulcea)
26. Tag sm 38,5 – sm 0 71 km (Tulcea – Sulina)
27. Tag sm 0 – km 163 163 km (Sulina – Chiciu Mare)
28. Tag km 163 – km 345 162 km (Chiciu Mare – Mündung Bala Arm)
29. Tag Stillstand
30. Tag km 345 – km 496 151 km (Mündung Bala Arm – Ruse)
31. Tag km 496 – km 607 111 km (Ruse – Somovit)
32. Tag km 607 – km 790 183 km (Somovit – Kapitania Vidin)
33. Tag km 790 – km 934 144 km (Kapitania Vidin – Kladovo)
34. Tag Stillstand
35. Tag km 934 – km 1005 71 km (kladovo – Lepenski Vir – davon ab Djerdap im Schlepp 62 km)
36. Tag km 1005 – km 1164 159 km (Lepenski Vir – Belgrad; davon bis km 1057 im Schlepp 52 km)
37. Tag Stillstand in Belgrad, Marina Galija
38. Tag km 1164 – km 1175 und zurück 22 km (Marina Galija – Kapitania Beograd – Marina Galija)
39. Tag km 1164 – km 1157 und zurück 14 km (Marina Galija – Altarm – Marina Galija)
40. Tag Rückreise am Landweg

Gesamte Fahrstrecke 3166 Kilometer Tulln – Sulina – Belgrad in 40 Tagen

Veröffentlicht unter Sulina 2012 | Kommentar hinterlassen

7. Juni 2012

Paul kommt

Nach einer Nachtfahrt von Graz ist am Vormittag mein Bruder gekommen um Puppi, mich und Nasuli abzuholen. Zuvor allerdings gibt es noch einen Ausflug in einen nahegelegenen Seitenarm der Donau. Dort lassen wir die Seele baumeln und beobachten die Natur.Puppi beobachtet einen Fuchs.

Veröffentlicht unter Sulina 2012 | Kommentar hinterlassen

6. Juni 2012

Nasuli als Wäschespinne

Sonniges, aber recht windiges Wetter sorgten für ein flottes Trocknen der Wäsche. Anschließend habe ich Nasuli soweit ausgeräumt, dass eine unbeschwerten Fahrt mit meinem Bruder morgen kein unnötiger Ballast im Wege steht. Zum Mittagessen gab es köstliche Fischsuppe und Fischfilet. Ein perfekter Tag. Keine großen Aufgaben mehr zu erledigen.Lediglich eine Fahrt zur Kapitania Belgrad war noch zu erledigen: Meine Fahrerlaubnis für Serbien war abgelaufen und eigentlich wollte ich sie verlängern lassen. Aber den Bürokraten in der Kapitania war es wichtiger, mich und vor allem Puppi aus dem Amtsgebäude zu bringen, als mein Anliegen anzuhören. Bitte… nachdem sowieso in der ganzen Zeit niemand nach diesem Papierl gefragt hat, denke ich, dass es ohne auch gehen wird, noch ein paar Kilometer mit meinem Bruder auf der Donau zu schippern. Touristen mit Hund sind südöstlich von Bratislava offenbar ein Problem, bzw. besagte Touristen haben bisweilen Probleme ihrer Vierbeiner wegen. Da gibt es Entwicklungsbedarf… Ja, in Sachen Puppi und Gastländer waren meine Erfahrungen durchaus durchwachsen.

Veröffentlicht unter Sulina 2012 | Kommentar hinterlassen

5. Juni 2012

Ruhetag in der Marina Galija

Immer wieder musste ich meine Erlebnisse auf der Fahrt erzählen. Es war wirkliches Interesse an meinen Abenteuern und meinen Eindrücken von den Menschen in den Nachbarstaaten. Auch nach meiner Meinung zu den Frauen und Mädchen wurde ich eingehend gefragt. Zu einer gewissen Enttäuschung der Neugierigen habe ich da nichts Erhellendes zum besten geben können.

Nun spürte ich auch eine große Müdigkeit und emotionale Erschöpfung. So viel hatte ich gesehen, so viele freundliche Begegnungen durfte ich machen und letztlich hatte ich 3130 Kilometer auf der Donau zurückgelegt. Ich hatte es einfach geschafft Puppi, Nasuli und mich wohlbehalten ans Ziel zu bringen.

Blieb als letzte Aktion lediglich Klarschiff zu machen und die Wäsche zu waschen. Besonders die weißen Leiberl hatten sehr gelitten. Auch ein Mangel an frischen Socken war zu beklagen. Die Wäsche bekam ein ausgedehntes Vollbad in Waschlauge verordnet – um zumindest die schlimmsten Flecken zu beseitigen – besonders der Sand und die Reste von Autan und Sonnenmilch haben sich als ausgesprochen hartnäckig erwiesen.

Veröffentlicht unter Sulina 2012 | Kommentar hinterlassen

4. Juni 2012

Lepenski Vir bis Belgrad Marina Galija

Bereits um halb vier waren Matrose und Kapitän aufgestanden und mit den Vorbereitungen zur Abfahrt beschäftigt: Der Schiffsdiesel musste geschmiert und der Kapitän mit Kaffe versorgt werden. Punkt vier Uhr wurde dann der Anker gelichtet und ein neuer Fahrtag konnte beginnen. Das Ufer war kaum zu erkennen, dichter Nebel hüllte die Donau ein.

Mit der Zeit wurde der Nebel sogar noch dichter, die Sicht betrug weniger als hundert Meter. Gerade das Vorschiff war noch zu erkennen. Das war die Stunde des Radars. Ich war erstaunt, wie detailreich und sogar für mich interpretierbar die Darstellung gewesen ist. Auch andere Schiffe waren schon unterwegs, und siehe da, mit dem Funk klappte die Kommunikation problemlos. Allerdings auf Russisch. Der Kapitän klärte mich darüber auf, dass inoffiziell ab Komarom entweder in der Landessprache oder eben auf russisch gefunkt wird. Klar, dass da keiner mit mir reden wollte. Russischkurs wäre also angesagt, wenn man mitreden will.

Inzwischen war das Wetter aufgeklart und es zeichnete sich ein wunderschöner, sonniger Tag ab. Bei km 1057 trennten sich unsere Wege. Die Sveti Dimitar war nämlich noch nicht in Serbien einklariert und es wäre etwas eigenartig gewesen, wenn sich im Schlepptau ein bereits einklariertes Boot befunden hätte. Außerdem hätte ja die Besatzungsliste der Sveti Dimitar nicht gestimmt, wenn ich an Bord gewesen wäre. Mit vielen guten Wünschen versehen verabschiedete ich mich von den Menschen auf der Sveti Dimitar. Es war für mich wirklich eine berührende und lehrreiche Erfahrung gewesen, den Alltag auf einem Frachtschiff kennenlernen zu dürfen.

Die Fahrt nach Belgrad zur Marina Galija war unbeschwert. Dennoch kam eine Stimmung von einem Zu Ende gehen auf. Ja, ich war gerade am besten Weg, mein selbstgestecktes Ziel zu erreichen. Einerseits war ich froh, diese Fahrt zu Ende bringen zu können, andererseits hätte ich auch nichts dagegen einzuwenden gehabt, wäre das Bootfahren noch tagelang weiter gegangen.

Der Empfang in der Marina war herzlich. Fast hatte ich den Eindruck, als hätte man an meiner Rückkehr gewisse Zweifel gehegt. Aber versprochen ist versprochen – da war ich wieder. Wie zu erwarten war, wurde meine Rückkehr großzügig begossen und die Stimmung war großartig.

Tadja bot mir wieder sein Boot als Schlafplatz an, Puppi und ich nahmen dieses Angebot zu sehr, sehr später Stunde dankbar an.

Veröffentlicht unter Sulina 2012 | Kommentar hinterlassen

3. Juni 2012

Gast auf der Sveti Dimitar

Bei der Zufahrt auf die Schleuse Djerdap 1 hat sich am Funk (natürlich) wieder keine erhellende Kommunikation herstellen lassen. Also habe ich es zunächst auf der serbischen Seite versucht, weil dort bereits ein Frachtschiff an der Kaimauer verheftet war. Irritierenderweise waren die Lichtsignale bei der Schleuseneinfahrt nicht aktiv, so konnte ich keine Information daraus beziehen. Beim Zurückschleichen am Frachter vorbeigezuckelt, und da hat mich auch schon ein Seemann angesprochen. So ergab sich, dass das die richtige Seite war, und ich bekam das Angebot, am Frachtschiff zu verheften. Das war natürlich viel einfacher, als die Kaimauer zu erklimmen, die Höhe der Poller und Haken ist eben auf die komerzielle Schifffahrt eingerichtet und für mein kleines Schlauchboot entsprechend unerreichbar.

Eine längere Wartezeit zeichnete sich ab. Der Kaptiän der Sveti Dimitar hat mich und Puppi auf sein Schiff eingeladen um gemeinsam die Wartezeit zu verkürzen. Die Sveti Dimitar hatte Stückgut als Terminfracht geladen, entsprechend ärgerlich war der Kapitän, dass er nun schon seit sieben Uhr in der Früh auf eine Schleusung warten musste. Inzwischen war es nämlich schon 12 Uhr geworden, Ivan der Matrose servierte köstlches Musaka. Endlich kam die Auskunft, dass es um halb zwei wahrscheinlich soweit sein werde. Mit einer weiteren, kleinen, Verspätung war es dann endlich soweit.

In der ersten Etappe der Doppelschleuse musste ich alleine am Schwimmpoller verheften, da ja der Gegenverkehr aus der oberen Schleusenhälfte ein Anrecht auf die halbe Schleusenbreite hat. Für die zweite Hälfte bakam ich vom Kapitän das Angebot mich an sein Schiff anzuhängen. So ist die Schleusung natürlich viel bequemer.

Und weil ich schon einmal längsseits beigekoppelt war, machte der Kapitän mir das Angebot, an seiner Seite zu bleiben. Da er ja am Abend viel länger fahren würde, war der Zeitverlust zu vernachlässigen. Bergauf schafft die Sveti Dimitar im Economymodus 12 Kilometer in der Stunde.

Zu meiner unbeschreiblichen Freude durfte ich als Gast auf der Brücke mitfahren. Das sind schon ganz andere Dimensionen, obwohl eigentlich nur das Radar eine zusätzliche Navigationshilfe den Unterschied zu Nasuli macht. Autopilot gibt es auch nicht, da das auf der Donau verboten ist. Und über die Automatik, die den eingeschlagenen Kurs selbsttätig beibehalten soll, hat der Kapitän wenig Freundliches gesagt. Also Handbetrieb auf der ganzen Linie. Auch für große Schiffe kann das Treibgut eine Gefahr darstellen. Ein weiterer Grund die Steuerung keinem Automaten zu überlassen.

Für eine kleine Strecke durfte ich die Sveti Dimitar – immerhin 67 Meter lang! – alleine steuern. Und das inklusive einem Baumausweichmanöver. Das war für mich so, wie manche kleine oder große Kinder auf einer Lokomotive mitfahren wollen. Ein gewaltiger Eindruck.

Vertieft wurde dieser Eindruck dadurch, dass ich für insgesamt 24 Stunden miterleben durfte, wie das Leben an Bord eines Frachtschiffes für die Berufsschiffer aussieht: Termindruck, Lärm, Trennung von der Familie, Einsam- bzw. Zweisamkeit, Monotonie und unvorstellbare Arbeitszeiten. Der Kapitän und sein Matrose stehen um 4 Uhr in der Früh auf und beenden ihre Fahrt erst nach 22 Uhr. Selbstverständlich auch am samstag und Sonntag… Dass dabei Arbeitszeitgesetze umgangen werden ist wohl jedem klar.

Auch das Verhältnis zwischen Kapitän und Matrosen ist ein ganz Eigenartiges: Einerseits konnte ich eine rigide hierarchische Beziehungsebene sehen, die schon beinahe militärische Qualitäten aufweist, andererseits wird das immer wieder durchbrochen; etwa, wenn der Matrose meint, der Kapitän habe jetzt wirklich genug intus und den Biernachschub für eine halbe Stunde verweigert.

Die Arbeitssituation ist von großer Unsicherheit geprägt: Die Beschäftigung der beiden erfolgt stets auftragbezogen, Arbeitslosengeld oder Ähnliches ist in Bulgarien – denn von dort kommen Schiff und Besatzung – völlig unbekannt. Kapitän und Matrose sagen unisono, dass sie diese harten Bedingungen ausschließlich des Geldes (die Bezahlung ist für die Landesverhältnisse ausgezeichnet) wegen ertragen; beide wollen, sobald etwas Besseres in Aussicht ist, aus der Schiffahrt aussteigen. Allerdings wissen sie auch, dass die Alternativen im Land selbst spärlich sind. Von Schifferromantik also keine Spur.

Neben diesen Einsichten, die mir Kapitän und Matrose freimütig erlaubten, konnte ich die Fahrt durch das Eiserne Tor aus einer gänzlich anderen Perspektive genießen. Von der Brücke schaut halt im Vergleich zur Froschperspektive von Nasuli alles ganz anders aus. Vielleicht haben es die beiden auch ein wenig genossen, einen Gast an Bord zu haben, denn im Laufe der Zeit dürften sich die Gesprächsthemen schon etwas erschöpft haben. Ein besonderer Liebling der Besatzung war Puppi, die sich nach allen Regeln der Kunst verwöhnen und abknuddeln ließ (oder vielleicht lassen musste – aber sie hat keinen Widerwillen gezeigt).

Heute endete die Fahrt weit nach 22 Uhr bei Lepenski Vir am Stromkilometer 1005.

Veröffentlicht unter Sulina 2012 | Kommentar hinterlassen